Digitale und „echte“ Welt verschmelzen bei Benutzung der App „Moviefy“ zu einer neuen Art des Geschichtenerzählens. Zwölf literarische Spaziergänge bietet die App in Karlsruhe an.
Digitale und „echte“ Welt verschmelzen bei Benutzung der App „Moviefy“ zu einer neuen Art des Geschichtenerzählens. Zwölf literarische Spaziergänge bietet die App in Karlsruhe an. | Foto: Jörg Donecker

Die Stadt als Kinoleinwand

Moviefy-App aus Karlsruhe bietet eine neue Art des Geschichtenerzählens

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Eine Liebesgeschichte zwischen Schauburg und Indianerbrunnen, ein Zombie-Krimi rund um die Marktplatz-Pyramide, persönliche Anekdoten an vielerlei Orten in Karlsruhe: Die Geschichten, die über den Kopfhörer aus dem Handy kommen, sind so vielfältig wie die Stadt, in der sie spielen. Mit der App „Moviefy“ lässt sich die Fächerstadt auf eine ganz neue Weise erleben.

Der Marktplatz heißt in der fiktiven Zukunft „Marktbecken“

Per GPS geführt, startet die Erzählung, sobald der entsprechende Punkt in der Stadt erreicht ist. Während die Stimme im Ohr erzählt, zum Beispiel als Polizist auf der Spur eines mysteriösen Verbrechens, spaziert man den in der App vorgegebenen Weg entlang. Zum Beispiel von der Polizeiwache zur Evangelischen Stadtkirche und weiter über den Marktplatz (der in der fiktiven Erzählung wegen Überflutung „Marktbecken“ genannt wird). Schritt für Schritt, Wegstück für Wegstück schreitet die Geschichte fort. Wie im Kinofilm – nur, dass die Stadt selbst die Leinwand ist, auf der sich alles abspielt.

Autoren aus Karlsruhe steuern Geschichten bei

Entwickelt haben die App die beiden Kurbel-Geschäftsführer Fabian Eck und Sophie Burger gemeinsam mit der Karlsruher Entwicklerfirma Rock5 – die Geschichten kommen von unterschiedlichen Karlsruher Autoren. „Wir hatten schon länger darüber nachgedacht, wie man das Kinoerlebnis in die Stadt hinein verlängern kann. Etwas ähnliches erzählen, ohne dass es einen Film dazu gibt“, sagt Sophie Burger. Moviefication nennt sich daher das Projekt, das den Übergang von Filmsprache und filmischen Erzählelementen in filmfremde Kontexte beschreibt – angelehnt an den aus der Computerspielebranche kommenden Begriff der Gamification.

Der Kontakt zu den Autoren kam bei einem Planungstreffen für die Literaturtage im Mai 2017 zustande, weitere Projekte in Zusammenarbeit mit der Literatenrunde und der Hochschulgruppe KITeratur, etwa zum Kulturfest im Dörfle oder zur Grötzinger Malerkolonie, sind in Planung. „Nächstes Jahr wollen wir ein Serienformat herausbringen, bei dem eine Geschichte aus mehreren Perspektiven fortschreitend erlebt werden kann“, erzählt Burger.

Kontakte zur Startup-Szene

Bisher finanzieren die Macher das Projekt selbst, stehen aber bereits in Kontakt mit der regionalen Startup-Szene. „Wir wollen das Konzept ausprobieren und zeigen, dass es funktioniert“, sagt Burger. „Ich glaube, dass es immer stärker eine Verschmelzung von virtuellem und echtem Leben geben wird.“ Diese Entwicklung sieht sie durchaus positiv: „Mit Moviefy haben wir eine App geschaffen, bei der das Handy in der Tasche verschwindet. Man hat Zeit, sich umzuschauen und muss sich nicht von der Umwelt abkapseln. Das zeigt: Eine App kann auch dazu da sein, seine Umwelt bewusster wahrzunehmen.“

Die App „Moviefy“ ist kostenlos im Google Play Store für Android und ab dem Frühjahr 2018 im App Store für iOS verfügbar. Weitere Infos über das Projekt im Internet unter moviefication.de