Mikroplastik in Kosmetik
Eine Frau zeigt einen Teelöffel mit einer Kosmetik, die Mikroplastik (blaue Perlen) enthält. | Foto: Stefan Sauer/Illustration

Kosmetik-Clinch

Mikroplastik-Petition von Studentin überrascht dm

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Eine Studentin aus Heidelberg, Deutschlands größter Drogeriemarktfilialist und flüssiges Plastik – das sind die Zutaten für ein größeres Ärgernis.

Groß genug, um die Aufmerksamkeit von mehr als 190. 000 Menschen zu erregen. So viele haben bereits eine Petition von Isabelle Braun im Internet unterschrieben. Sie ist die bereits erwähnte Studentin und stört sich an den Kunststoffen in den Eigenprodukten von dm. „Nachhaltigkeit und Mikroplastik passen nicht zusammen“, schreibt Braun und fordert den Karlsruher Drogeriemarkt-Riesen in ihrer Petition dazu auf, Mikroplastik aus den hauseigenen Produkten verschwinden zu lassen. Ein Vorgehen, das in der Konzernzentrale nicht gerade auf Begeisterung stößt.

Mikroplastikkügelchen 2014 verbannt

„Wir bei dm beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema Mikroplastik. Daher waren wir überrascht, als diese Petition gestartet wurde“, sagt Kerstin Erbe, als dm-Geschäftsführerin verantwortlich für das Ressort Produktmanagement. Bereits vor mehr als fünf Jahren, als der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen Mikroplastik in Kosmetikprodukten mobil machte, hat dm reagiert. Das Unternehmen verpflichtete sich damals, Mikroplastikkügelchen, wie sie etwa in Peelings oft üblich waren, aus seinen Eigenprodukten zu verbannen. Und dm hielt Wort: Die Kleinstpartikel sind bei Balea und Co schon Anfang 2014 durch Alternativen ersetzt worden. „dm verwendet aber noch flüssigen Kunststoff in seinen Produkten“, bemängelt der BUND.

dm als Vorreiter?

In die gleiche Kerbe schlägt Braun mit ihrer Petition. Das sei jedoch nicht als expliziter Angriff auf dm zu verstehen. „Durch das Image der Nachhaltigkeit, das dm pflegt, habe ich dort einfach das größte Potenzial für eine tatsächliche Veränderung gesehen. Ich denke, dm kann ein Vorreiter für andere Hersteller sein“, macht Braun im Gespräch mit den BNN deutlich. Allerdings sagt die Soziologie-Studentin nach einem telefonischen Austausch mit dm inzwischen auch: „Man sieht sich dort nicht unbedingt in der Rolle, Druck auf eine ganze Branche auszuüben.“

Flüssiger Kunststoff bleibt

dm-Geschäftsführerin Erbe betont gegenüber den BNN, dass nachhaltiges Handeln durchaus „Teil unseres Selbstverständnisses“ sei. „Deshalb setzen wir uns stets vorausschauend und kundenorientiert mit den Rezepturen unserer dm-Markenprodukte auseinander und beobachten die wissenschaftlichen Entwicklungen zu den darin eingesetzten Rohstoffen.“ Allerdings könnten synthetische Polymere, also die bemängelten flüssigen Kunststoffe, in einigen Produkten nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden. „Bei Rezepturanpassungen können einzelne Stoffe nicht immer eins zu eins ersetzt und dabei die Qualität, die Sicherheit und die spezifischen Eigenschaften der Produkte erhalten werden“, betont Erbe.
Im Zwist zwischen Braun, den mehr als 190 000 Unterzeichnern ihrer Petition und dm zeichnet sich somit keine schnelle Lösung ab. Auch weil es unterschiedliche Ansichten zu Begrifflichkeiten gibt. Denn während etwa der BUND und Braun unter Mikroplastik auch die flüssige Form verstehen (siehe Stichwort), hält man sich bei dm laut Erbe an die Erklärung des Umweltbundesamts. „Diese beschreibt Mikroplastik als feste, wasserunlösliche Kunststoff-Mikropartikel“, so Erbe. Und genau die hat der Drogeriemarkt-Gigant ja bereits aus seinen Produkten entfernt.

Beitrag zur Produktqualität

Die wasserlöslichen synthetischen Polymere werden von dm – und anderen Kosmetik-Herstellern – unter anderem als Stabilisator oder Verdickungsmittel in Produkten eingesetzt. „Sie tragen damit zur Produktqualität und –sicherheit bei und ermöglichen beispielsweise eine bessere Dosierbarkeit“, so Erbe. Sie verweist zugleich auf zertifizierte Naturkosmetik-Produkte als Alternative. Für die müssen Verbraucher im Regelfall natürlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Dies wird einer der Gründe sein, warum synthetische Polymere noch nicht gänzlich zum Auslaufmodell wurden. Fragen zu den Auswirkungen einer Rezepturanpassung auf den Preis lässt dm allerdings unbeantwortet.

Freude über angepasste Rezepturen

Studentin Isabelle Braun sieht ihre bisherigen Bemühungen zumindest als Teilerfolg. Auch wenn sie sich statt eines Telefonats mit dem Konzern lieber ein persönliches Gespräch samt Petitionsübergabe mit dm-Chef Erich Harsch gewünscht hätte. „Dazu wird es aber wohl nicht kommen“, meint sie. Erfreulich sei aber, dass bereits einige Rezepturen angepasst wurden. Laut Erbe habe man „die Rezepturen bei mehr als 80 Balea-Produkten aus den Bereichen Haar-, Körper- und Gesichtspflege umgestellt und dabei auf synthetische Polymere verzichtet“.