Oststadtkreisel
Im Herzen der Oststadt zeigt der Mini-Kreisel große Wirkung. An dem Quartiersknoten müssen alle Verkehrsteilnehmer kaum warten. 2019 gab es nur einen Unfall. Dabei favorisieren Experten größere Kreisverkehre mit nicht überfahrbarer Mitte. | Foto: jodo

16 Kreisel in der Stadt

Zwei neue Kreisverkehre für Karlsruhe in Knielingen und Bulach

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Die Fächerstadt bekommt zwei weitere Kreisverkehre. Sie entstehen an wichtigen Verkehrsknoten in Knielingen und Bulach. Damit steigt die Zahl der Kreisel in Karlsruhe auf 16 Exemplare.

Die Experten bei Polizei und Stadt setzen aus mehreren Gründen an passender Stelle auf den Kreisverkehr statt einer Ampel-Kreuzung: An den Kreiseln gibt es kaum Unfälle, wie die Polizeistatistik belegt. Zudem fließt der Verkehr besser. So entstehen dort weniger Lärm und weniger Abgase.

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Gegen den Ampelstau

Karlsruhe lässt es also noch etwas mehr kreiseln. In Knielingen läuft die Umgestaltung einer Kreuzung an der Sudetenstraße. Im Zuge des Gleisbaus für die Straßenbahnverlängerung in das große Neubaugebiet Knielingen 2.0 wird das Verkehrsrund gleich weitgehend von Bund und Land mitfinanziert.

Bis Ende 2020 soll dort die aktuelle Sperrung beziehungsweise der zuvor täglich erfahrene Ampelstau im Berufsverkehr auf Knielingens Nord-Süd-Hauptachse Geschichte sein. Überhaupt baut Karlsruhe mächtig an seinen Straßen.

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Knielinger Kreisverkehr ist „unrund“

Streng genommen aber sei der Knielinger Kreisel gar kein echter Kreisverkehr, erklärt Experte Joachim Zwirner. Der Leiter des Referats Verkehr beim Polizeipräsidium weiß, dass durchschneidende Schienen rein rechtlich den Kreis unrund machen.

Die Züge bekommen eben durch Signale freie Bahn, während der Restverkehr dann beim Kreisel an Ampeln stoppen muss. Durch die querenden Bahnen ist also das Kreisgesetz der Straßenverkehrsordnung ausgehebelt: Wer im Kreis ist, genießt Vorfahrt gegenüber dem Einbieger.

Zwirner erläutert, dass sich dies auch in geringerer Beschilderung ausdrückt. An so einem eingeschränkten Kreisel steht nur das dreieckige Vorfahrt-Achtung-Schild. Es fehlt aber die runde Kreiseltafel mit dem weißen Kreis aus drei Pfeilen auf blauem Grund. Von dieser Besonderheit abgesehen, können sich viele Karlsruher aber auf die Vorteile dieses 15. Kreisels im Stadtgebiet freuen.

Schwören doch auch Tiefbauamtsleiter Martin Kissel und sein Stellvertreter, der Kreisel-Fachmann Dietmar Schaber darauf, dass ein Kreisverkehr mehr Sicherheit und Verkehrsfluss auf die Straße bringe.

Kreuzung Bulach
VOR DEM UMBAU zum Kreisverkehr steht die Bulacher Westeinfahrt. Im Frühjahr 2021 soll laut Tiefbauamt das Verkehrsrund mit 40 Metern Durchmesser fertig sein. | Foto: jodo

Auch die Planungen für den 16. Kreisel stehen: Im Sommer 2020 beginnen die Arbeiten am Westeingang von Bulach. Dort wird bis Frühjahr 2021 ein großer Kreisverkehr mit 40 Metern Durchmesser am Knoten von Pulverhausstraße und L-605-Abfahrt sowie Grünwinkler Straße und Landgrabenstraße eingebaut.

Es gibt weniger Lärm für die Anwohner

Martin Kissel, Tiefbauamtsleiter

Auch städtebaulich bringe diese Investition eine Aufwertung, meint Kissel. Zudem sei der ökologische Nutzen eines Kreisverkehrs groß: „Es gibt weniger Lärm für die Anwohner“, erklärt er. „Die Verstetigung des Fahrens ohne das Halten vor der Ampeln bringt einen stark verbesserten Verkehrsfluss und weniger Abgase“, erläutert Schaber.

Kreisverkehre von 1887 und 1933 sind historisch

Karlsruhes ersten beiden Kreisverkehre sind wahrhaft historisch: einer am Rondellplatz von 1887 und der 1933 angelegte Yorckplatz.

Dazu kamen folgende sieben Kreisverkehre:

  • Ölkreuz Knielingen
  • Neureuter Querallee
  • Neureut Querspange-Nord
  • Knoten der Sophienstraße mit der Herder- und der Wichernstraße
  • Stupferich Osteinfahrt
  • zwei Kreisel an Knoten der Fiduciastraße bei Aue

Außerdem in Karlsruhe: Vier Mini-Kreisverkehre

Überdies hat Karlsruhe vier überfahrbare Mini-Kreisel: mitten in der Oststadt, den Lindenplatz im Hagsfelder Zentrum, in Grötzingen auf der Augustenburgstraße sowie in Karlsruhe Südost beim Grünzug.

In Rüppurr gibt es zudem ein Unikum: das nur aufgemalte Kreiselchen in der Tulpenstraße.

Außerdem die berühmte runde Kreuzung

Fehlt eigentlich noch der abgerundete Knoten, der berüchtigte „Karlsruher Kreisel“. Es ist der große Knoten am Ostende des Erhardboulevards, der für die Experten aber überhaupt nichts von einem Kreisverkehr hat.

„Das ist doch nur eine runde Kreuzung“, winkt Schaber ab. Zwirner sagt es offen: „Das ist eine Fehlkonstruktion und immer noch der Top-Unfallschwerpunkt.“ Mit der Bevorrechtigung einer Hauptachse ist dort das Kreiselprinzip verletzt.

Karlsruher Kreisel
Der Schein-Kreisel beim Erhardboulevard ist der Unfallschwerpunkt. | Foto: jodo

Der Verkehr wird nicht richtig abgebremst, weil er in der Hauptrichtung nicht um mindestens sieben Meter nach rechts umgebogen wird. Überhaupt machen Ampeln und kreuzende Bahnen jedes flüssige und ungefährliche Kreiseln in diesem stadtplanerischen Clou von 1998 unmöglich.

Bei der Theodor-Heuss-Alllee klemmt es

Aus dem echten 17. Kreisel wird allerdings seit über zehn Jahren nichts: Dabei haben Kissel und Schaber den Kreisverkehr als runde Sache für die Entspannung des Waldstädter Stau- und Gefahrenpunkts an der Einmündung der L 604 in die Theodor-Heuss-Allee für Pendler aus der Hardt nicht aus den Augen verloren.

Doch für dieses ewige Projekt lässt sich die Umsetzung noch immer nicht absehen. Mehrfach wurde die Planung wieder ganz neu begonnen. Dabei stehen sich die Interessen der Anwohner und des Naturschutzes für den Wald im Wege. Außerdem agieren die städtischen Kreiselplaner dabei nicht alleine. Auch das Land mischt als Eigner der L 604 direkt mit.

Kreisel sind unauffällig

Zwirner kann mit der Polizeistatistik belegen, dass der Kreisverkehr auch in Karlsruhe mehr Sicherheit als Kreuzungen mit oder gar ohne Ampeln an Verkehrsknoten bringt. Die Unfälle an den Kreisverkehren im Jahr sind mit Ausnahme der vielen Auffahrunfälle an der runden Kreuzung beim Erhardboulevard mit zwei Händen abzuzählen.

Kreisverkehre sind sicherer.

Dietmar Schaber, Kreisel-Fachmann 

Meist sind Radfahrer beteiligt. Zwirner nennt den Knoten Fiducia-/Killisfeld-/Ottostraße „auffällig“ mit fünf Unfällen 2019, weil durch diesen Kreisel zu schnell durchgefahren werden könne.
„Kreisverkehre sind sicherer, weil die Geschwindigkeit herabgesetzt ist“, erklärt Schaber. Bei niedrigem Tempo falle der Unfallschaden geringer aus. „Und es kommt überhaupt zu weniger Unfällen“, betont Kissel.

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Vorrang im Kreis

Beispielsweise entfällt das unfallträchtige Linksabbiegen. „Der Kreisverkehr muss aber richtig gebaut sein, er muss eng genug sein, dann gibt es weniger Konflikte“, meint Zwirner. Grundsätzlich ist die Sache mit dem Kreisel einfach: Wer drin ist, genießt Vorrang. Darin liegt das Erfolgsprinzip.

Doch in der Praxis kann es nicht nur für die Planer leicht kompliziert werden. Auch die Verkehrsteilnehmer müssen zwischen einem Kreisel innerorts und einem außerorts unterscheiden.

Fußgänger und Radler

Zwirner erklärt: Innerorts muss der Autofahrer beim Ausbiegen aus dem Kreisel die dort querenden Fußgänger vorlassen, genauso die Radler, wenn deren Überweg nicht abgekröpft in mehr als fünf Meter Entfernung vom Kreisel liegt. Außerorts ist der Radweg generell vom Kreisel abgerückt, folglich müssen die Radfahrer dort warten.

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