Erstaunlicherweise gibt es Millionen von Menschen, die sehr gerne auf diese Art und Weise ihren Urlaub verbringen. Den Einheimischen hingegen bereitet der Massentourismus meist wenig Freude. | Foto: dpa

Es sind einfach zu viele

Nervende Touristen

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Es wäre vermutlich etwas übertrieben, die weltweiten Heerscharen von Touristen verallgemeinernd als „Naturkatastrophe“ zu bezeichnen. Ganz falsch wäre es aber auch nicht. Wir reden jetzt nicht nur von jenen alkoholgeschwängerten Kurzbehosten, die Jahr für Jahr über Mallorca herfallen und von Palmas Bürgermeister Antoni Noguera unlängst als „Abschaum“ bezeichnet wurden, der eine wahre „Deutschen-Phobie“ nach sich gezogen hätte. Auch der ganz normale, ordentliche, kulturbeflissene Tourist nervt immer öfter – und zwar die Einheimischen, deren Land er aufsucht.

„Tourist go home“

In Barcelona hängen die Bewohner seit einiger Zeit „Tourist go home“-Plakate auf, auf der kroatischen Insel Hvar drohen beim Herumspazieren in Badekleidung drakonische Strafen, in Australien werden bestimmte Zonen auf Ayers Rock für Jahre geschlossen, in der Türkei dürfen die weißen Kalkterrassen von Pamukkale nicht mehr mit Schuhen betreten werden, in Thailand wurden mehrere Inseln zum Schutz der Korallenriffe für Touristen geschlossen und im englischen Stonehenge darf man die Monolithen nur noch aus angemessener Entfernung betrachten.

Bierflaschen und Rollkoffer

Auch Berlin verwünscht seit Jahren viele seiner souvenirsüchtigen Selfie-Touristen – nicht nur, weil sie nachts lärmend und bierflaschenwerfend durch die Wohnviertel poltern, sondern auch wegen ihrer nervigen Rollkoffer, die sie ununterbrochen hinter sich herziehen. Vor 30 Jahren wurde übrigens jeder Tourist in Berlin noch mit Kusshand begrüßt.

Schleusen in Venedig

Eine der weltweit am meisten gebeutelten Städte ist das vollkommen überlaufene und penetrant verstopfte Venedig. Die Stadt kämpft seit Jahren gegen den Touristenansturm und die damit verbundene Flucht der Einwohner. Jetzt greift die Lagunenstadt zum allerletzten Mittel: Touristenschleusen sollen die unüberschaubaren Massen von Besuchern besser durch die Stadt lenken. „Ich denke, es ist gut gelaufen“, sagte Luigi Brugnaro nach der Premiere am 1. Mai. In den kommenden Tagen müsse nun beraten werden, wie genau und wann die Schleusen eingesetzt werden.

Leben im Themenpark

Allerdings gab es auch Widerstand gegen die Barrieren, die unter anderem in der Nähe des Bahnhofs Santa Lucia errichtet wurden. Einige Einwohner klagten darüber, sie kämen sich jetzt vor, als wohnten sie in einem Themenpark mit „Checkpoints“. Und im Grunde haben sie damit ja sogar Recht.

 

Hier gibt es eine interessante Dokumentation über das „Venedig-Problem“: