Vor dem Landgericht Karlsruhe muss sich ein 26-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten.
Vor dem Landgericht Karlsruhe musste sich ein 26-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. | Foto: dpa

Landgericht Karlsruhe

Nach Messerattacke in Karlsruher Kanzlei: 26-Jähriger zu dreieinhalb Jahren verurteilt

Anzeige

Weil er den Onkel seiner Lebensgefährtin mit einem Messer attackiert hat, wurde ein 26 Jahre alter Karlsruher von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Der Angeklagte war am 31. Mai 2019 gegen 12.15 Uhr in einer Anwaltskanzlei in der Südweststadt auf den 46-Jährigen losgegangen. Dabei wurde das Opfer des Angriffs an der rechten Hand verletzt. Nach Einschätzung des Gerichts habe der Angeklagte nicht in Tötungsabsicht gehandelt, sondern eher Schnittbewegungen vollzogen.

„Er hätte zustechen können“

„Er hätte ohne Probleme zustechen können. Aber er hat es nicht getan“, berief sich der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt bei seiner Urteilsverkündung auf das Video, das die 16-jährige Tochter des 46-Jährigen mit ihrem Smartphone aufgenommen hatte und das am ersten Verhandlungstag gezeigt wurde.

Eine Verurteilung wegen eines minder schweren Falls zog das Gericht aber trotzdem nicht in Betracht. „Das war keine Kneipenschlägerei“, stellte Schmidt klar. Wer mit einem Messer auf eine andere Person losgehe, nehme schließlich immer gefährliche Verletzungen in Kauf. Klare Worte richtete der Vorsitzende Richter auch an den 46-Jährigen. Selten habe er eine Aussage erlebt, die so „von Belastungstendenzen getrieft“ habe, sagte Schmidt.

Staatsanwalt forderte sechseinhalb Jahre

Staatsanwalt Adrian Hepworth sah die Anklage nach der zweitägigen Beweisaufnahme dagegen weitgehend bestätigt und forderte wegen versuchten Totschlags eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Der Angeklagte habe seine Freundin in die Kanzlei begleitet und dafür extra ein Messer mitgenommen. Als er den Onkel seiner Freundin gesehen habe, habe er den Entschluss gefasst, ihn zu töten und mehrfach mit dem Messer auf den 46-Jährigen eingestochen, so Hepworth weiter.

Dass es zu keinen schlimmeren Verletzungen kam, lag nach Hepworths Einschätzung an der „massiven Gegenwehr“ des 46-Jährigen. Außerdem habe der Angeklagte mitbekommen, dass der Kanzlei-Inhaber bereits kurz nach dem Beginn der Attacke die Polizei alarmiert hatte. Deshalb habe er seinen Angriff nach etwa zwei Minuten abgebrochen und die Flucht ergriffen.
Zugunsten des Angeklagten wertete der Staatsanwalt dessen Teilgeständnis. Außerdem ließen ein Brief aus dem Gefängnis sowie seine Entschuldigung während der Hauptverhandlung ein gewisses Maß an Reue erkennen. Gegen den Angeklagten sprachen für Hepworth allerdings die zahlreichen einschlägigen Vorstrafen.

Verteidigung plädiert auf Bewährungsstrafe

Verteidiger Michael Ried plädierte wegen der nicht erwiesenen Tötungsabsicht auf eine Bewährungsstrafe. „Selbst die Verletzung an der Hand ist durch einen Schnitt entstanden“, berief sich Ried auf das Gutachten der Sachverständigen Kirsten Marion Stein. In dem Gutachten habe die Rechtsmedizinerin auch weitere Behauptungen des 46-Jährigen, wie etwa mehrere gezielte Faustschläge gegen den Kopf und ein daraus resultierendes Schädel-Hirn-Trauma, eindeutig widerlegt. Rieds Fazit: Der 46-Jährige sei ein „überzeugender Schauspieler“ und habe wegen der Verletzungen maßlos übertrieben.