SETZT AUCH AUF DIE KARLSRUHER CITY: Oliver Stoll kennt den Online-Handel aus dem Effeff. Mit seiner Sovendus GmbH ist er überzeugt: Auch der klassische Einzelhandel hat Zukunft. | Foto: Fabry

Karlsruher Sovendus GmbH

Mr. Online glaubt an den stationären Handel

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Seit 20 Jahren macht Oliver Stoll mit Online-Handel gute Geschäfte: zunächst mit einem eigenen Weinhandel und dann mit seiner Karlsruher Sovendus GmbH als Gutschein-Spezialist für Unternehmen wie Tom Tailor, Heine, C&A, Christ, Fressnapf, Conrad oder myToys. Doch Stoll ist überzeugt, dass neben dem Kauf per Klick auch der klassische Einzelhandel Zukunft hat.

„Ich glaube an die Mischung. Und ich glaube, dass die Mischung nie verschwinden wird.“ Im stationären Einzelhandel kann man Ware anfassen und direkt anschauen, betont der Unternehmer Stoll. Beides lasse sich vom Online-Handel nie ersetzen.

Jetzt hat der 51-Jährige die Stadt Karlsruhe für seine neueste Dienstleistung ausgeguckt: Dort bietet er in Kürze die App „Scoup“ an. Das Kürzel steht für Shopping und Coupon. Mit 36 Partnern geht es los. Bundesweite Filialisten wie Christ, Thalia oder Runners Point sind genauso dabei wie etablierte regionale Akteure wie Papier Fischer oder Parfum-Stephan. Die App kurz erklärt: Wer sie kostenlos heruntergeladen hat, darf sich auf Anhieb mindestens drei Gutscheine für Vergünstigungen bei Einzelhändlern oder bei Gastronomen aussuchen. Löst er einen ein, kann er sofort einen anderen Gutschein nachordern. Ziel sei es, „Scoup“ deutschlandweit auszurollen. „Ich kann mir es durchaus auch international vorstellen“, sagt Stoll im BNN-Gespräch. Denn die Verträge für den Einzelhandel seien fair und kurz gestrickt. Dieser bezahle nur eine Gebühr an Sovendus, wenn ein Gutschein eingelöst wird. Er würde es begrüßen, wenn auch weitere regionale Einzelhändler bei „Scoup“ dabei wären.

Warum Karlsruhe? „Aus Lokalpatriotismus“, wegen der Nähe zur Sovendus-Zentrale und weil die Stadt nicht zu groß, aber auch nicht zu klein für einen Test sei, nennt Stoll Gründe.

Vom Online-Weinhandel zum Gutschein-System

In Karlsruhe hat der Schwabe Stoll einst Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Nach Stationen bei einer Unternehmensberatung und bei einem Industriekonzern in Frankfurt, Kassel und Köln machte sich der leidenschaftliche Programmierer 1998 mit dem Weinhandel „Genussreich“ in Karlsruhe selbstständig. „Da war ich der Zeit voraus“, sagt er. Nach Startschwierigkeiten kam durch die Kooperation mit dem Unternehmen Payback Schwung in das junge Geschäft. Später erkannte Stoll: Wenn man sich mit anderen Shops vernetzt, profitieren sowohl die Online-Läden als auch die Kunden.

Viele, die per Klick bereits eingekauft haben, wissen, um was es geht: Sie dürfen nach einem Bezahlvorgang als Dankeschön bei einem Partner einen Gutschein einlösen. Über 960 Partnershops betreut Sovendus inzwischen.

Der Unternehmer nennt keine Umsatz- und Ergebniszahlen. Klar ist freilich: Sovendus wächst rasant. Vor fünf Jahren waren es noch 31 Mitarbeiter, nun sind es 108. Die werden im Mai 2019 aus Platzgründen in das frühere Karlsruher-Versicherungen-Haus umziehen, in das Sovendus knapp drei Millionen Euro investiert. Gesellschafter sind Stoll mit 47 Prozent und Michael Kofluk mit 19 Prozent. Den Rest hält die Private-Equity-Gesellschaft Bregal. Hinter der steht die Family Brenninkmeijer (C&A).

Sovendus erzielt über 20 Prozent des Umsatzes außerhalb von Deutschland

Mittlerweile erzielt Sovendus laut Stoll über 20 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Deutschland. „In der Branche haben wir einen Namen“, verweist er auf die zahlreichen Referenzkunden. Das Geschäftsmodell sei einfach, die IT-Technik ausgefeilt, außerdem sei Sovendus in der Neukundenakquise sehr gut. Das, was das Unternehmen mache, sei in dieser Form einmalig in Deutschland. Wettbewerber sind Stoll zufolge alle, die Online-Marketing betreiben – wozu bekanntlich auch Tech-Riesen wie Google und Facebook gehören. Vor allem in Großbritannien, Spanien und Frankreich sieht der Geschäftsmann denn auch noch Potenzial für eine Internationalisierung. Die Niederlande hätten sich prima entwickelt. Und neben dem Ausbau des Online-Gutscheingeschäfts setzt er wie erwähnt auf Kooperationen mit dem stationären Einzelhandel. Karlsruhe könnte hier als Pionier-Stadt bei Marketingexperten durchaus Geschichte schreiben.