GROSSREINEMACHEN für den nächsten Tag: Bis 24 Uhr wird auf der offerta mit Spezialfahrzeugen und zu Fuß Müll beseitigt und gereinigt. Auf dem Foto schaut Sicherheits-Einsatzleiter Robert Walschburger (links) nach dem Rechten. | Foto: jodo

Karlsruher Verbrauchermesse

Nachts ist auf der offerta gar nicht Schluss

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18:20 Uhr in der Messe Karlsruhe. Die Müllabfuhr ist da: Heinz Heid zuckelt mit seinem Elektrowagen durch die Gänge der offerta. Zwei Container hat er angehängt. „Mit mehr kommen wir nicht durch“, sagt er und sammelt die Kartonagen und Säcke ein, die die Aussteller an den Rand gestellt haben. „Zu 90 Prozent ist alles sortiert“, lobt er. Ein paar Meter weiter kommt sein Kollege mit der großen Kehrmaschine. Papierschnipsel, Popcorn, Lollis – alles muss weg. Bis 24 Uhr sei ein 40-köpfiger Reinigungstrupp in den Hallen unterwegs, sagt Oliver Brück, Prokurist der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK).

Mit Tobias Pauli, dem technischen Projektleiter der offerta, schlendert er in Halle eins schmunzelnd bei einem Autohändler vorbei. Der hat die Musik laut gestellt. Sehr laut. „Wahnsinn!“, brüllt Party-Urgestein Wolfgang Petri aus den Boxen. Die Autoverkäufer trinken an ihrer Sektbar einige Gläschen. „Die hatten wohl einen erfolgreichen Tag“, sagt Pauli. Spätestens um 20 Uhr gehört aber auch diese Messehalle nur noch den Sicherheitsleuten des KMK-Partners b.i.g. und dem Reinigungsteam der Firma BLK. Dann sind die Alarmanlagen scharf gestellt. Denn auch nachts ist viel Wertvolles auf der offerta zu bewachen. Ein zweistelliger Millionenbetrag komme locker zusammen, sagt Brück. Allein der ausgestellte 911er Carrera 4S Cabriolet kostet schlappe 159 000 Euro.

DIE LEITZENTrALE: Thomas Wahl (sitzend) mit Oliver Brück (links) und Tobias Pauli von der Messegesellschaft. | Foto: jodo

Rückblick: 17.50 Uhr, kurz vor Besucherschluss. Der Clown des Europa-Parks hat sein Köfferchen gepackt und schlendert mit einem Lächeln und roter Nase gen Ausgang. Den Bügeleisen, die den ganzen Tag über den Besuchern angepriesen wurden, geht langsam der Dampf aus. Propagandisten rechnen per Tablet oder Taschenrechner ihren Tagesverdienst aus. Karottenschnipsel werden mit dem Feuchttuch von Spülen weg gewischt, auf den Böden wird gefegt oder gesaugt. Da haben es die Männer von Vorwerk leicht: Sie haben ihr Arbeitsgerät zum Säubern eh dabei. Kurz danach schließen auch sie die wertige Ware weg. Fast alle Aussteller umwickeln ihre Stände mit Folien, Planen oder spannen Trassierbänder. E-Bikes werden an endlos lange Kettenschlösser gelegt. Denn für die Sicherheit ihrer Waren sind die Beschicker selbst verantwortlich, können aber eine spezielle Versicherung und einen eigenen Security-Mann für ihren Stand bei der KMK buchen.

Bei Eva Gab riecht es noch herrlich. Sie hat’s einfach. Klappe runter an ihrem Gewürz-Verkaufswagen, schon ist alles gesichert. „Jetzt gehe ich noch mit einem Kollegen ein Bier trinken“, sagt die Verkäuferin aus Zweibrücken. Übernachtet wird dann bei Freunden in Liedolsheim. Matthias Doblander putzt ein paar Stände weiter noch seine Pfannen. Er wird sich im Hotel einen Saunagang gönnen. „Um 8 Uhr sind wir wieder hier. Dann steht die Spedition mit neuer Ware vor der Tür“, sagt er. Viele Verkäufer übernachten auch im Wohnmobil auf dem Messe-Areal. 40 entsprechende Fahrzeuge stehen dort, sagt Brück.

38 Videokameras sichten auch während der offerta das Gelände

Details zur Sicherheit gibt’s von ihm bewusst nur spärlich. Sicher ist eben sicher. Das entsprechende Konzept sei über 100 Seiten stark und fängt bei A wie Ausfahrtkontrollen für Aussteller an. Tagsüber sind die Polizei und b.i.g.-Streifen in Uniform und Zivil da, nachts die b.i.g.-Leute. 3 000 Einsatzstunden kämen während der offerta für die Hallen- und Geländeüberwachung bei der KMK-Partnerfirma zusammen. „Wir haben in den vergangenen sechs Jahren in sechsstelliger Höhe in Videotechnik investiert“, betont Brück.
Er nimmt den Fahrstuhl zu Robert Walschburger. Der Einsatzleiter von b.i.g. hat seine Zentrale im ersten OG der Aktionshalle, gleich neben der jetzt geschlossenen Polizeiwache. Wie er sich wach hält? „Kaffee und immer gute Laune“, sagt er schmunzelnd. Einen Raum weiter sitzt sein Kollege Thomas Wahl in der Leitzentrale, die während der offerta rund um die Uhr besetzt ist. Auf sechs riesigen Monitoren an der Wand sind unzählige Live-Bilder der Überwachungskameras zu sehen. Auf den Schreibtischen stehen zusätzlich acht PC-Monitore.

19.50 Uhr. Ein Mann vom Deutschen Roten Kreuz betritt die Leitzentrale, verabschiedet sich von Wahl per Handschlag. 38 Videokameras gibt es auf dem Gelände, hinzu kommt noch die Überwachungstechnik auf dem Parkplatz. Um 22 Uhr wird Wahl, der die Kameras auch schwenken kann, abgelöst.

Die Kameras zeigten: Es ist wenig los, wo tagsüber noch Zigtausende Menschen waren. Eine Schranke öffnet sich und lässt einen letzten Autofahrer durch. Durch eine Straßenunterführung schwanken zwei angeheiterte Teenager. Auch in Halle eins ist es jetzt still. Die Sektflaschen sind leer; die Autoverkäufer haben ihre Party beendet. Wieder einmal ist eine Schlacht auf der offerta geschlagen – bis zum nächsten Tag.