Das „Scrunchie“ ist wieder schick: Lange war das mit Stoff ummantelte Zopfgummi aus den 80er Jahren bei Modebewussten verpönt – jetzt ist es wieder „in“.
Das „Scrunchie“ ist wieder schick: Lange war das mit Stoff ummantelte Zopfgummi aus den 80er Jahren bei Modebewussten verpönt – jetzt ist es wieder „in“. | Foto: Jörg Donecker

Inspiriert von Berlin

Mode in Karlsruhe: Von der Fashion Week in die Fächerstadt

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Mitte Januar, höchste Zeit für ein neues Frühlingsoutfit! Nicht ganz. Während sich die Fashion Week in Berlin in diesen Tagen schon um die Trends des nächsten Winters kümmert, ist das modische Angebot in Karlsruhe noch sehr in der Gegenwart verhaftet: Jacken, Mäntel und unzählige Strickpullover hängen auf den Bügeln. Und doch finden trendbewusste Karlsruherinnen und Karlsruher Neues und Aktuelles auch in der Fächerstadt.

Als Trendfarben für 2019 etwa haben Modezeitschriften kräftiges Rot, Königsblau, Mangogelb oder Rosatöne auserkoren – die finden sich sogar schon auf Strickpullis und winterlichen Wollmänteln in den Karlsruher Geschäften der großen Modeketten.

Vom No-Go zum It-Piece: Das „Scrunchie“ ist zurück

Vergangene Jahrzehnte spielen natürlich auch wieder eine Rolle. Die 80er und 90er zum Beispiel – wieder oder immer noch, wer vermag das schon so trenngenau zu definieren? Groß geschnittene Blazer und schmal geschnittene Oberteile, und sogar das lange verpönte Zopfgummi sind 2019 total angesagt. Wie war das damals in der Kultserie „Sex and the City“? Keine echte New Yorkerin würde sich jemals außerhalb ihres Badezimmers mit diesem Teil (englisch: „Scrunchie“) sehen lassen!

Und heute kaufen die Karlsruherinnen das mit Stoff ummantelte Haargummi wieder mit Begeisterung bei Minette in der Amalienstraße. „Das haben wir seit Oktober“, erklärt Inhaberin Esther Laut, „die Mädels fragen jetzt immer mehr danach.“ Radlerhosen dagegen, die auch immer wieder in den Modezeitschriften auftauchen, würden sich wohl nicht durchsetzen. „Dazu braucht man eine Topfigur, und es ist schwierig, das im Alltag zu kombinieren.“

Influencer bestimmen schnelllebige Trends

Animal Prints, also gedruckte Textilien im Leoparden- oder Schlangenlook, würden nach wie vor gekauft, genauso wie der klassische Blazer. „So langsam kommen jetzt aber auch schon einige Pastelltöne und der große Trend: Neonpink“, sagt Laut. „Das sieht man jetzt bei den Influencern oder bei Prada.“

Zu einer der Modewochen in Berlin, Kopenhagen oder Paris fährt Esther Laut etwa einmal im Jahr. Vier große Hauptbestellungen macht sie, und dann werden wöchentlich die neuesten Trends nachgeordert. „Die Trends sind heute sehr schnelllebig“, sagt sie. Mit ihren großen halbjährlichen Kollektionen könnten die Designer gar nicht so weit vorausschauen, deshalb gebe es immer auch Zwischenkollektionen.

Frühlingsfarbe auf dem Wintermantel: Ein kräftiges Mango-Gelb soll 2019 voll im Trend liegen. Michael Preißler bietet ihn im „Unikat“ seinen Kundinnen Annika und Lea (von links) an.
Frühlingsfarbe auf dem Wintermantel: Ein kräftiges Mango-Gelb soll 2019 voll im Trend liegen. Michael Preißler bietet ihn im „Unikat“ seinen Kundinnen Annika und Lea (von links) an. | Foto: Jörg Donecker

„Die Berliner Modewoche spielt immer eine Rolle“, findet Holger Witzel, Geschäftsführer des Modehauses Nagel in Durlach. „Es werden die kommenden Trends gezeigt, die uns beim Einkauf helfen, die Modethemen festzulegen.“ Etwas Sommermode sei schon da – für die Damen, denn die Herren seien immer etwas später dran. Auch bei Nagel komme etwa im Wochentakt neue Ware an. In der Männermode werde nun das Karomuster durch Prints abgelöst.

Bei den Anzügen bleibe das körperbetonte Hemd, jedoch werde das Material weicher, die Farben heller. „Der Anzug an sich wird vom Schnitt her wieder breiter, wie in den 70er Jahren“, so Witzel. Mit Schlaghose? „Bei uns nicht, die Hose bleibt in der Silhouette schlank, aber mit Bundfalte.“ Bei den Damen setzt das Modehaus Nagel auf fröhlichere Farben und innovative Drucke, auch bei Hosen. Streifen und Karos werden wieder mehr.

Nachhaltigkeit ist großes Thema bei der Fahion Week

Ein großes Thema auf der Berliner Modewoche ist diesmal „Sustainable Fashion“, also nachhaltige Mode. Wie passt das mit wöchentlich wechselnden Trends zusammen? „Nachhaltigkeit spielt für uns die wichtigste Rolle überhaupt“, sagt Holger Witzel. Etwa bei der langfristigen Bindung der Stammkundschaft oder der Beratung. „Früher hat man sich darüber keine Gedanken gemacht, weil der Konsum einfach da war“, so Witzel. Ganz anders als heutzutage.

Andreas Preißler vom „Unikat“ in der Kaiserstraße begrüßt das. „Es ist schön, dass es mittlerweile ein Umdenken in Karlsruhe gibt“, findet er. Bei Unikat achteten er und sein Bruder Michael darauf, auch Kleidung von Marken anzubieten, die in kleiner Stückzahl und in Europa produzieren. Nachhaltige Materialien wie Tencel oder Viskose spielen eine Rolle. „Wir sind aber kein Fair-Trade-Laden“, betont er – dieses Versprechen könne er nicht halten. Doch er achte bei der Markenauswahl darauf, wo und auch wie produziert werde.

Produktion wieder vermehrt in Europa

Auch Preißler bietet wöchentlich neue Ware an. „Aber in kleiner Stückzahl, und Retouren werden nicht vernichtet“, sagt er in Anspielung auf die Praxis mancher Online-Verkaufsriesen. „Das hat aber nichts mit der Fashion Week zu tun“, sagt Preißler. Denn die beschäftige sich ja mit den Trends des kommenden Winters. „Aber kein Mensch weiß jetzt schon, ob es wirklich so kommt.“

Denn was Blogger und Influencer etwa auf Instagram gut finden, könne keiner voraussehen.
Auf nachhaltige Mode aus Europa achtet auch Tanja Wolf, die in der Waldstraße den Laden „Maribelle“ eröffnet hat. Auch hier hängen noch viel Strick und warme Kleidungsstücke. Eine Freundin betreut das Geschäft, denn die Inhaberin hat gerade in Berlin zu tun: Inspirationen und Trends von der Fashion Week in die Fächerstadt holen.