Der Leihladen in der Oststadt ist das Prunkstück der Bürgerstiftung Karlsruhe
Der Leihladen in der Oststadt ist das Prunkstück der Bürgerstiftung Karlsruhe | Foto: jodo

Leihladen in der Oststadt

Neues Chef-Trio der Karlsruher Bürgerstiftung will Akzente setzen

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Vor sechs Jahren hob Cornelia Holsten die Bürgerstiftung Karlsruhe aus der Taufe. Nun übergab die Gründerin die Organisation der ersten Bürgerstiftung der Stadt in jüngere Hände. Das neue Vorstandstrio besteht aus Lisa Nabitz, Christine Beer und Christian Benz.

Im Leihladen in der Oststadt wird Lisa Nabitz immer wieder fündig. Für ein Hüttenwochenende mit Freunden hat sie sich kurzerhand ein Fondue-Set ausgeliehen. „Wir haben nur eines zu Hause und das reicht nicht für alle Leute aus. Und nur für einen Abend ein Fondue zu kaufen, wäre ziemliche Verschwendung“, sagt Nabitz mit einem Schmunzeln.

Was es im Leihladen „leih.lokal“ alles zu mieten gibt, weiß die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) aus dem Effeff. Seit einigen Jahren ist Nabitz bei der Bürgerstiftung Karlsruhe und unter anderem in der Organisation des Leihladens tätig.

Bei der Kuratoriumssitzung am 29. Januar wurde Nabitz nun gemeinsam mit Christine Beer und Christian Benz in den Stiftungsvorstand berufen.

Stiftungsgründerin will kürzer treten

Das Trio folgt auf Cornelia Holsten, die die erste Bürgerstiftung in der Fächerstadt vor sechs Jahren aus der Taufe hob und nun aus Altersgründen kürzertreten will. Dass Holsten gleich durch drei Nachfolger ersetzt wird, hat einen einfachen Grund. Die 72-jährige Stiftungsgründerin war in den vergangenen Jahren quasi Vollzeit ehrenamtlich im Einsatz.

Da müssen wir einige neue Konzepte entwerfen. Bislang hat uns dafür aber schlichtweg die Zeit gefehlt.

Lisa Nabitz aus dem neuen Vorstandstrio der Bürgerstiftung Karlsruhe über den Laden „Frei.Räume“ 

Nabitz, Beer, und Benz sind berufstätig und müssen sich ihre knapp bemessene Freizeit gut einteilen. „Die Optimierung der Organisationsstruktur ist zunächst einmal eine unserer wichtigsten Aufgaben“, sagt Nabitz. Künftig sollen interne und externe Kommunikation auf digitalen Kanälen über die Bühne gehen.

Trio will inhaltliche Akzente setzen

Doch auch inhaltlich will das Trio Akzente setzen. Für den Leihladen in der Gerwigstraße 41, in dem derzeit rund 650 Artikel zum Ausleihen bereitstehen, werden noch ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht.

Und bei der Vermietung des Ladengeschäfts mit dem klingenden Namen „Frei.Räume“ besteht nach Nabitz’ Einschätzung noch Luft nach oben. „Da müssen wir einige neue Konzepte entwerfen. Bislang hat uns dafür aber schlichtweg die Zeit gefehlt“, sagt Nabitz.

Leihladen ist Prunkstück der Stiftung

Die umgebaute Metzgerei ist bereits jetzt das Prunkstück der Bürgerstiftung. In einer modernisierten Hinterhofwerkstatt wurde der Leihladen untergebracht, im Eingangsbereich mit dem großen Schaufenster zur Gerwigstraße ist ein kleiner Empfangsbereich mit Flügel sowie viel Platz für Veranstaltungen.

Mehr zum Thema: Stadt Karlsruhe rettet Ausleihladen mit einem jährlichen Zuschuss

Dank einer Kooperation mit der Musikhochschule werden die Freiräume bereits alle zwei Wochen bespielt. Und etwa einmal im Monat geht dort das Reparaturcafé über die Bühne. Essen und Trinken wird bei solchen Veranstaltungen ebenfalls angeboten.

Zusammen kochen und gemeinsam essen

Bei der Entwicklung von neuen Nutzungskonzepten will Nabitz die geräumige Küche mehr ins Zentrum der Veranstaltungen rücken. „Wenn Leute zusammen kochen und anschließend gemeinsam essen, kommen sie gut miteinander ins Gespräch“, sagt Nabitz.

Das hätten die ersten Veranstaltungen der losen Reihe „Küchenkunst & Freiräume“ ganz klar gezeigt. Außerdem wollen die drei neuen Vorstände sämtliche Angebote gezielt für alle Altersgruppen öffnen. Die Infrastruktur für den Generationen übergreifenden Dialog seien vorhanden, nun müssten die Räume noch mehr mit Leben gefüllt werden.

Ich denke, mit unseren beschränkten Mitteln haben wir das Maximale erreicht.

Cornelia Holsten, die Gründerin der Bürgerstiftung

Deshalb können die Freiräume sowohl für private als auch für öffentliche Veranstaltungen gemietet werden. Auf Mieteinnahmen ist die Bürgerstiftung auch dringend angewiesen.

Erst vor wenigen Wochen stellte der Gemeinderat mit einem Betriebskostenzuschuss von 10.000 Euro pro Jahr die Zukunft des Leihladens sicher. „Damit werden zumindest zwei Drittel der Kosten gedeckt“; sagt Holsten.

Stiftungskapital wirft keine Erlöse ab

Die ehrenamtliche Arbeit wird künftig trotzdem der wichtigste Eckpfeiler der Stiftung bleiben. Das Stiftungskapital von 65.000 Euro wirft wegen der Niedrigzinsen nämlich keine Erlöse ab.

Und eine Erhöhung des Kapitals kam für Holsten in den vergangenen Jahren nicht in Frage. „Sonst müssen wir dafür Zinsen bezahlen“, sagt die Stiftungsgründerin.

Die weiteren Aktionen der Bürgerstiftung wie die Generationen verbindenden Projekte Bilderbuchkino und „Senioren an die Konsole“ werden deshalb fast ausschließlich durch Spenden und Sponsoren finanziert. Beklagen will sich Holsten aber nicht: „Ich denke, mit unseren beschränkten Mitteln haben wir das Maximale erreicht.“