Im Fokus der Forschung: Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt begutachtet ein Exemplar der eingewanderten Hyalomma-Zecke. (Foto: Universität Hohenheim/Corinna Schmid)
Im Fokus der Forschung: Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt begutachtet ein Exemplar der eingewanderten Hyalomma-Zecke. (Foto: Universität Hohenheim/Corinna Schmid)

Zeckensaison

Nach „Rekordzeckenjahr“: FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg gehen zurück

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Rund 3.500 Zecken haben Professorin Ute Mackenstedt im vergangenen Jahr erreicht. Nachdem in Deutschland Tropenzecken gesichtet wurden, rief die Universität Hohenheim in Stuttgart vor rund einem Jahr die Bevölkerung dazu auf, auffällige Zecken an ihre Forschungsgruppe zu schicken. Nun können die Wissenschaftler eine erste Entwarnung geben.

Unter den Zecken war keine mit den gefürchteten tropischen Erregern befallen. Das berichtet die Parasitologin in einer Pressekonferenz am Montagvormittag.

Tropenzecken im Fokus der Forschung

2018 warnten Experten vor einer Zunahme tropischer Zecken in Deutschland, die eigentlich in Afrika, Asien und Südeuropa zuhause sind. Die Forscher entdeckten unter allen Einsendungen sechs verschiedene Zeckengattungen. Darunter befanden sich auch Exemplare der Hyalomma-Zecke, die sich durch ihre gestreiften Beine auszeichnet. Auch Exemplare der Braunen Hundezecke erreichten die Forschungsgruppe. Die Braune Hundezecke sticht nicht nur Hunde, sondern kann auch Menschen befallen.

Unterschiede zum „Gemeinen Holzbock“

Diese unterscheiden sich von der hier heimische Zecke, dem „Gemeinen Holzbock“, nicht nur äußerlich. Sie können auch neue Krankheitserreger in sich tragen. Die eingesendeten Exemplare wurden auf die Tropenkrankheiten untersucht. Dabei wurde bei keiner Zecke das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber oder das Arabisch Hämorrhagische Fieber nachgewiesen. Aber: „41 von ihnen trugen den Erreger des Zecken-Fleckfiebers in sich.“, merkte Ute Mackenstedt an.

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Vor allem Pferdebesitzer hatten die fast ein Zentimeter große Zecke eingeschickt, teilte die Forscherin mit. „Normalerweise befällt die Hyalomma-Zecke gerne große Säugetiere wie Pferde oder Rinder. Aber es ist eben nicht ausgeschlossen, dass sie auch Menschen befällt und somit diese tropischen Erreger überträgt“, sagte Mackenstedt.

Tropenzecken derzeit kein Problem für den Landkreis Karlsruhe

Die Tropenzecken stellen zum derzeitigen Zeitpunkt aber kein relevantes Problem für den Landkreis Karlsruhe dar, teilte eine Ärztin am Gesundheitsamt Karlsruhe mit. Daher plane das Gesundheitsamt derzeit keine besonderen Kampagnen.

Weniger FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg – trotz aktiver Zecken

Dass Zecken in Deutschland die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, ist hingegen keine Neuigkeit. Seit Jahren gelten große Teile Baden-Württembergs als Risikogebiet. In diesen Gebieten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der FSME-Impfung.

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Der Mikrobiologe Gerhard Dobler berichtete am Montagvormittag von einer positiven Entwicklung: „Nach dem Rekord-Zeckenjahr 2018 mit 607 Erkrankungen von FSME, ist die Zahl 2019 auf 462 gesunken.“ Dieser Rückgang sei vor allem auf Baden-Württemberg zurückzuführen: Hier gebe es im Vergleich zum Vorjahr 115 Fälle weniger. Im Karlsruher Stadt- und Landkreis kamen 2019 ähnlich viele FSME-Fälle wie im Vorjahr vor, sagte eine Ärztin am Gesundheitsamt Karlsruhe.

Warum vor allem in Baden-Württemberg weniger Menschen an FSME erkrankten, kann Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt nicht erklären: „Die Zeckenaktivität war 2019 nach wie vor so hoch wie im Jahr 2018.“

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Zeckensaison verschiebt sich

Die Untersuchungen zeigen zudem, dass die Zecken mittlerweile zu anderen Zeiten aktiv sind. Früher gab es zwei große Zecken-Phasen: „Die erste im April, die zweite und schwächere im September“, sagt Rainer Oehme. Mittlerweile seien in manchen Gebieten Zecken im Hochsommer aktiv oder fallen zur zweiten Aktivitätsphase aus.

Universität Hohenheim sammelt weiterhin Zecken

Ute Mackenstedt zeigte sich am Montagvormittag zufrieden mit den Ergebnissen: „Die Menge an Daten, die wir durch die Einsendungen bekommen konnten, ist überwältigend“, sagte die Zeckenexpertin. Daher bittet die Parasitologin auch in diesem Jahr darum, ungewöhnliche Zecken an die Universität Hohenheim zu schicken.