Der mobile Kleiderladen des Kinderschutzbundes hält regelmäßig beim Kinder- und Familienzentrum „Villa Regenbogen“ in Oberreut. Das Bild zeigt (von links) Sarah Leibold, Beate Plottke, Cordula Möhringer und Sybille Pütz.
Der mobile Kleiderladen des Kinderschutzbundes hält regelmäßig beim Kinder- und Familienzentrum „Villa Regenbogen“ in Oberreut. Das Bild zeigt (von links) Sarah Leibold, Beate Plottke, Cordula Möhringer und Sybille Pütz. | Foto: jodo

Station in Oberreut

Neues Angebot des Kinderschutzbundes: Kleiderwagen rollt durch Karlsruhe

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Auf den aufgeklappten Tischen liegen Hosen, Pullover und T-Shirts in allen Farben des Regenbogens, an Stangen hängen Jacken und Kleider. Es gibt Sandalen und Gummistiefel, Spiele, Bücher, Fahrradhelme und Schulranzen. Weil das Wetter an diesem Nachmittag gut ist, haben Sarah Leibold und ihr Team den Kleiderladen vor der Kindertageseinrichtung „Villa Regenbogen“ in Oberreut aufgebaut.

So ist der Stand mit den Second-Hand-Kindersachen auch für alle besser sichtbar. Bereits zum zweiten Mal macht der Kinderschutzbund mit dem mobilen Kleiderladen an dieser Stelle Station. Das Angebot richte sich nicht ausschließlich an die Eltern der Kindergartenkinder, sondern an Eltern aus dem ganzen Stadtteil, betont Sarah Leibold, Sozialpädagogin und Fachbereichsleiterin beim Kinderschutzbund.

Gebrauchte Dinge werden ausgetauscht

Die Kooperation mit der „Villa Regenbogen“ kam über die Gertrud-Maria-Doll-Stiftung zustande, die unter anderem den Kinderschutzbund unterstützt. „Als die Anfrage kam, waren wir sofort dabei“, sagt Beate Plottke, die Leiterin der „Villa Regenbogen“, die als Kinder- und Familienzentrum stadtteilübergreifend arbeitet.

Es gibt ein Elterncafé und verschiedene Beratungsangebote. „Wir haben auch ein Regal mit gebrauchten Sachen, das wahnsinnig gut angenommen wird“, berichtet Plottke. Eltern legen Haushaltsgegenstände, Kleidung, Spielsachen und andere Dinge, die sie nicht mehr benötigen, hinein und stellen es anderen zur Verfügung.

Auch Essen wird geteilt

In der „Villa Regenbogen“ ist auch Foodsharing ein Thema: „Dafür haben wir sogar einen eigenen Kühlschrank“, sagt Plottke. Der mobile Kleiderladen sei ein sehr gutes Zusatzangebot, zumal es sehr differenziert ist, findet sie. Angeboten werden dort nämlich ausschließlich Artikel für Kinder.

Beim ersten Mal lief der Kleiderladen noch etwas schleppend. Es braucht Zeit, bis es sich im Stadtteil herumspricht. „Manche trauen sich vielleicht nicht, manche denken, dass es ein Flohmarkt ist…“, sagt Plottke, die mit Handzetteln und Aushängen auf das Angebot aufmerksam machen möchte. Feilschen muss hier niemand, die Sachen werden ausschließlich gegen eine Spende abgegeben, deren Höhe jeder selbst bestimmen kann.

Mütter, die vorbeilaufen, werden von Cordula Möhringer und Sybille Pütz, den beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Kinderschutzbund, ermuntert, doch mal zu schauen. Der fünfjährige Vino lässt sich das nicht zweimal sagen und schnappt sich das Spiel „Lotti Karotti“. Ein anderer Junge hat ein Buch aus der Kiste gefischt und drückt es an sich. Eine Mutter hat eine Jeansjacke, eine Regenjacke und einen Kapuzenpulli ausgesucht. Fünf Euro wandern in die Spendenbüchse.

Manche Familien haben keine Spielzeug zuhause

„Es gibt Kinder in unserer Einrichtung, bei denen es zuhause kein Spielzeug und keine Bücher gibt“, sagt Plottke. Über die gebrauchten Kleider und Spielsachen freuen sich auch Flüchtlingsfamilien. Die Akteure wollen mit dem mobilen Kleiderladen nicht nur arme Familien erreichen.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch eine Rolle. „Die Sachen sind alle sehr gut erhalten, es wäre viel zu schade, sie wegzuwerfen“, sagt Sarah Leibold. Ein noch größeres Angebot, zum Beispiel auch Kinderwagen, gibt es im Kleiderladen, den der Kinderschutzbund in seinen Räumen in der Kaiserstraße 152 betreibt. „Nimm’s Mit“ heißt dieses neue, mobile Projekt des Kinderschutzbundes Karlsruhe.

Angebot muss noch bekannter werden

Da nicht alle Eltern den Weg zum Kinderschutzbund-Büro finden oder die Einrichtung überhaupt kennen, „war die Idee, in die Stadtteile und in den Landkreis zu gehen, um unser Angebot bekannter zu machen“, sagt Leibold. Angeboten werden auch kostenfreie Workshops und Vorträge. Das ehrenamtliche Team wird deshalb auch immer von einer sozialpädagogischen Fachkraft begleitet.

„Der Kleiderladen ist eine gute Möglichkeit für uns, um mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, sie bei Bedarf auch gleich vor Ort zu beraten und sie auf die verschiedenen Angebote des Kinderschutzbundes aufmerksam zu machen“, betont Leibold. Noch setzt der Kinderschutzbund auf ein Stadtmobil-Auto, Spenden für einen eigenen Sprinter werden gesammelt. „Wir suchen auch noch einen ehrenamtlichen Fahrer.“

Service
Der mobile Kleiderladen macht am 13. Mai wieder Station in Oberreut, 13 bis 15.30 Uhr bei der „Villa Regenbogen“. Wer Kindersachen spenden möchte, kann diese beim Kinderschutzbund montags bis freitags von 9.30 bis 12 Uhr sowie montags von 15 bis 17 Uhr abgeben. Eine Übersicht über alle Angebote des Kinderschutzbundes gibt es hier.