Im Tageslicht zeigt sich das Ausmaß des Brandschadens: Der Dachstuhl der Caddyhalle fiel dem Feuer zum Opfer.
Im Tageslicht zeigt sich das Ausmaß des Brandschadens: Der Dachstuhl der Caddyhalle fiel dem Feuer zum Opfer. | Foto: Sandbiller

Hofgut Scheibenhardt

Nach dem Brand beginnt die Suche nach der Ursache

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Auf dem grünen Rasen neben der Zufahrt zum Golfclub Scheibenhardt übt ein adrett angezogener Herr mit ruhigem Schwung seinen Abschlag. Doch dieser Montagmorgen auf dem Gelände des Hofguts Scheibenhardt vor den Toren von Karlsruhe und Ettlingen beginnt für viele mit einem Schock: Eines der Hauptgebäude des Golfclubs, die sogenannte Caddyhalle, ist in der Nacht einem Brand zum Opfer gefallen.

Es riecht nach verbranntem Holz wie nach einem großen Lagerfeuer, übriggebliebene, verkohlte Dachbalken ragen schwarz in den blauen Spätsommerhimmel. Am Boden liegen zersprungene Dachziegel und andere Trümmer herum. Die steinernen historischen Mauern jedoch stehen noch stabil, die Statik des Gebäudes ist offenbar noch intakt.

In der Nacht kursierten noch Berichte, dass der Brand im ehemaligen Jagdschloss, dem Hauptgebäude der barocken Anlage, ausgebrochen sei, wo Ateliers der Staatlichen Akademie für Bildende Künste untergebracht sind. Bei dem abgebrannten Gebäude handelt es sich aber um die sogenannte Caddyhalle des Golfclubs, ein Nebengebäude der historischen Schlossanlage.

Dachstuhl der Caddyhalle fällt Feuer zum Opfer

Der Dachstuhl des Gebäudes ist auf einer Hälfte komplett niedergebrannt. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf den Teil des Gebäudes, in dem die Clubgastronomie untergebracht ist, sowie auf umliegende Gebäude verhindern. Polizei und Feuerwehr Karlsruhe waren um 2.15 Uhr am frühen Montagmorgen alarmiert worden. Ein Großaufgebot der Feuerwehr war nur wenige Minuten später am Einsatzort.

Mit insgesamt 88 Kräften konnten Berufs- und freiwillige Feuerwehr die Flammen löschen. Zudem waren Rettungsdienst, Polizei und der Störungsdienst der Stadtwerke Karlsruhe vor Ort. Die Polizei selbst hatte 20 Beamte im Einsatz. Spätestens gegen 4.30 Uhr war der Brand laut Polizei unter Kontrolle.

Zum nächtlichen Löscheinsatz rückte ein Großaufgebot der Karlsruher Berufs- und freiwilligen Feuerwehren zum Hofgut Scheibenhardt aus. Foto: Sandbiller | Foto: Sandbiller

Beeinträchtigungen am Verkehr der nahen Landstraße 605 soll es nicht gegeben haben. Um die Ausbreitung des Feuers besser einschätzen zu können, setzte die Polizei Karlsruhe auch einen Hubschrauber ein. Der Helikopter suchte mit einer Wärmebildkamera nach möglichen Glutnestern.

„Die sind von außen sonst nur schwer zu erkennen“, erklärte ein Sprecher der Polizei noch am frühen Morgen gegenüber den BNN. Bei Tageslicht gehen indessen die Brandherd-Kontrollen der Feuerwehr sowie die Ursachensuche weiter. Verletzt wurde niemand, doch der Sachschaden wird auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. „Das wird bei dieser Schadenshöhe immer gemacht“, erklärt Florian Herr vom Polizeipräsidium Karlsruhe.

Bisher keine Hinweise auf Brandstiftung

Es gebe jedoch bisher keine Hinweise auf Einbruch oder Brandstiftung. Nach bisherigen Feststellungen dürfte ein technischer Defekt an einer Ladestation für Elektro-Golfcaddys den Brand verursacht haben. Auch ein Zusammenhang mit dem Erpressungsfall vor gut einem Jahr kann wohl ausgeschlossen werden.

Damals zerschnitt ein Unbekannter immer wieder an mehreren Stellen den Zaun um das Gelände. Er drohte damit, Wildschweinen freien Zutritt zum Gelände zu verschaffen, sollten die Tore des Golfclubs nicht für die Öffentlichkeit geöffnet bleiben. „Das Gebäude war gesichert, und die Feuerwehr hat keine Einbruchsspuren gefunden“, sagt Christian Fitterer, Vizepräsident des Golfclubs, der sich am Vormittag ein erstes Bild der Lage verschafft hat. Mehr könne er im Moment noch nicht sagen.

Derweil schaut sich ein Ehepaar nach neuer Golf-Ausrüstung um. Der Mann hatte Glück, seine Caddybox liegt in einem anderen Gebäude und wurde vom Brand verschont. Seine Gattin dagegen hat ihren E-Trolley, das Golfbag samt Schlägern, Bälle und Sportkleidung an die Flammen verloren – allein der E-Trolley koste neu etwa 2 400 Euro. Nach einem nicht ganz billigen Besuch im clubeigenen Golf-Shop kann das Paar dann aber noch wie geplant zum Training auf den grünen Hügeln der Golfanlage übergehen.