Europatag: Vor dem Rathaus betonte Karlsruhes OB Frank Mentrup, dass es zu Europa keine Alternative gibt. Foto: jodo

In Karlsruhe und Nancy

Musikalische Stoßgebete für Europa

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Ein Europatag im Zeichen der Corona-Krise: Obwohl nicht, wie ursprünglich geplant, Tausende teilnehmen konnten, gedachte man in Karlsruhe des Friedens- und Kulturprojekts Europa. Am Rathaus sprach Oberbürgermeister Frank Mentrup, auf der Turmberg-Terrasse legte Europa-Abgeordneter Daniel Caspary ein Plädoyer für Europa ab.

Für den Oberbürgermeister hat die Szenerie Symbolcharakter: Zwischen der riesigen Flagge mit den Länderfahnen sämtlicher europäischer Staaten und den Bürgern erstreckt sich ein Bauzaun. „Europa ist eine Baustelle“, sagt Frank Mentrup. Gerade haben um 18 Uhr am Europatag vier junge Musiker des Jugendorchesters Karlsruhe das grenzüberschreitende Friedens- und Kulturprojekt mit ihren Blechblasinstrumenten hochleben lassen.

Bekenntnis zu Europa

„Freude schöner Götterfunken“, die Europahymne, aber auch das programmatische „Die Gedanken sind frei“ sowie „Kein schöner Land“ haben sie gemeinsam vom Balkon als auch vom Parterre aus intoniert. Währenddessen sind Passanten mit Eiswaffeln und Einkaufstüten mal interessiert, mal gleichgültig vorübergeschlendert.

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Mitglieder der Karlsruher Liste (KAL) haben im Beisein von Oberbürgermeister Mentrup, Bürgermeister Albert Käuflein sowie einigen Stadträten mit Europa-Plakaten auf die derzeit strapazierte Nachbarschaft hingewiesen: „Karlsruhe im Herzen Europas“ steht darauf zu lesen, und die Forderung: „Keine Grenze zum Elsass“.

Sie alle beschwören „die gute Nachbarschaft“, während zeitgleich in Karlsruhes französischer Partnerstadt Nancy ein ähnliches Bekenntnis zu Europa in Corona-Zeiten über die Bühne geht.

Wir gehören alle zusammen, und wir stehen zusammen

Frank Mentrup, Karlsruher Oberbürgermeister

„Wir gehören alle zusammen, und wir stehen zusammen“, bekräftigt Oberbürgermeister Mentrup. Auch wenn die ursprünglich geplante ganz große Pro-Europa-Veranstaltung mit Mega-Picknick beim Schloss nicht stattfinden konnte, ist es doch ein Signal, das am Europatag vom Rathaus ausgeht. Vielleicht ein umso intensiveres. Die Krise zeige, sagt Mentrup, „dass wir viel mehr Europa brauchen“. Für die Menschen, für die Kultur, für soziale Belange. Applaus von den im Corona-Abstand Versammelten.

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Flammendes Plädoyer für mehr Europa

Auf der Turmberg-Terrasse hatte es bereits am Vormittag einen klangvollen Aufschlag pro Europa gegeben. Gemeinsam mit Drehorgel-Mann Alois Fleig und Cellist Vasily Bystroff brachte Europaabgeordneter Daniel Caspary nebst Familie eine „Ode an die Freude“ und ein flammendes Plädoyer für mehr Europa aus.

Natürlich fehlte dabei auch das „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier nicht, die obligatorische Eurovisions-Melodie. Das „Te Deum“ sei eigentlich ein Gebet, erklärte Fleig. Und was könne Europa derzeit besser gebrauchen als ein Gebet, fragte er die Zaungäste.

„Beschämend“

Daniel Caspary sprach von einem diesmal „sonderbaren Europatag“. Leidenschaftlich machte er sich dafür stark, die Grenzkontrollen zwischen Baden und dem Elsass wieder weg zu bekommen.

Es sei beschämend, wenn die im Elsass wohnende und in Baden tätige Krankenschwester nach der kräftezehrenden Schichtarbeit nur über Umwege wieder zurück in die Heimat fahren könne, sagte der Vorsitzende der deutschen CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament.

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Auch andernorts im Stadtgebiet gedachte man am Abend Europas. So schallte Beethovens „Ode an die Freude“ in der Südstadt als Trompetenklang von einem Balkon, Spaziergänger mit EU-T-Shirts flanierten durch die Günther-Klotz-Anlage.