Minister auf Hausbesuch: Jens Spahn besucht in der Karlsruher Yorckstraße die Hartz IV-Empfängerin Sandra Schlensog. Die 40-jährige hatte aus Empörung über den CDU-Politiker eine Online-Petition gestartet und begrüßte den Bundesgesundheitsminister nun zu einem Gespräch in ihrer Privatwohnung. Foto: dpa

Hartz-IV-Versuch lehnt er ab

Spahn besucht seine Karlsruher Kritikerin

Auf einen großen Medienrummel und eine Demonstration in der Karlsruher Innenstadt folgte ein sehr kurzer Auftritt des Bundesministers: Jens Spahn huschte an Fotografen und Kamerateams recht wortkarg vorbei, als er am Samstagmittag zu dem „Geheimtreffen“ mit der Sozialhilfeempfängerin Sandra Schlensog in der Karlsruher Weststadt eintraf. In der Privatwohnung der alleinerziehenden Mutter in der Yorckstraße tauschte  sich der CDU-Bundesgesundheitsminister mehr als eine Stunde lang in einem persönlichen Gespräch mit seiner inzwischen bundesweit bekannten Kritikerin aus.

„Schämen Sie sich, Herr Spahn!“

„Hartz IV bedeutet nicht Armut“ hatte Spahn gesagt – und sich damit auch die Wut von Sandra Schlensog zugezogen. Sie forderte den CDU-Politiker öffentlich auf, doch selbst einmal einen Monat lang von 416 Euro zu leben. Und sie sammelte mehr als 200 000 Unterschriften gegen Spahn in einer Internet-Petition. „Wer sagt, dass Hartz IV keine Armut bedeutet, der hat sie noch nie erlebt. Schämen Sie sich, Herr Spahn!“, erklärte Schlensog auch am Samstagmorgen bei der Demonstration gegen das deutsche Sozialhilfe-System. Da war Spahn selbst aber noch nicht anwesend. Beim Eintreffen des Ministers gab es dann nur eine kurze Begrüßung vor der Haustür, ein höfliches Händeschütteln.

Der Minister brachte Obstkuchen mit

Was Spahn und Schlensog miteinander besprachen, blieb hinter verschlossenen Türen. „Es war ein gutes Gespräch“, meinte Spahn nur, als er nach seinem Besuch sofort in den Dienstwagen stieg und entschwand. Später twitterte er ein Foto von sich und Schlensog beim Kaffeeplausch, zu dem er den Obstkuchen mitgebracht hatte: „Mit Hartz IV zu leben ist ohne Zweifel schwierig, denn es deckt als soziale Grundsicherung nur das Nötigste ab“, schrieb Spahn. „Es war hilfreich, mit Frau Schlensog die konkreten Probleme ihres Alltags zu besprechen.“

Hartz-IV-Selbstversuch würde wie eine „Farce“ wirken

Das Experiment, einen Monat lang von Hartz IV zu leben, will der CDU-Politiker aber erwartungsgemäß nicht eingehen  – die Bürger würden das eher „als Farce“ empfinden, meinte er. Schlensog selbst nannte das „ein wenig schade“. Das Gespräch habe „in einer angenehmen Atmosphäre“ stattgefunden, ließ sie mitteilen  – aber: „Nichtsdestotrotz zeigte sich am Ende, dass es politisch weiterhin Differenzen zwischen beiden geben wird.“