Bierbrauer Jürgen Hopf steht in seiner "Arbeitskleidung" im Sudhaus der Lang-Bräu Brauerei in Oberfranken. | Foto: dpa

Von Kunst bis Bier

Nackte Tatsachen

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Es war ein Skandal! Als John Lennon und Yoko Ono Ende 1968 ihr Avantgarde-Album „Unfinished Music No.1: Two Virgins“ veröffentlichten, ging ein Aufschrei durch die Gesellschaft. Das Cover zeigte den Beatle und seine bei den meisten Beatles-Fans höchst unbeliebte Frau so nackt, wie Gott sie schuf – und zwar von vorne und völlig unzensiert. Den US-Behörden gefiel das gar nicht: Das Album wurde zunächst beschlagnahmt, später dann in einer braunen Papierhülle an die Plattenläden geliefert. John Lennon soll gesagt haben: „Es war absurd! Die Leute regten sich dermaßen auf – einfach weil zwei Leute nackt waren. Ich hatte nicht gedacht, dass es einen solchen Aufstand geben würde.“ Warum sie sich nackt hatten ablichten lassen? Vermutlich, um für den Frieden zu werben.

Gefragtes „Erotikbier“

Auch heute, 50 Jahre später, sorgen Nackte in der Öffentlichkeit noch immer für Furore. Das verhilft manch pfiffigem Geschäftsmann zu schnellem Ruhm. Dem oberfränkischen Bierbrauer Jürgen Hopf zum Beispiel. Seitdem er behauptet, er braue sein Bier „fast nackt“, strömen die Touristen in seinen Bierkeller, um den wackeren Gerstensaft-Vermarkter womöglich in seiner Arbeitskleidung (Hut, Gummistiefel und Lendenschurz) anzutreffen. Das ursprünglich nur als Scherz gedachte „Erotikbier“, dessen Etikett eine nackte Schönheit ziert, wird dem 61-Jährigen förmlich aus den Händen gerissen.

Nackt in der Grube

Oder nehmen wir den russischen Künstler Andrey Kuzkin. Der buddelte vor wenigen Tagen gegenüber der Hamburger Elbphilharmonie ein Loch aus dem Boden, riss sich die Kleider vom Leib und stieg kopfüber in die selbst gegrabene Grube. Fast 20 Minuten verharrte er, Füße und Hände in die Luft gereckt, in dieser Position. Zuvor hatte er sich unter anderem in Sibirien oder neben dem Londoner Big Ben in ähnlicher Weise eingebuddelt. Ob das Kunst ist? Ja, schon, irgendwie. Immerhin redet man drüber.

Der russische Künstler Andrey Kuzkin buddelte gegenüber der Hamburger Elbphilharmonie ein Loch in den Boden, riss sich die Kleider vom Leib und stieg kopfüber in die selbst gegrabene Grube. | Foto: dpa

Yoko wird 85

Doch kommen wir noch einmal zurück zu Yoko Ono. Die willensstarke Avantgarde-Künstlerin verteidigt seit Lennons Tod im Dezember 1980 seinen Nachlass, stöhnt auch im gehobenen Alter bei Konzerten animalische Laute ins Mikrofon und kämpft weiterhin unermüdlich für den Frieden. Allerdings nicht mehr nackt. Vielleicht fühlt sie sich dafür einfach ein bisschen zu alt – heute wird sie 85 Jahre alt.

Schrill ist sie noch immer, aber nackt trat sie schon länger nicht mehr auf: Yoko Ono, die heute 85 Jahre alt wird. | Foto: dpa