Todesanzeige in einer Zeitung
Todesanzeige in einer Zeitung: Im bayerischen Nördlingen ist ein Schüler mit einer falschen Todesanzeige gemobbt worden. | Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Ermittlungen laufen

Mobbing mit Fake-Todesanzeige: Schulträger spricht von Extremfall

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Die Veröffentlichung einer falschen Todesanzeige über einen Mitschüler sieht der betroffene Schulträger als sehr heftiges Mobbing an. „Das ist ein einmaliger Fall, sowas hatten wir noch nie“, sagte Peter Kosak, der Direktor des Schulwerks der Diözese Augsburg, am Dienstag. An den 42 Schulen des Schulträgers sei so etwas noch nie vorgekommen. „Das ist ein Extremfall.“

Am vergangenen Freitag war in einer Zeitung eine Traueranzeige erschienen, in der der angebliche Tod des 13 Jahre alten Buben einer katholischen Realschule in Nördlingen vermeldet wurde. Nach den bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei soll ein 14 Jahre alter Mitschüler die Todesanzeige aufgegeben haben. Er bestritt dies zuletzt. Derzeit würden Beweismittel in dem Fall ausgewertet, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Auch Zeitungsverlag will Anzeige erstatten

Die „Augsburger Allgemeine“, bei der die Anzeige erschienen ist, berichtete unterdessen, dass drei weitere Fake-Anzeigen in Auftrag gegeben worden seien. „Es wurde allerdings verhindert, dass diese gedruckt wurden. Bei einer ist es nicht gelungen“, heißt es in dem Bericht. Nachdem die Traueranzeige mit einer falschen Bankverbindung gebucht worden sei, werde auch der Zeitungsverlag als Geschädigter Strafanzeige erstatten.

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„Wir sind sehr betroffen von dem Vorfall, der in dieser Form einmalig ist“, erklärte der stellvertretende Verlagsleiter Rüdiger Hoebel. „Wir tun alles dafür, die Ermittlungsbehörden zu unterstützen, und überprüfen gleichzeitig unsere Plausibilitätsprüfungen und Sicherheitsmechanismen, um zukünftige Fälle möglichst zu vermeiden.“

„Mehr Prävention kaum möglich“

An der Schule waren schon im November Mobbingfälle bekannt geworden. Fünf Mädchen und Buben der achten Jahrgangsstufe seien Opfer der Angriffe geworden, berichtete die Polizei damals. Es wurden Ermittlungen wegen Internetkriminalität eingeleitet, weil auf den Namen der betroffenen Schüler beispielsweise auch falsche Telefonverträge abgeschlossen und Reisen gebucht wurden. Anfang Dezember gab es an der Realschule dann einen Informationsabend zu Mobbing, an der auch eine Polizeibeamtin über die Gefahren aufklärte.

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Die Schule habe insofern vorbildlich reagiert, mehr Prävention sei kaum möglich, sagte Schulwerksdirektor Kosak. Was mit dem 14-Jährigen geschehe, wenn sich die Vorwürfe bestätigen, sei noch unklar. Zunächst müssten die Ermittlungen abgewartet werden. Im schlimmsten Fall würde die Privatschule den Vertrag kündigen. Dann müsste der Jugendliche die Schule verlassen, sagte Kosak.

dpa/lby