Kein Stein bleibt auf dem anderen: Im Wildparkstadion kommen die Abbrucharbeiten so gut voran, dass im Dezember bereits der Neubau des eigentlichen Stadions beginnen kann. Der Nackte Mann muss deshalb weichen und wird so lange restauriert.
Das neue Stadion wird offenbar deutlich teurer als bislang angenommen. | Foto: jodo

Bis zu 30 Millionen mehr

Neubau des Wildparkstadions in Karlsruhe wird offenbar deutlich teurer

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Der Neubau des Karlsruher Wildparkstadions wird offenbar teurer als gedacht. Nach Informationen unserer Zeitung zeichnet sich aktuell ein Betrag von 15 bis 30 Millionen Euro ab, die zusätzlich nötig sind, um das Projekt zu stemmen. Grund ist unter anderem eine Fehleinschätzung bei der Entwässerung.

Als DFB-Präsident Fritz Keller bei der Verleihung der Baden-Awards am Freitagabend im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) nach der Bekanntgabe der KSC-Niederlage gegen Nürnberg in Richtung des anwesenden Oberbürgermeisters Frank Mentrup sagte, „der KSC braucht aber auf jeden Fall ein neues Stadion“, hatte Keller natürlich nicht die Kosten des Großprojekts im Blick – sicher im Unterschied zum OB.

Denn nach Informationen der BNN wird das Bauprojekt Wildparkstadion deutlich teurer. Die Rede ist von einem zusätzlichen Betrag zwischen 15 und 30 Millionen Euro.

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Baukonzern verweist auf ständig steigende Baupreise

Die Kostensteigerungen beziehen sich demnach auf die beiden Teilmaßnahmen – auf den eigentlichen Stadionkörper sowie die Infrastruktur. Die Gesamtkosten sollten laut Gemeinderatsbeschluss von Oktober 2018 inklusive Infrastruktur bei 123 Millionen Euro liegen.

Für den eigentlichen Baukörper waren bisher 76 Millionen eingeplant, diese Summe ist auch in dem Vergabebeschluss des Gemeinderats an die Firma BAM benannt. Hier verweist der Baukonzern gegenüber dem Eigenbetrieb Wildparkstadion offenbar auf ständig steigende Baupreise und beruft sich dabei auf eine vereinbarte „Preisgleitklausel“ im Vertrag mit der Stadt.

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Aber auch die immer weiter steigenden Ansprüche an Brandschutz sorgen für steigende Baukosten. Bei den Infrastrukturkosten, die nicht durch die Pacht des KSC gegenfinanziert werden, rennen ebenfalls die Kosten davon. Dazu gehört die Modernisierung der Verkehrsanbindung, aber auch die der Kanalisation.

Wasserbecken deutlich zu klein geplant

Wichtiger Punkt dabei war eine Fehleinschätzung bei der Entwässerung. Das geplante Wasserbecken als Auffangbecken für das vom Stadion abzuleitende Regenwasser war viel zu klein dimensioniert. Offenbar ging man in der Planungsphase von deutlich kleineren Mengen aus.

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Diese sollten in einer ersten Planung ursprünglich auf den Birkenparkplatz abgeleitet werden, was sich aber als nicht realisierbar erwiesen hat. Deshalb wird momentan neben der Haupteinfahrt ein riesiges Wasserbecken betoniert.

Zur Zeit läuft im Wildpark der Neubau der sogenannten Osttribüne. Im vergangenen Dezember hatte der Baukonzern BAM mit dem Bau des eigentlichen Stadions begonnen. Im Sommer 2022 soll das Stadion fertiggestellt sein.

Ist ein neuer Gemeinderatsbeschluss unvermeidbar?

Wie die Stadt, die über den eigens gegründeten Eigenbetrieb Wildparkstadion Bauherrin des neuen Stadions ist, damit umgehen wird, ist noch völlig unklar. Die Ratsfraktionen sind über die Kostenentwicklung informiert, demnächst wird sich auch die gemeinderätliche Wildparkkommission damit befassen.

Ein weiterer Gemeinderatsbeschluss, wenn Klarheit über die Kostenlage herrscht, erscheint unvermeidbar.

Bekanntlich war die Mehrheitsentscheidung für den Neubau des Wildparkstadions relativ knapp und wurde mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP getroffen gegen scharfe Kritik von Grünen, Linken, AfD und Teilen der damaligen Kult-Fraktion.

OB Frank Mentrup hatte in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, dass er nicht gedenke, wegen zusätzlichen Geldes für das Stadion vor den Gemeinderat zu gehen. Dies bezog sich aber auf die vom OB heftig kritisierten tatsächlichen oder vermeintlichen kostentreibenden Zusatzwünsche des KSC.

Auch andere Bauprojekte werden teurer

Am Rande einer Pressekonferenz in dieser Sache im vergangenen Jahr fiel von ihm aber auch einmal die Bemerkung, dass das Projekt ohnehin teurer werde durch zu erwartende Baukostensteigerungen.

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Diese neue Debatte um Kostensteigerungen kommt in einer Phase, in der die Stadt auch mit der Kostenentwicklung bei anderen Großprojekten ringt. Bekanntlich hat die Kombilösung die Milliardengrenze überschritten, bei der stillstehenden Sanierung der Stadthalle ist der Kostenrahmen so unklar wie eine Lösung. Auch bei den Investitionen im Klinikum musste die Stadt nachlegen.