Verhaltensänderung nach Tod von Flusspferd-Baby: Mutter Kathy liegt mitunter teilnahmslos im Wasser.
Verhaltensänderung nach Tod von Flusspferd-Baby: Mutter Kathy liegt mitunter teilnahmslos im Wasser. | Foto: Sandmann

Karlsruhe

Nach Tod von Nachwuchs: Flusspferde trauern nicht wie Menschen

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Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Noch nie ist im Karlsruher Zoo Freude so schnell in Trauer umgeschlagen wie in der vergangenen Woche. Am Montag vermeldete der Tiergarten, dass die Flusspferde Kathy und Platsch Nachwuchs bekommen haben. Nur zwei Tage später wurde das 43 Kilogramm schwere weibliche Jungtier tot auf dem Beckenboden gefunden. „Lebensschwach“ sei es gewesen, sagte Zoodirektor Matthias Reinschmidt am Donnerstag.

Jetzt bietet sich Besuchern des Flusspferd-Geheges ein Bild, das an trauernde Eltern denken lässt. Kathy und Platsch brüllen sich über die Absperrung ihrer Becken hinweg an, der Bulle versucht, sich durch die Absperrung zu beißen. Mitunter treibt das Weibchen teilnahmslos im Wasser.

Trauer im menschlichen Sinne sei das jedoch nicht, sagt Zoodirektor Reinschmidt, aber bei Kathy sei definitiv eine Verhaltensänderung festzustellen. „Natürlich merkt sie den Verlust des Jungtiers. Sie hatten eine enge Mutter-Kind-Bindung“, erläutert er. So habe das gestorbene Weibchen keine inneren oder äußeren Verletzungen aufgewiesen. Das zeuge von der Vorsicht, die die rund eineinhalb Tonnen schwere Mutter habe walten lassen.

Zoodirektor: Platsch will Kathy wieder decken

Das Verhalten des Flusspferd-Bullen hingegen habe einen viel profaneren Grund als Trauer, erklärt Reinschmidt: „Platsch will Kathy wieder decken, aber wir wollen ihr noch ein paar Tage Zeit geben.“ Die vergangenen acht Monate war das Weibchen trächtig, in dieser Zeit sei der Sexualtrieb der Tiere zurückgefahren. Nach Aussage des Zoodirektors spürt Platsch, dass er jetzt wieder Nachwuchs zeugen kann.

Wir haben noch nicht entschieden, ob Kathy gleich wieder trächtig werden soll

„Wir haben noch nicht entschieden, ob Kathy gleich wieder trächtig werden soll oder ob wir ihr die Pille geben“, sagt Reinschmidt, aber es soll definitiv wieder Flusspferd-Nachwuchs im Karlsruher Zoo geben. Das sei auch abhängig davon, ob es einen Platz im europaweiten Zuchtprogramm gibt. Aber da von den vier Nachkommen der Karlsruher Flusspferde nur noch eins lebt, ist diese Chance relativ groß.

Reinschmidt: Zoo hat keine Schuld am Tod von Flusspferd-Baby

Den Verantwortlichen beim Zoo tue der Verlust der vergangenen Woche weh, gibt Reinschmidt einen Einblick in seine Gefühlslage, aber sie hätten keine Erkenntnisse darüber, dass sie schuld seien am Tod des Jungtiers. Die Ergebnisse der bakteriologischen oder histologischen Untersuchung soll es in dieser Woche geben.

Der Zoodirektor verweist auf das Leben der Flusspferde in freier Wildbahn. Die Tiere könnten zwischen 40 und 50 Jahre alt werden und alle zwei Jahre Nachwuchs bekommen. „Sie müssen nur zwei Jungtiere ins geschlechtsreife Alter bringen, um die Population aufrecht zu erhalten“, erklärt Reinschmidt. Da es in Afrika keine Flusspferd-Plage gibt, zeugt das von der relativ hohen Sterblichkeit des Nachwuchses außerhalb eines Zoos.

Zoodirektor kontert Kritik in sozialen Medien

Der Zoodirektor wendet sich zudem gegen Kritik in den sozialen Medien: So hätte eine Kamera im Gehege keinen Sinn gemacht. „Ein Flusspferd ist die ersten vier Wochen nur im Wasser. Das Kleine taucht ab und saugt“, sagt Reinschmidt und verweist auf das extrem trübe Wasser.

Auch hält der Zoodirektor nichts von einer Aufzucht per Hand, was unter anderem viel zu gefährlich für seine Mitarbeiter gewesen wäre: „Wenn sie da reingehen, bringt die Mutter sie um.“ In Afrika sterben mehr Menschen durch die Angriffe von Flusspferden als etwa durch Attacken von Löwen. Schon allein das tote Weibchen zu bergen, sei nicht einfach gewesen, sagt Reinschmidt.

Die Kritik, dass das Gehege nicht groß genug für Mutter und Nachwuchs gewesen sei, sei ebenfalls nicht berechtigt. So würden Flusspferde in freier Wildbahn Jungtiere in Schlammlöchern bekommen, die kleiner seien als die Anlage in Karlsruhe. Aber natürlich hätte auch Reinschmidt sich gefreut, wenn das Jungtier im Frühjahr hinter seiner Mutter her durch das neue und größere Gehege gewatschelt wäre.