Robert Mürb war vor 50 Jahren der Buga-Chef.
„WIR SITZEN IM RESTAURANT“, erklärt Robert Mürb auf der 50 Jahre alten Terrasse des Schlossgartensees die Szenerie von 1967. Mister Buga hat auch Mannheim und Bonn zu Gartenschauen verholfen. Foto: jodo | Foto: jodo

Am 14. April 1967 begann die Bundesgartenschau in Karlsruhe

Mister Buga erzählt vom Blütentraum vor 50 Jahren

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„Es war einmalig.“ Nicht nur für Robert Mürb, aber für ihn ganz besonders. Am 14. April vor 50 Jahren wird die Bundesgartenschau 1967 eröffnet. 2 000 Gäste feiern in einem Blumenmeer, das die Schwarzwaldhalle füllt. Die ganze Republik ist informiert. Deutschland staunt über die Blumenstadt Karlsruhe.

in the summer of 67

22 Jahre nach Ende des Weltkriegs setzt die Fächerstadt ein blütenbuntes Zeichen einer grünen Stadtentwicklung. Was selbst Berufsoptimisten wie Oberbürgermeister Günther Klotz nicht für möglich halten: Am Ende haben 6,4 Millionen Menschen die Buga Karlsruhe „in the summer of 67“ besucht.

200 000 Gäste an einem Wochenende

Alle Buga-Rekorde werden gebrochen: 200 000 Gäste allein an einem Wochenende oder 700 Reisebusse an einem Tag. Karlsruhe verdient sich in diesem Sommerhalbjahr vor 50 Jahren den Titel, den ein Rüppurrer Quartier programmatisch als Namen trägt: Karlsruhe ist „die Gartenstadt“.

Ich war der Chef

Und Robert Mürb ist der Mister Buga: „Ich war der Chef.“ Der damals 34 Jahre junge Gartenbaudirektor der Stadt dirigiert als „technischer und künstlerischer Leiter der Gartenschau“ mit Hauptquartier über dem Torbogen des Botanischen Gartens diesen Stadtumbau: Der moderne Stadtgarten mit neuen Anlagen und großem See, nun ohne trennende Zäune vereinigt mit dem Zoo und mit der Tiergartenbrücke für Fußgänger statt der den Park durchschneidenden Autotrasse mit vier Spuren.

Auch der Schlossgarten gehört jetzt mehr dem denn je dem Volk. Der Rasen ist nicht mehr heilig. Der Landschaftspark des 19. Jahrhunderts ist restauriert. Dazu spiegelt sich im Schlossgartensee die Betonarchitektur der 60er-Jahre.

Nur nackter Beton blieb am See

Die Lichter des Restaurants Seeterrasse sind lange verblasst, die Wasserspiele eines grauen Betonreliefs sind nach dem Verblühen des Buga-Traums versiegt. Nur die nackte Betonterrasse mit Schlossblick über den See gibt es noch. Dort sitzt Robert Mürb. Und der heute 84-Jährige kann erzählen wie keiner. Davon, wie es war, damals vor 50 Jahren – in the summer of 67 in flowertown.

 

Bundespräsident Heinrich Lübke kommt zur Eröffnung der Buga 67.
DER BUGA-MACHER führt den Bundespräsidenten: (von links) Robert Mürb, Heinrich und Wilhelmine Lübke sowie Ministerpräsident Hans Filbinger. | Foto: Stadt Karlsruhe

Mürb, der jüngste Gartenbaudirektor der Republik, erklärt Bundespräsident Heinrich Lübke und dessen Gattin Wilhelmine die Karlsruher Gartenwelt. Es folgt die große Blumenshow in der Schwarzwaldhalle.

Da hatte ich so ein Glücksgefühl…

„Da hatte ich so ein Glücksgefühl und dachte, jetzt habe ich es geschafft.“ Doch dann – darüber muss Mürb noch heute lachen – „war ich wie nie jeden Tag auf Achse“. Nur in der Nacht vor der Eröffnung der Bundesgartenschau aber hat er nicht geschlafen, weil erst nach Mitternacht der sehnlichst erwartete Lastwagen aus der Tschechoslowakei, die damals hinter dem Eisernen Vorhang lag, mit Gemüsepflanzen für die große Schau eintrifft.

Zum Glück kennt Mürb den Oberfinanzpräsidenten persönlich. Er klingelt ihn aus dem Bett, und der lässt für die Buga die Zollvorschriften schleifen. „Machen Sie die Plomben auf, ich nehme das auf meine Kappe.“ Und so können Karlsruhe und Millionen deutscher Gartenfreunde ein Jahr vor dem „Prager Frühling“ zarte Pflänzchen aus dem Ostblock bestaunen.

Die Kosten liefen nicht davon

Weder die Zeit noch die Kosten seien ihm damals davongelaufen. „Wir haben die Kosten auf 39,6 Millionen Mark gedeckelt – und dabei ist es geblieben.“ Die Planung der Bundesgartenschau sei „der Beginn einer systematischen Grün- und Landschaftspflege in Karlsruhe“, stellt die deutsche Buga-Koryphäe fest. „Der Schlossgarten war ab 1918 verwaldet“, sagt der bundesweit anerkannte Planer städtischer Grünlandschaften. Mürb greift mit dem Arm im Halbkreis über See und Garten aus: „Wir haben 1 000 Bäume gefällt und aus dem Wald wieder den englischen Landschaftspark des 19. Jahrhunderts gemacht.“

In einem Blumenmeer wird die Buga 67 mit einem Festakt in der Schwarzwaldhalle eröffnet.
ÜPPIGE PRACHT: Der Blumenschmuck in der Schwarzwaldhalle beeindruckte die Festgäste. Karlsruhe klotzte mit der Buga 67, und Deutschland staunte. | Foto: Foto: Stadt Karlsruhe

Auch für Mürb hat die Bundesgartenschau die Entwicklung des modernen Karlsruhes im vergangenen Halbjahrhundert stark mitbestimmt. Drei Anläufe für weitere Gartenschauen in der Fächerstadt sind gescheitert. Der große Buga-OB Klotz ist sogar darüber gestürzt.

Auf dem Weg zur „Grünen Stadt“

Doch viele Buga-Pläne verwirklicht Karlsruhe für die „Grüne Stadt“ trotzdem: Von 1976 bis 1985 entsteht die Günther-Klotz-Anlage, übrigens basierend auf Mürbs Diplomarbeit „Die Alb als Element der Stadtgestaltung“.

Im Zusammenhang mit weiteren Buga-Bewerbungen wächst die Grünanlage des 21. Jahrhunderts: der Otto-Dullenkopf-Park um Schloss Gottesaue und der City-Park des Boomviertels Karlsruhe Südost.  Auch der Landschaftspark Rhein in Maxau und die neue Turmbergterrasse von Durlach sind indirekte Abkömmlinge von Karlsruhes Ur-Grün-Mutter „Buga 67“.

Jüngster Gartenbauamtschef

Mürb selbst, der zuvor ein Büro für Landschaftsarchitektur und Städtebau betreibt, wird 1963 aus 36 Bewerbern zu Karlsruhes Gartenbauamtschef gewählt. Er bleibt bis 1979 auf dem Posten. Dann folgt er dem dritten Ruf einer Uni und wird Professor in Darmstadt.

Auch als CDU-Stadtrat, als Repräsentant der Oberrheinischen Waldfreunde und ebenso bis heute als Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa wirkt der gebürtige Baden-Badener und in Rüppurr verwurzelte Karlsruher, über das Grün der Fächerstadt hinaus.
Der Ökologie-Anwalt der Christdemokraten hilft, die „autogerechte Stadt“ hinter sich zu lassen und Karlsruhe grüner zu machen.

Den Marktplatz befreit

Noch mit OB Klotz befreit er den Marktplatz vom Autoblech. „Über Nacht habe ich mit Rückendeckung von Klotz Blumenkübel aufstellen lassen“, erzählt Robert Mürb. Dieser Geist der Buga 67 wirkt in Karlsruhe – auch 50 Jahre danach.