Ikea kommt nach Karlsruhe: Im Sommer 2020 eröffnet der schwedische Möbelriese seine Filiale an der Durlacher Allee. Bei einer Diskussionsveranstaltung wurden verschiedene Mobilitätskonzepte für Karlsruhe erörtert. | Foto: dpa

Diskussion zum Thema Mobilität

Nachhaltigkeit bei Ikea im Fokus: Karlsruher Filiale soll vorbildlich sein

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Karlsruhe ist für Ikea Deutschland ein attraktiver Standort. Das sagte Johannes Ferber beim Mobilitätsforum des schwedischen Möbelhauses im Bürgerzentrum Südwerk in Karlsruhe.

Der Standort an der Durlacher Allee sei durch seine Autobahnnähe zum einen gut mit dem Auto erreichbar, verdeutlichte Ferber, der bei Ikea für das Gebäudemanagement zuständig ist. Zum anderen sei die Bahnhaltestelle praktisch direkt vor der Haustür des künftigen Ikea-Hauses, dieser Umstand sei einzigartig in Deutschland. Letztlich habe auch die Innenstadtnähe dazu geführt, dass man sich 2009 für das nicht ganz einfache Grundstück entschieden habe. Im Sommer 2020 soll der Karlsruher Ikea eröffnet werden.

Wir müssen Lieferkonzepte anbieten

Da sich Ikea die Themen „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Mobilität“ auf die Fahnen geschrieben habe, sei es nun wichtig, auch neue Wege zu gehen, sagte Christiane Scharnagl. Ziel sei es, dass künftig weniger Kunden mit dem Auto zu Ikea kommen, so die Ikea-Nachhaltigkeitsmanagerin. Dafür müssten alternative Lieferkonzepte gefunden werden. Beim Erstellen eines Mobilitätsplans  arbeitet Ikea unter anderem mit verschiedenen Universitäten zusammen. „Das Sofa können Sie natürlich nicht in der Straßenbahn transportieren“, so Scharnagl.

„Pax“ im Elektroanhänger

Dass alternative Lieferkonzepte funktionieren, zeigt etwa eines der Ikea-Häuser in Hamburg-Altona. „Dort kommen 70 Prozent der Kunden nicht mit dem Auto“, sagte Ferber. Für kleinere Einkäufe seien die blaue Ikea-Tragetasche oder ein (geliehener) Einkaufswagen beliebte Transportmittel. Zudem gebe es in der Hansestadt Fahrrad-Kurierdienste, die mit Elektroanhängern sogar in der Lage seien, einen großen „Pax“-Kleiderschrank quer durch die City zu transportieren.

Anderes Käuferverhalten in der Stadt

„Die Kunden sind überrascht, dass es funktioniert“, so Ferber. Das Käuferverhalten sei in der Stadt ein anderes. Während der Ikea auf der grünen Wiese durchschnittlich dreimal im Jahr besucht werde, käme der Kunde in der Innenstadt bis zu zwölfmal. „Trotzdem verkaufen wir das volle Sortiment“, so Ferber.

Lieferkonzepte mit der Stadtbahn

„Wir suchen Ideen, werden aber auch auf die lokalen Gegebenheiten eingehen“, versicherte Scharnagl. „One fits all“ funktioniere in diesem Bereich nicht. Während der Lastenanhänger in Hamburg-Altona eine gute Lösung sei, funktioniere er beispielsweise in Wuppertal überhaupt nicht. Zum Karlsruher Mobilitätsplan sagte Scharnagl: „Hier schreit es geradezu nach Leihfahrrädern.“ Auch über Lieferkonzepte mit der Stadtbahn werde nachgedacht. Hier arbeitet Ikea derzeit mit Studenten der Fachhochschule Offenbach zusammen. Beim Erstellen des Mobilitätskonzepts für die Fächerstadt nehme man außerdem Möbeltaxis und Fahrrad-Kuriere ins Visier. „Wir wollen hier noch mehr mit Wissenschaft und Forschung zusammenarbeiten“, betonte Scharnagl.

Verkehrswende in Karlsruhe?

„Wir sind die Stadt, die für die Verkehrswende stehen möchte“, sagte die Leiterin des Karlsruher Stadtplanugsamtes, Anke Karmann-Woessner. Die Fächerstadt habe schließlich erst kürzlich den Titel „Fahrradhauptstadt Nummer 1“ erhalten. Für den Karlsruher Ikea seien 300 Fahrradstellplätze geplant. Dem gegenüber stehen 1.400 Auto-Parkplätze, von denen unter der Woche 400 an die EnBW vermietet werden. Man müsse nun sehen, wie sich das Mobilitätsverhalten der Kunden entwickele und dann gegebenenfalls nachjustieren.

Die Kombination verschiedener Verkehrsmittel erleichtern

„Die Leute sind weniger auf ein Verkehrsmittel konzentriert“, sagte Martin Kagerbauer, der sich am  Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit Transportwesen beschäftigt. Dennoch sei hier „viel Luft nach oben“. Man müsse die Kombination verschiedener Verkehrsmittel erleichtern.

Mit Informationen zu neuen Angeboten

Häufig seien die Leute auch zu wenig informiert, um entsprechende Angebote wie Carsharing zu nutzen. Auch neue Technologien seien oft mit Ängsten verbunden, so gebe es etwa bei Elektroautos eine gewisse „Reichweiten-Angst“.

Weg von der Grünen Wiese

1974 hatte Ikea sein erstes Möbelhaus in Deutschland eröffnet. Die ersten 35 Häuser seien bei der Erreichbarkeit primär auf den Autoverkehr zugeschnitten gewesen, verdeutlichte Johannes Ferber. Bei den nachfolgenden Häusern sei das anders gewesen: „Hier haben wir auf den ÖPNV geblickt.“ Künftig wolle man noch einen Schritt weiter gehen, Möbelhäuser sollten gar nicht mehr auf der grünen Wiese, sondern primär in Innenstädten entstehen.

Das Klima wartet nicht

Der Verkehrsminister des Landes, Winfried Hermann, formulierte bei der Diskussion Ziele in Sachen nachhaltige Mobilität für Baden-Württemberg. So müsse die Menge der Autos um ein Drittel reduziert werden. Ein Drittel der Autos müsse zudem klimaneutral sein. Außerdem: „Mehr als doppelt so viele Menschen wie bisher müssen mit dem ÖPNV unterwegs sein“, so der Verkehrsminister. „Die Menschen sind geduldig, aber das Klima wartet nicht.“