Spur der Verwüstung: Der oder die Täter leiten meist Gas in den Geldautomaten und bringen dieses anschließend zur Explosion. Während die Fallzahlen in Baden-Württemberg zuletzt rückläufig waren, stiegen sie in Rheinland-Pfalz stark an. | Foto: dpa

Geldautomaten-Sprengungen

Mitten in der Nacht schlagen die Täter zu

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Die Glassplitter liegen in allen Ecken. Dazwischen steht der gesprengte Geldautomat, oder besser gesagt das, was noch von ihm übrig ist. Das Bild gleicht sich in allen Fällen. So wie das Vorgehen der Täter. Sie schlagen meist mitten in der Nacht zu und hinterlassen in der Bank ein Chaos. Das ist letztlich auch für die Kunden ärgerlich, denn sie können dort meist längere Zeit kein Geld abheben. Dass Geldautomaten gesprengt werden, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. Erst vor kurzem meldete die Karlsruher Polizei wieder eine Automaten-Sprengung. Diesmal in Knielingen. Die Täter flüchteten, allerdings ohne Beute. Ähnliche Fälle aus jüngster Vergangenheit sind etwa auch aus Karlsruhe-Rüppurr, Bretten oder dem Raum Pforzheim bekannt.

Viele Fälle im Landkreis Karlsruhe

Nach Angaben des Landeskriminalamts in Stuttgart wurden in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr zwar weniger Bankautomaten gesprengt als noch im Jahr zuvor. Allerdings stieg die Zahl der Fälle, in denen die Täter Beute machten. So kamen die Unbekannten in insgesamt zehn Fällen an das Geld heran – das gelang ihnen 2016 nur in vier Fällen. Der oder die Täter leiten meist ein Gas-/Sauerstoffgemisch in den Geldautomaten und bringen dieses anschließend zur Explosion. Zeugen berichten später von einem lauten Knall, doch bis die alarmierte Polizei vor Ort ist, sind die Täter meist schon über alle Berge.

Gehen von organisierten Banden aus

Doch es gibt auch Ausnahmen: Ende Februar fasste die Polizei beispielsweise einen 27-jährigen Mann aus Karlsruhe, der im Jahr zuvor an der Sprengung eines Geldautomaten in Rheinland-Pfalz beteiligt gewesen sein soll. „Aus eigenen Erkenntnissen und den Ermittlungserkenntnissen aus anderen Bundesländern sowie der Vorgehensweise der Täter, müssen wir davon ausgehen, dass es sich in den meisten Fällen um organisierte Banden handelt“, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamts in Stuttgart gegenüber den BNN.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr im Südwesten 17 Automaten gesprengt, fünf weniger als im Jahr zuvor. Im Landkreis Karlsruhe sind sieben Fälle dokumentiert worden. 2015 hatte es im Südwesten nur eine solche Sprengung gegeben. Man suche nun verstärkt das Gespräch mit den Geldinstituten, um neue Wege zu finden, wie man Automaten künftig noch sicherer machen könne, heißt es beim baden-württembergischen Innenministerium.

Rheinland-Pfalz schlägt Alarm

Mit dem Problem steht Baden-Württemberg derweil nicht alleine da. Während die Fallzahlen im Südwesten allerdings zuletzt rückläufig waren, geht der Trend beim Nachbarn Rheinland-Pfalz genau in die andere Richtung. Waren es 2015 und 2016 jeweils noch fünf Fälle, wurden im vergangenen Jahr 23 Geldautomaten gesprengt. Diese Masche sei sehr profitabel, erklärte Johannes Kunz, Präsident des Landeskriminalamtes, vor kurzem bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik von 2017. Zahlen nannte er allerdings in diesem Zusammenhang nicht. Mittlerweile kümmert sich eine Arbeitsgruppe Bandenkriminalität des Polizeipräsidiums Mainz um die Aufklärung der Fälle.

Das planen die Täter genau

„Die gegensätzliche Entwicklung ist wohl eher dem Zufall geschuldet“, vermutet man beim Innenministerium in Stuttgart. Bei den Sprengungen von Geldautomaten handele es sich nicht um zufällige Taten. „Das planen die Täter genau“, meint ein Ministeriumssprecher. Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin, der in diesem Jahr die Federführung über die deutsche Kreditwirtschaft inne hat, erklärt man auf Anfrage, dass das Thema Sicherheit in der Organisationshoheit der einzelnen Institute liege. Vor Ort erfolge dies auch in Zusammenarbeit mit der Polizei. „Es wird alles Menschenmögliche getan, um die Sicherheit zu garantieren“, betont ein Sprecher des Verbandes.

Von den insgesamt 17 Geldautomaten-Sprengungen, die im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg registriert worden sind, ereigneten sich dem Landeskriminalamt in Stuttgart zufolge sieben Fälle im Landkreis Karlsruhe. Bei fünf Fällen gelang es den Tätern demnach Bargeld zu erbeuten. Sowohl bei den vollendeten als auch bei den versuchten Taten kam es zu teilweise erheblichen Sachschäden.