Die Ausstellung „Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800“ im Generallandesarchiv Karlsruhe präsentiert bis 27. Oktober 2017 Karten aus der Zeit der Türkenkriege. | Foto: abw

Ausstellung in Karlsruhe

Mit Grüßen vom Türkenlouis: Karten des Donauraums

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Die Markgrafen von Baden haben während der Türkenkriege fleißig Karten des Donauraums gesammelt. Die wertvollen Stücke bilden jetzt die Grundlage einer Ausstellung im Generallandesarchiv Karlsruhe. Und liefern reichlich Stoff zum Nachdenken über Europa und seine Regionen.

Im Mittleren Schwarzwald entspringen Brigach und Breg. Bei Donaueschingen fließen sie zur Donau zusammen. Einem Strom mit einer Gesamtlänge von 2 857 Kilometern, der bis zu seiner Mündung im Schwarzen Meer Länder mit höchst unterschiedlichen Kulturen verbindet. Die schöne blaue Donau – da ist Musik drin. Spätestens seit der Uraufführung des Donauwalzers von Johann Strauß vor 150 Jahren verbindet man mit dem Fluss eine europäische Landschaft, denkt man an Wien und Budapest, die einstigen Zentren der Donaumonarchie.

„Fließende Räume“ – und der Türkenlouis steht mittendrin

Das war nicht immer so: Weite Teile Südosteuropas wurden erst im 18. Jahrhundert für die Habsburger erobert – in blutigen Kriegen gegen die Osmanen. Einer, der als kaiserlicher Oberbefehlshaber bedeutende Schlachten gewann, war Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655 – 1707), der „Türkenlouis“. In der Ausstellung „Fließende Räume“ im Generallandesarchiv Karlsruhe (GLA) posiert der hagere Erbauer des Rastatter Schlosses mit Allongeperücke und Harnisch. Umgeben ist sein Staatsporträt von Karten des Donauraums aus den Jahren 1650 bis 1800. In diesem Zeitraum, so erzählt die Ausstellung, wurde der noch viele „weiße Flecken“ aufweisende Donauraum eigentlich erst „erfunden“.

Machtansprüche spiegeln sich in Karten des Donauraums

Die überdimensionale Reproduktion einer Karte aus dem Jahr 1635 empfängt die Besucher: Sie zeigt den Verlauf der Donau von der Quelle bis zur Mündung. Doch die Geographie ist nicht alles, wie man beim Blick auf die Titelkartusche erkennt. Es geht auch um religiöse und imperiale Machtansprüche, die an der Donau aufeinanderprallen: Links erhebt der Kaiser, das Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches, sein Schwert. Er stellt sich schützend vor eine Dame, die das christliche Kreuz hochhält. Rechts gibt sich der Sultan nicht weniger kriegerisch.  Und die weibliche Gestalt an seiner Seite tritt das Kreuz in den Staub.

Diese Bildbotschaft musste im christlichen Abendland Schrecken auslösen: Eine Türkin tritt das Kreuz in den Staub. | Foto: abw

… eine kräftige Prise Propaganda

Diese propagandistische Meisterleistung spiegelte die die Furcht des christlichen Abendlands vor einer Invasion der muslimischen Türken, sie verstärkte sie und förderte die Kriegsbereitschaft. Vergleichbaren Bildbotschaften begegnet man beim Gang durch die Ausstellung immer wieder. Auf Militärkartografen, die die neu eroberten Gebiete erschlossen, folgten Wissenschaftler. Deren gelehrte, aber durchaus ideologisch gefärbten Werke über Südosteuropa trugen entscheidend zur „Erfindung des Donauraums“ bei.

Auch am Oberrhein ging die Angst vor den Türken um

Die grassierende Türkenangst ließ auch die Menschen am Oberrhein nicht unberührt. Sie erfasste Katholiken und Protestanten gleichermaßen. Der Türkenlouis war nicht der einzige seines Hauses, der im Donauraum kämpfte, auch andere badische Markgrafen zogen gegen die Osmanen in den Krieg. Zu militärischen Zwecken legten sie sich eine beachtliche Sammlung von handgezeichneten und gedruckten Karten zu, die heute vom Generallandesarchiv und der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt werden.

Die Faszination des Fremden

In der Auseinandersetzung mit den Türken begegneten die  badischen Potentaten auch deren Kultur. Und sie ließen sich von ihr faszinieren. Davon zeugt in der Ausstellung etwa das Stammbuch des Markgrafen Ernst Friedrich aus der evangelischen Linie Baden-Durlach: Es entstand um 1580/90 und enthält Aquarelle von Osmanen in farbenprächtigen Gewändern. Der Detailreichtum dieser Miniaturen spricht für verblüffend genaue Kenntnisse über die Bräuche des militärischen Gegners. Der katholische Türkenlouis und seine Frau Sibylla Augusta ließen sogar sich selbst in orientalischer Kleidung porträtieren.

„Fließende Räume“

Die Kartensammlung der badischen Markgrafen bildet die Grundlage der Ausstellung „Fließende Räume“. Weitere Karten des Donauraums haben das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen sowie private Leihgeber beigesteuert. Die 70 im Generallandesarchiv präsentierten Karten laden ein, ein Stück „unbekanntes Europa“ zu entdecken. Und sie konfrontieren mit der Frage, welche Bilder von einzelnen Regionen des „gemeinsamen Hauses Europa“ heute (noch) in unseren Köpfen verankert sind.

Die wertvollen Originale sind nur in Karlsruhe zu sehen

Später soll die Ausstellung durch den Donauraum „wandern“ und in Österreich, Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien Station machen. Dort werden allerdings Faksimiles der alten Karten gezeigt. „Die wertvollen Originale sind nur bei uns in Karlsruhe zu sehen“, sagt GLA-Chef Wolfgang Zimmermann. Bis 27. Oktober 2017 ist Gelegenheit dazu.

Mehr zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm erfahren Sie hier.

Wenn Sie sich für  Geschichte interessieren – hier wird ein anderes Kapitel aufgeschlagen: