Stefan Kehr, Gerald Hammer und Thomas Huber (von links) fachsimpeln über die verschiedenen Aromen. Der Kaffee sei sehr mild und nussig, so die Tester. | Foto: jodo

Erster Karlsruher Kaffee

Mild, nussig und mit wenig Säure

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Regionale Produkte liegen im Trend und für viele ist die Tasse Kaffee am Morgen ein Muss. Aber regionaler Kaffee? Die aromatischen Bohnen gehören nicht unbedingt zu den Erzeugnissen, die man mit Karlsruhe in Verbindung bringt. Und doch stimmt es: Am Dienstag wurde im Botanischen Garten der erste Karlsruher Kaffee vorgestellt und verkostet.

Dabei haben die schwarzen Bohnen in der Region durchaus eine lange Tradition: Wie Pläne der historischen Bepflanzung zeigen, gab es bereits im 19. Jahrhundert Kaffeepflanzen im Botanischen Garten. Nach Abschluss der Sanierung der denkmalgeschützten Gewächshäuser vor einem Jahr, in die das Land 3,5 Millionen Euro investierte, wurden die Pläne als Vorlage für die Wiederbepflanzung verwendet. So soll den Besuchern ein authentisches Gesamterlebnis geboten werden.

Kaffeepflanze stammt ursprünglich aus Stuttgart

Gartenleiter Thomas Huber ist sehr stolz auf Karlsruhes ersten eigenen Kaffee. Die Idee dazu kam ihm, als er in einer Zeitung vom Kaffee las, den die Wilhelma in Stuttgart erntete. Der Karlsruher Kaffeebaum ist ein Ableger dieser Pflanze. Das müsste doch auch hier bei uns gehen, dachte er sich. „So eine Kaffeepflanze braucht etwa vier bis fünf Jahre, bevor sie zum ersten Mal Früchte trägt“, erklärt Huber. Gemeinsam mit seinem Team hat er die gelben Bohnen geerntet und weiterverarbeitet. Etwa drei bis vier Tage müssen die Kaffeekirschen in Wasser eingeweicht werden. Jede Kirsche enthält zwei Bohnen. Diese werden anschließend aus der Kirsche herausgeschält, gesiebt und getrocknet. Die sich bildende Haut haben Huber und seine Mitarbeiter mit der Hand „herunterpulen“ müssen.

Bei der Kaffeeproduktion kann so einiges schief gehen. „Die Ernte ist überschaubar, wir hatten glücklicherweise keine Verluste durch Schimmel“, sagt Michael Hörrmann. Er ist Geschäftsleiter der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) und weiß, dass der Kaffeeanbau in Karlsruhe wohl schon immer eher dem botanischen Vergleich als der tatsächlichen Produktion galt – im Gegensatz zu beispielsweise Schwetzingen.

Zwei verschiedene Röststufen

1 660 Gramm Kaffeekirschen wurden geerntet, 260 Gramm Kaffeebohnen kamen dabei heraus. Verarbeitet wurden diese dann in der Karlsruher Rösterei espresso tostino. Die Besitzer Gerald Hammer und Stefan Kehr haben sich für diese Bohnen sogar eigens einen kleinen Hausröster ausgeliehen. Für ihre Maschinen sei die Menge einfach zu gering gewesen. „Normalerweise macht man mehrere Proberöstungen, aber hier war klar: Wir haben nur einen Schuss“, erklärt Hammer. Kaffee wird gewöhnlich zwischen zehn und zwölf Minuten lang geröstet. 230 Gramm blieben nach dem Rösten übrig. Hammer und Kehr haben zwei Röstungen hergestellt, eine etwas hellere und eine etwas dunklere.

Schlürfen erlaubt

Bei der Verkostung sei es wichtig, den Kaffee mit dem Löffel aufzunehmen und genügend Luft mit einzusaugen. So entfalten sich die Aromen optimal im Mund. Schlürfen ist also ausdrücklich erlaubt – gerne auch geräuschvoll. Der Karlsruher Kaffee schmeckt am Ende sehr leicht und nussig. Während die dunklere Mischung mehr Röstaromen enthält, schmeckt man bei der helleren mehr Kaffeearomen. Säure hingegen merke man kaum, so das Urteil der Tester. Eine Ernte bringt die Kaffeepflanze im Warmhaus pro Jahr. Aktuell trägt sie schon wieder Früchte. Kaufen wird man den Kaffee aber leider nicht können. Laut Michael Hörrman soll es auch künftig nur bei einem Baum bleiben.