Schwarz-Weiß ist Trumpf: Afrim Bajrami (in Weiß), der Herr der Immobilie, und Steven Ockert, der Betreiber des Boutique Hotels, haben das Zimmer in ihren Farben stylish gestaltet. Dusche und Waschbecken sind im Raum. | Foto: jodo

Neue Trends

Karlsruher Hotelwelt im Wandel: Apartments und Boutique-Hotel

Anzeige

In der Karlsruher Hotelwelt tut sich etwas: Einerseits leidet auch die Beherbergungsbranche unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Andererseits reifen neue Entwicklungen, die das Zimmer-Angebot verändern. Zwei Trends sind auszumachen: Apartments mit Service für Langzeitgäste entstehen etwa neben dem bekannten Hotel Eden. Das neue Boutique-Hotel mit stylisher Innenarchitektur bringt alternatives Flair für Städtereisende.

Corona hat aus prosperierenden Wirtschaftszweigen zumindest vorübergehend dürre Äste gemacht. Besonders leiden viele Betriebe der Hotelbranche auch jetzt noch unter den Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie, die jetzt immer mehr gelockert werden.

Mehr zum Thema: Corona-Restriktionen: Hoteliers in Karlsruhe zwischen Hoffnung und Pessimismus

Aber erst wenn der Wirtschaftsverkehr wieder läuft, wenn Manager und Vertreter, Monteure und Künstler, Wissenschaftler und Touristen wieder grenzenlos reisen, können die Karlsruher Herbergen auf gewohnte Werte wie eine 80- prozentige Auslastung kommen. Ein Buchungswert, der vor Corona in Karlsruher Hotels nicht selten war.

Hoteliers gehen mit Preiswert-Hotel und Apartmenthaus neue Wege

Unabhängig von der noch nicht ausgestandenen Krise gehen Hoteliers neue Wege, um den Zeitgeist gewinnbringend zu treffen. Zwei Beispiele stehen für diese Entwicklung: Erstens ein Preiswert-Hotel mit stylishen Zimmern in edlem Schwarz-Weiß für Reisende, die sich auch in der Unterkunft jung fühlen wollen. Zweitens ein Apartmenthaus in der Südweststadt für anspruchsvolle Langzeitgäste, die auf eine vertraute Atmosphäre in der Fremde setzen.

Alternativ, modern und persönlich.

Steven Ockert, Betreiber des Hotels „Boutique Hotel 133“

„Alternativ, modern und persönlich.“ Wie das ganz frische „Boutique Hotel 133“ in der Karlstraße auf die Gäste wirken soll, das kommt Hotel-Betreiber Steven Ockert so schnell wie locker von der Zunge. „Stylish“ will die Herberge mit der schwarzen Front sein.

Dort prangen die drei hinteren Ziffern der Postleitzahl für diesen Citybezirk. Programm ist schon der Name „Boutique Hotel“. Gewöhnlich ist dies ein Marketingbegriff für bestimmte Hotels mit anderem Eigennamen.

Das Etikett „Boutique Hotel“ kommt aus den USA und beschreibt persönlich geführte, individuelle, recht kleine und bisweilen luxuriöse, meist aber noch relativ preiswerte Hotels. Solche Unterkünfte im mehr oder weniger exquisiten Boutique-Format in Abgrenzung zu großen Hotel-Kästen kamen mit dem entsprechenden Anspruch einer Alternativmode Anfang der 80er-Jahre in New York und Kalifornien auf. Inzwischen sind diese Hotels globale Trendsetter, besonders in Touristenmetropolen – jetzt mit dem Boutique 133 auch in Karlsruhe.

Jugendliche Nähe wird durchs „Du“ erzeugt

Mit „einem höflichen Du“ wird der Gast empfangen, betont Ockert das Prinzip jugendlicher Nähe. Er selbst ist ganz programmatisch so schwarz gekleidet wie die Hotelfassade gestrichen. Auch die Lobby mit locker gruppiertem Designer-Mobiliar empfängt den Reisenden mit der Gemütlichkeit eines weitläufiges WG-Wohnzimmers in stylisher Schlichtheit – recht dunkel und ohne Pomp, aber mit einem Astronautenhund, der als überdimensionaler Nippes an der Wand steht. „Wir sind eben keine typische Kette“, betont der Karlsruher Boutique-Betreiber.

Afrim Bajrami ist der Herr des Hotels. Der Karlsruher Immobilienhändler macht seine Geschäfte sonst vor allem mit Mehrfamilienhäusern, umso mehr Herzblut hat er in sein erstes Hotel gesteckt. Mit dem befreundeten Architekten Johannes Jaki habe er alles selbst entworfen, schildert er die individuelle Hausgeschichte.

Vor zwei Jahren hat der Karlsruher Unternehmer die Immobilie an der Karlstraße zwischen Ludwigsplatz und Karlstor gekauft, dann entkernt und auf fünf Geschossen 35 Zimmer gebaut sowie in einem Schwarz-Weiß-Stil alternativer Hotel-Kultur modern ausgestattet.

Schwarz dominiert im Boutique-Hotel

Da glänzen die Augen des Investors: Schwarze Wand, schwarzes Bett und schwarz die Kommode. Auch Kopf und Schlauch der Dusche, die im 16 Quadratmeter großen Zimmer nur durch eine natürlich in dieser Farbe gerahmten Glaswand abgetrennt ist, sind so schwarz wie Föhn und Seifenspender.

Das Waschbecken auf der Kommode gleich neben dem französischen Doppelbett sticht wenigstens wie die Duschwand und das Bettzeug in Blütenweiß hervor. Das Doppelfenster, das fast die ganze Wand zur Karlstraße ausmacht, gibt den Blick über die Dächer von Karlsruhe frei.

Es gibt schon Pläne zur Hotel-Expansion

„Ich habe eine Vorliebe für Hotels und wollte etwas Besonderes schaffen, so etwas Cooles“, freut sich Bajrami über seinen Boutique-Mix aus vielen Eindrücken, die er als Reisender gesammelt hat. Der Objektkäufer und Projektentwickler Bajrami hat schon konkrete Expansionspläne: Im Hinterhof der Karlstraße 133 will er auf 77 Boutique-Zimmer aufstocken. „Wir haben schon die Baugenehmigung“, bereits im Herbst möchte er weiterbauen.

Sein Partner Ockert sagt, dass nach der Corona-Hochphase schon viele Menschen aus Deutschland und Europa im Boutique-Hotel landeten. Die Auslastung lasse nichts zu wünschen übrig, versichert er. Tageweise liege sie bei 90 Prozent. Das Boutique-Hotel ziehe eben besonders junge Leute auf Städtereise an. „Wir sind kein Standardhotel, und es gibt eben nichts Vergleichbares in der Stadt“, meint der junge Hoteldirektor Ockert.

Der Markt ist nicht übersättigt.

Steven Ockert, Betreiber des Hotels „Boutique Hotel 133“

Überhaupt scheint sich der 27-Jährige sicher: „Karlsruhe ist ein sehr guter Standort, mitten in Europa, die Karlstraße ist eine Toplage.“ Trotz der Neubauten und weiterer großer Hotelprojekte in Karlsruhe wie das geplante Motel One an der Kriegsstraße beim Nymphengarten meint er, „der Markt ist nicht übersättigt“.

Das Hotel Eden baut ein Apartmenthaus

Neubau
Nachverdichtung: Im Hof des Hotels Eden (rechts) steht das Appartementhaus für Gäste aus Holz gebaut, im Herbst soll es fertig sein. | Foto: jodo

Gleich zwei Veränderungen bringt ein Bauprojekt im Hof des Hotels Eden an der Bahnhofstraße: Das Holzhaus steht für den starken Trend zu langfristigen Übernachtungsmöglichkeiten im Beherbergungsgewerbe.

Und dieser viergeschossige Quader hinter dem Wintergarten des Edens bringt dem Südweststadtquartier die in der Nachbarschaft umstrittene und von der Stadtpolitik befürwortete Nachverdichtung. „In dem Haus mit begrüntem Dachgarten gibt es 19 Apartments und eine Penthousewohnung“, erklärt Investor Tomislav Bobanovic.

Serviced-Apartments sind sehr gefragt.

Tomislav Bobanovic, Hotel Eden

„Das Projekt ist zeitgemäß“, betont der 30-jährige Geschäftsmann, der 2016 das Eden pachtete, es 2017 kaufte und zunächst selbst weiterführte und seit 2019 verpachtet hat. „Das wird die Zukunft“, da ist er sicher.

Auch interessant: Europa-Park will zwei neue Hotels bauen – erstmals eine Million Übernachtungen

„Wir bauen klimaneutral mitten in der Stadt und Serviced-Apartments sind sehr gefragt“, meint der Spross einer Karlsruher Familie, die sich in der Gastronomie und der Immobilienwirtschaft von Stadt und Region einen Namen gemacht hat. „Die Bodenplatte und die Wände“, schwärmt Bobanovic vom Naturmaterial und klopft auf Holz.

Zielgruppe sind vor allem Geschäftsleute

Im Oktober soll das Holzhaus einer Fertigbaufirma fertig sein – und die Apartments mit Wäscheservice vor allem an Geschäftsleute vermietet werden, die es in der 34 Quadratmeter großen Wohnung heimeliger finden als im Hotelzimmer.

Bei diesem Übernachtungsmodell des „Long Stay“ oder „Micro Living“ kehrt der Gast nach dem Wochenende in der Heimat in sein vertrautes Quartier zurück, ohne dass dort in der Zwischenzeit ein Fremder gelebt hat. „Für eine Nacht ist das Apartment nicht zu haben, es muss schon etwas länger sein“, schildert Bobanovic die Philosophie des Angebots „in bester Lage am starken Wirtschaftsstandort Karlsruhe“.