In Quarantäne: Die „World Dream“ liegt in Hongkong, die Gäste dürfen das Schiff nicht verlassen. Auch die „MS Westerdam“ legte dort an, durfte aber weiterfahren.
In Quarantäne: Die „World Dream“ liegt in Hongkong, die Gäste dürfen das Schiff nicht verlassen. Auch die „MS Westerdam“ legte dort an, durfte aber weiterfahren. | Foto: dpa

Coronavirus

Auch Thailand lehnt Kreuzfahrtschiff mit Karlsruher an Bord ab – „Lage dramatisiert sich“

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Seit fast zwei Wochen irrt die MS Westerdam auf den Meeren umher. Japan, Taiwan und die Philippinen ließen das Kreuzfahrtschiff aus Angst vor Corona-Infizierten nicht anlegen. Doch am Montagabend war die Stimmung an Bord auf dem Höhepunkt: In der „Show Lounge“ und in den Bars wurde gefeiert, wurde ausgelassen gesungen. Im Hafen von Laem Chabang (Bangkog) sollte der Alptraum enden – dachten die 2.300 Menschen an Bord. Am Dienstag der Schock: Thailand entzieht die Erlaubnis zum Anlegen.

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Der Karlsruher Andreas Bönsel meldet sich mit drastischen Worten von Bord des Schiffes: „Die Enttäuschung ist groß, die Gesichter waren lang. Jetzt dramatisiert sich die Lage.“

Der 59-Jährige hat über Jahre in Thailand gelebt und verfolgt die Berichterstattung der lokalen Medien. „Die Ereignisse überschlagen sich“, sagt Bönsel. Mal lese er, das Schiff darf anlegen, dann wieder nicht.

Der letzte Stand vom späten Dienstagabend: Die MS Westerdam nimmt wieder Kurs auf Laem Chabang und soll dort Sprit sowie Essen aufnehmen – und muss dann wieder ablegen. Bönsel kann nur ungläubig die Route des Schiffes auf den Bildschirmen an Bord verfolgen, Durchsagen vom Kapitän gibt es derzeit nicht mehr. „Was wird mit uns? Das ist die Frage.“

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Karlsruher appelliert an Behörden

Mittlerweile ist die Stimmung an Bord wieder umgeschlagen. „Egal, wo wir hinkommen, wird uns abgesagt. Wir sind ein Politikum, ein politischer Spielball – so fühlt es sich an.“ Weiter gibt es keinen offiziellen Verdachts- oder Krankheitsfall an Bord.

„Kein Mensch hier ist krank, keiner hat Schnupfen“, betont Bönsel. Er lobt allerdings den Zusammenhalt an Bord. „Wir sind extrem zufrieden mit den Mitarbeitern.“ Der Karlsruher fordert aber mehr Unterstützung deutscher Behörden. „Die diplomatischen Kanäle lassen uns total hängen.“

Botschaft nicht zuständig?

Das Auswärtige Amt hatte nach einer BNN-Anfrage am Freitag die deutsche Botschaft in Tokio kontaktiert. Die weiß von dem Fall, sieht sich aber nur begrenzt zuständig. Japan hat entschieden.

Das Auswärtige Amt bietet Deutschen bei Notfällen im Ausland konsularische Hilfe und Unterstützung an. In diesem Fall wurde der deutsche Reiseverband kontaktiert, der mit deutschen Anbietern und Vermittlern von Kontingenten sprechen soll, wie vom Auswärtigen Amt zu hören ist.

Wenig Trost per Twitter

Weiter heißt es aus Berlin: Landegenehmigungen müssten zwischen dem jeweiligen Staat und der Reederei des Schiffes, eventuell auch dem Staat, unter dessen Flagge es fährt, ausgehandelt werden.

In dem Fall handelt es sich um die niederländische Reederei Holland-America Line. Die teilt auf Twitter mit: „Wir wissen, dass es für unsere Gäste und ihre Familie verwirrend ist. Wir sind sehr dankbar für ihre Geduld.“ Die werden die Passagiere weiter brauchen.

1.000 Menschen gestorben

Das neuartige Coronavirus hat unterdessen in China inzwischen mehr als 1.000 Menschen das Leben gekostet. Nachweislich infiziert haben sich nach der offiziellen Statistik bisher gut 42.600 Menschen. In Bayern gibt es zwei neue bestätigte Coronavirus-Fälle. Damit ist ihre Zahl in Deutschland auf 16 gestiegen.

Bei den Zahlen aus China ist indes von einer Dunkelziffer auszugehen. Die chinesische Gesundheitskommission zählt Menschen, bei denen das Virus mit einem Test nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome der Lungenkrankheit zeigen, schon seit einigen Tagen nicht mehr mit – ein Vorgehen, das klar der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) widerspricht.

Der Chef der WHO rief die Welt zu Solidarität auf. „Es geht jetzt nicht um Publikationen, Patente und Profite“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus zum Auftakt eines Expertengipfels in Genf. „Jetzt geht es darum, den Ausbruch zu stoppen und Leben zu retten. Mit Ihrer Unterstützung können wir das hinbekommen.“ In Genf tagen Experten aus aller Welt, um die Erforschung des Virus voranzubringen und möglichst die Grundlage zur Entwicklung eines Impfstoffs zu legen.