In Hayna und der Umgebung gibt es Hunderte alter Tabakschuppen. Einige der historischen Bauten stehen unter Denkmalschutz, andere sind bereits zum Abriss freigegeben, was die Studenten bei ihren Planungen berücksichtigen.
In Hayna und der Umgebung gibt es Hunderte alter Tabakschuppen. Einige der historischen Bauten stehen unter Denkmalschutz, andere sind bereits zum Abriss freigegeben, was die Studenten bei ihren Planungen berücksichtigen. | Foto: Janina Croissant

Projekt von KIT-Studenten

Neue Zukunft für die alten Tabakschuppen

Von Janina Croissant

Der südpfälzische Ort Hayna kann auf eine lange Tradition im Tabakanbau zurückblicken, der die Landwirtschaft und das Dorfleben über Jahrhunderte hinweg prägte. Spätestens ab den 1960er Jahren ging es jedoch mit dem Tabakanbau in der Pfalz stark zurück, und heute sind es vor allem die alten Tabakschuppen, die an diese Zeit erinnern.

Einige der Tabakschuppen zerfallen zusehends

Doch was soll mit den prägnanten, ortsbildprägenden Bauten – einige von ihnen zerfallen zusehends, andere wurden beispielsweise zu Wohnraum umgenutzt – in Zukunft passieren? Damit befasst sich nun eine Gruppe Karlsruher Architektur-Studenten, die sich vor allem Gedanken zur Nachhaltigkeit machen.
„Aus Ermangelung an neuen Konzepten verschwinden immer mehr der typischen Bauwerke, da die Unterhaltskosten für Reparaturen den Nutzen für die Bevölkerung übersteigen“, sagt Dirk Hebel, Professor für Nachhaltiges Bauen am KIT. Er spricht von einem „weltweiten Kulturerbe“ in Hayna, das es so nirgends gibt: „Die räumliche Qualität der Schuppen ist einmalig.“

Ästhetik und architektonische Herausforderung

Fragen der Ästhetik und die architektonische Herausforderung treiben die Studenten um, denn nicht alle Tabakscheunen können zum Wohnraum umgenutzt werden, wie sie sagen. Während einige der historischen Bauten unter Denkmalschutz stehen, seien andere bereits zum Abriss freigegeben, was die Studentengruppe bei ihren Planungen gleichermaßen berücksichtigt. Exemplarisch werden vier Schuppen – in Hayna und der Umgebung gibt es Hunderte – untersucht und exemplarische Modelllösungen gesucht. So wäre es bei einem Ensemble gut möglich, das bereits bestehende, öffentliche Zentrum in der Ortsmitte zu vergrößern.

Bürgerbeteiligung ist wichtig

Besonders wichtig ist bei dem Projekt die Bürgerbeteiligung. Die Zusammenarbeit verläuft Hand in Hand mit der Bürgerstiftung Hayna, die unter anderem in einem Tabakschuppen den jährlichen „Weihnachtsschobb“ ausrichtet und sich über den nun wissenschaftlichen Ansatz der Thematik sehr freut. Bei einem ersten Ideen-Workshop konnten die Bürger bereits eigene Vorstellungen in die Pläne einbringen und den Karlsruhern bei der Untersuchung „ihrer“ Scheunen über die Schulter schauen.
Die besondere badisch-pfälzische Zusammenarbeit läuft nun über das ganze Semester, im August sollen die Ergebnisse vorgestellt werden.