Auch die Finanzbranche kann nachhaltig sein, sagt die EOSD. | Foto: Archiv Hase

Nachhaltige Finanzbranche

„Nachhaltigkeit und Profit sind keine Gegensätze“

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„Nachhaltigkeit“ und „Finanzbranche“ sind Begriffe, die im ersten Augenblick nicht wirklich zusammenzupassen scheinen. Dafür, dass aber gerade diese beiden Begriffe in Zukunft zwei Seiten einer Medaille bilden, arbeitet die European Organisation for Sustainable Development (EOSD). Gerade treffen sich Führungskräfte afrikanischer und asiatischer Finanz- und Kreditinstitute in Karlsruhe, um allgemeingültige Standards für eine nachhaltige Finanzwirtschaft zu formulieren.

Wir dürfen die Finanzwelt nicht mehr isoliert als Profitorganisation sehen, sondern müssen auch eine soziale und ökonomische Entwicklung mitdenken.

Aktuell findet eine Ratssitzung der Sustainability Standards & Certification Initiative (SSCI) in Karlsruhe statt. Diese Initiative setzt sich für verbindliche Standards in Sachen Nachhaltigkeit ein. Tom Hoyem, Vorstandsmitglied der SSCI und FDP-Stadtrat in Karlsruhe, fordert eine neue Sichtweise der Finanzbranche – weg vom Image einer reinen Profitorganisation – und betont die historisch einzigartige Situation, in der wir uns gerade befänden.

Auch Arshad Rab, Vorsitzender des Exekutivkomitees für Nachhaltigkeitsstandards und Geschäftsführer der EOSD, ist überzeugt, dass Rentabilität und Nachhaltigkeit keine getrennten Welten mehr sind. Gemeinsam mit OB Frank Mentrup arbeitet er an der Definition und der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards. Mentrup zeigte sich beeindruckt, dass die anwesenden Führungskräfte nicht nur hochrangige Vertreter ihres Fach seien, sondern so engagiert daran arbeiteten, neue Kriterien zur Messung von Nachhaltigkeit zu entwickeln. Karlsruhe sei damit einmal mehr ein Ort, an dem Neues erdacht, Neues entwickelt und von dort in die Welt hinausgetragen würde.

Ein holistischer Nachhaltigkeitsansatz umfasst mehr als nur Technologien und Ökonomie

Doch was genau bedeutet Nachhaltigkeit für den Finanzsektor? Wichtig sei besonders der innovative Ansatz, den die SSCI verfolge, so Romani de Silva, Geschäftsführer der Alliance Finance aus Sri Lanka. Wie auch Jesimen Chipika von der Zentralbank aus Zimbabwe betonte, darf Nachhaltigkeit nicht nur ökonomisch oder technologisch verstanden werden, sondern muss ganzheitlich auch neue Wirtschafts- und Geschäftsmodelle, Produkte, menschliche Ressourcen etc. umfassen. „Gute Dinge durchzusetzen, sollte nicht schwer sein. Aber der Umgang mit einer Institution, die sich bislang noch nicht auf das Thema Nachhaltigkeit eingelassen hat, kann eine Herausforderung sein“, so De Silva.

Karlsruhe als Startpunkt und Vorbild

Warum ausgerechnet Karlsruhe als Treffpunkt die geeignete Stadt ist, erklärt Joseph Amihere, Generalsekretär der African Association of Development Finance Institutions (AADFI) so: „Karlsruhe ist nicht nur eine grüne Stadt, sondern auch eine besonders innovative. Neue Technologien, die Start-up-Mentalität – all das sind Dinge, die wir in unsere Heimat Afrika tragen möchten.“
Nachhaltigkeit sei ein oft benutztes und vielfach klischeebehaftetes Wort ohne Inhalt, so Hoyem. „Wir wollen greifbare Inhalte schaffen. Die Finanzbranche ist von eminenter Wichtigkeit für die gesamte internationale Entwicklung“, so der Stadtrat. Vorgestellt sollen die Ergebnisse auf der 9. Global Sustainability Finance Conference im Juli werden.