Luftig besetzt: Die ersten Gottesdienste in Karlsruhe nach achtwöchiger Zwangspause fanden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Foto: jodo

Sitzabstand und Hygiene

Nach Corona-Pause: Karlsruher OB lobt Bedeutung der Gottesdienste für Stadtidentität

Anzeige

Nach achtwöchiger Corona-Zwangspause hat es in Karlsruhe wieder Gottesdienste in den Kirchen gegeben. Dabei hatte der Schutz vor einer Infektion oberste Priorität: Große Sitzabstände, Masken und Desinfektionsmittel waren dabei die Mittel der Wahl.

Die Gläubigen sitzen in luftigem Abstand, Helfer haben mögliche Sitzplätze mit leuchtendem Klebeband markiert.

Die Vorabendmesse am Samstag in Sankt Stephan markiert einen Aufbruch. Nach achtwöchiger Gottesdienst-Zwangspause begrüßt der katholische Stadtdekan Hubert Streckert wieder zur Eucharistiefeier. 110 Sitzplätze bietet der Zentralbau im Herzen der Stadt unter Corona-Bedingungen; nicht alle sind besetzt. Die überwiegende Mehrzahl der Gottesdienstbesucher trägt Maske.

Mehr zum Thema: In Karlsruhe werden wieder Gottesdienste mit Besuchern gefeiert

Hostie mit Abstand verteilt

Es ist ein vorsichtiges Herantasten, ein Spagat zwischen Infektionsschutz und Spiritualität. Auch nicht in seinen kühnsten Träumen habe er sich vorstellen können, dass es acht Wochen keine Gottesdienste geben würde, sagt der Dekan. Jetzt fahre man den Betrieb wieder hoch, und dabei muss einiges bedacht werden.

Etwa, dass auch beim Betreten und Verlassen des Gotteshauses der Mindestabstand gewahrt wird.

Und, dass beim Austeilen der Hostie keine Gefahr besteht. Das geschieht unter anderem durch eine eigens eingeübte Choreografie: Die Gläubigen treten dazu in gebührendem Abstand an die Altar-Insel heran, die sonst übliche Formel „Der Leib Christi“ sowie die Entgegnung entfallen.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Bedeutung des Gebets

In seiner Predigt erinnert Streckert an die Herkunft des Wortes „Krise“ vom griechischen Verb „krinein“, was so viel bedeutet wie unterscheiden, trennen und absondern. Eine Krise sagt er, mache deutlich, was wichtig und was nachrangig sei. Zur erstgenannten Kategorie zähle das Gebet. Dies sei eine der wichtigen Erfahrungen der vergangenen Wochen.

Lockerungen ähnlich begrenztem Tempolimit

Ganz ohne Masken, dafür mit viel Spiritualität und Musik nimmt am Sonntag Morgen der im Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden organisierte „Treffpunkt Leben“ in der Hermann-Leichtlin-Straße den Gottesdienst-Betrieb wieder auf. Meist junge Leute sind gekommen; allesamt haben sie sich zuvor online ein Ticket besorgt.

Pastor Philipp Hönes vergleicht die Lockerungen, die nun wieder Gottesdienst mit Einschränkungen möglich machen, mit einem Tempolimit von 100 auf der Autobahn. „Wir wollen versuchen, Tempo 90 zu fahren“, sagt er der Gemeinde. Zu- und Ausgang sind per Einbahn-System geregelt, die Sitzabstände groß. Mit Kameras wird das Geschehen live gestreamt.

Mehr zum Thema: Im Raum Bruchsal wieder Gottesdienste: Stumme Protestanten – singende Katholiken

Sankt Stephan: Handdesinfektion am Eingang

Während die Evangelische Stadtkirche zeitgleich noch keine Besucher zum Gottesdienst vorlässt und stattdessen auf Online-Streaming setzt, haben sich etwa in der katholischen Christkönig-Gemeinde die Gläubigen zum ersten gemeinsamen Gottesdienst nach dem Shutdown zusammengefunden. Am Eingang werden die Hände per Sprühflasche desinfiziert, die Sitzreihen sind ähnlich wie in Sankt Stephan zwar schütter aber gleichmäßig besetzt.

Bevor er nach der Wandlung de Kommunion spendet, entschuldigt sich Pfarrer Hans-Jörg Krieg bei der Gemeinde und eilt hinter die Kulissen. Dort desinfiziert er sich abermals die Hände, damit alle Gefahren nach menschlichem Ermessen gebannt sind. Auch hier geht die Verteilung des nach katholischer Vorstellung gewandelten Brotes stumm über de Bühne. Und in gebührendem Abstand: Mit ausgestrecktem Arm empfangen die Gläubigen de Hostie.

Mentrup: Gottesdienste wichtig für Stadt-Identität

„Mit der Erlaubnis für öffentliche Gottesdienste kehrt ein wichtiger Teil unserer Stadt-Identität zurück“, sagt OB Frank Mentrup. Schon Markgraf Karl-Wilhelm habe de Religionsfreiheit bei der Stadtgründung 1715 als ein zentrales Grundrecht verankert. Abstand und Hygiene seien aber wichtig, denn die Gefahr durch Corona sei nicht gebannt.