Gartenanlagen könnten nach Plänen der Stadt dem Wohnbau weichen. Das Bild zeigt die überfluteten Seewiesen nach einem Starkregen im Juni 2013. | Foto: Archiv Donecker

Karlsruhe sucht Wohnbauflächen

Müssen Kleingärten weichen?

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Die Fächerstadt wächst. Ebenso die Sorge der Kleingärtner: Der städtische Planungsausschuss schielt auf drei Gartenanlagen, die für Neubaugebiete weichen müssten. Konkret handelt es sich um die Anlagen Exerzierplatz nördlich des Städtischen Klinikums, Seewiesen am Rüppurrer Schloss sowie die Gärten an der Pulverhausstraße. Diese Gebiete sollen im Flächennutzungsplan 2030 zu Wohnbauland werden. Vorteilhaft sei für die potenziellen Wohnquartiere jeweils die Nähe zu Tram oder Stadtbahn. Dies sei besonders für einkommensschwache Familien in einer „Stadt der kurzen Wege“ wichtig, erläutert die Verwaltung.

Reserveflächen statt Kleingärten

„Es geht um Optionsflächen für den Wohnungsbau“, bestätigt Baubürgermeister Michael Obert. Angesichts des großen Bedarfs an Wohnraum und eines erwarteten Wachstums der Fächerstadt auf 330 000 Einwohner müsse man Reserven schaffen. Der Baudezernent erklärt, dass die betroffenen Kleingärten im aktuellen Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbands als „Erweiterungsflächen“ ausgewiesen sind.

Gartenfreunde legen Widerspruch ein

Es ist offen, ob der Gemeinderat am 17. Januar 2017 einer Umwidmung in Wohnbauland zustimmen wird. Selbst wenn, müsste die Verwaltung im nächsten Schritt ein Bebauungsplanverfahren erstellen. Dann wurde der Ball erneut im Feld des Gremiums liegen. Nach Entwürfen für den Flächennutzungsplan 2030 könnten zwei der drei Kleingärten um wenige hundert Meter verlegt werden, eine weitere Ausgleichsfläche sei bei Knielingen angedacht. Bis zu 600 Pächter wären betroffen, sagt Alfred Lüthin, Vorsitzender der Gartenfreunde Karlsruhe. Die Kleingärtner haben bei der Stadt und den Ratsfraktionen bereits Widerspruch eingelegt.

Gartenfreunde fordern mehrstöckige Wohngebäude

„In Karlsruhe gibt es genügend Flächen zur Wohnbebauung, die bereits versiegelt waren“, meint Lüthin. Er kritisiert, dass auf dem ehemaligen Kasernengelände in Knielingen statt mehrstöckiger Wohnanlagen kleine Einfamilienhäuser gebaut wurden. Potenzial für Wohnbau sieht Lüthin hinter dem Hauptbahnhof und an der Rintheimer Querallee. Die Kleingärten seien ein wichtiges Element in der Stadt. „Sie sind Frischluftproduzenten, hier gibt es mehr Pflanzen und Tiere als in öffentlichen Parks.“ Die Ausgleichsflächen für die Gärten hält Alfred Lüthin für ungeeignet. Die Pächter hätten meistens längere Anfahrtswege. Er rechnet nicht damit, dass die Fraktionen dem Flächennutzungsplan 2030 zustimmen.

Vorhandene Wohnbauflächen effektiver nutzen

Die Kult-Fraktion hat sich in einem Antrag gegen die Pläne positioniert. Die Stadt solle vorhandene Wohnbauflächen effektiver nutzen. „Kleingärten sind wichtig für das Klima und unverzichtbar für die Stadtgesellschaft“, heißt es in dem Antrag. Sollten sich tatsächlich keine Wohnbauflächen finden, wäre eine Umnutzung nur in Einzelfällen denkbar. Selbst die Verwaltung sieht die Umwandlung des Gebiets Seewiesen problematisch. Wegen des hohen Grundwassers wären aufwendige Erschließungsarbeiten notwendig.