Lautstarker Protest gegen die Klimapolitik: Im Rahmen eines globalen Aktionstags gehen am Freitag in Karlsruhe wieder mehrere Tausend Menschen für einen besseren Schutz der Umwelt auf die Straße
Lautstarker Protest gegen die Klimapolitik: Im Rahmen eines globalen Aktionstags gehen am Freitag in Karlsruhe wieder mehrere Tausend Menschen für einen besseren Schutz der Umwelt auf die Straße | Foto: jodo

Demonstration am Freitag

Neues Karlsruher Klimabündnis unterstützt „Fridays for Future“ bei globalem Streik

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In Karlsruhe hat sich ein neues Klimabündnis gebildet. Die bislang 29 teilnehmenden Gruppen wollen sich in Zukunft noch stärker für eine nachhaltige Politik einsetzen. Zum ersten Mal werden sie das am Freitag tun, wenn auch Karlsruhe wieder Teil eines weltweiten Klimaprotests wird.

Beim vierten globalen Klimastreik der Umweltschutzbewegung „Fridays for Future“ gehen am Freitag, 29. November, auch in Karlsruhe wieder zahlreiche Menschen für einen besseren Klimaschutz sowie eine Reduzierung der Treibhausgase auf die Straße. Startschuss für die lokale Aktion ist um 12 Uhr auf dem Schlossplatz.

Auf diesen Straßen könnte der Verkehr behindert werden

Nach den Ansprachen der Fridays-for-Future-Aktivisten Pawel Bechthold und David Lied setzt sich ein Demonstrationszug in Bewegung und zieht über Waldhornstraße, Fritz-Erler-Straße, Markgrafenstraße, Lammstraße, Kriegsstraße, Herrenstraße und Zirkel durch die Innenstadt. Gegen 14.30 Uhr läutet eine Band auf dem Schlossplatz das Ende der Protestaktion ein.

Während des Demonstrationszuges wird es aller Voraussicht nach zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Ortskundige sollen die Innenstadt deshalb weiträumig umfahren. Die Veranstalter rechnen laut eigenen Angaben mit 6.000 bis 8.000 Teilnehmern. Beim dritten globalen Klimastreik am 20. September gingen in Karlsruhe mehr als 11.000 Menschen auf die Straße.

Dieses Mal beteiligen sich nicht nur Schüler am Klimastreik, sondern auch viele Erwachsene.
Am Klimastreik in Karlsruhe beteiligen sich nicht nur Schüler, sondern auch viele Erwachsene. | Foto: ts

Protestzug wird Familienblock und einen lauteren Teil haben

Dieses Mal werden die Teilnehmer des Protestzugs erstmals in Blocks eingeteilt. „Im Familienblock geht es eher ruhig zu. In anderen Blocks wird Musik gespielt oder richtig Krach gemacht“, sagt Lenny Orazulike vom Fridays-for-Future-Team.

Wir sind froh über jeden Unterstützer.

Lenny Orazulike (Fridays for Future)

Außerdem wird die von Schülern und Jugendlichen geprägte Bewegung erstmals vom Karlsruher Klimabündnis unterstützt. Für die Fridays-for-Future-Gruppe stellt die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen kein Problem dar. „Wir sind froh über jeden Unterstützer. Und außerdem werden wir auch weiterhin unsere eigenen Demos organisieren“, sagt Orazulike.

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Neues Klimabündnis für Karlsruhe mit vielen Akteuren

Das Klimabündnis besteht aus insgesamt 29 Gruppen und Organisationen und wurde vor wenigen Tagen zur Unterstützung der Fridays-for-Future-Aktivisten aus der Taufe gehoben. „Sämtliche Mitglieder haben sich schon zuvor für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen eingesetzt“, betont Bündnis-Sprecher Ingo Laubenthal von der Elterninitiative Parents for Future.

Künftig wolle man den Druck auf die Politik durch gemeinsame Aktionen und den lautstarken Protest auf der Straße weiter erhöhen. „Dabei wollen wir kein Club der Umweltvereine sein, sondern uns mit allen Menschen zusammenschließen, denen die Erhaltung einer lebenswerten Zukunft am Herzen liegt“, sagt Laubenthal.

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Wie sich das Bündnis organisieren und positionieren will

"Fridays for Future": Rund 2.000 Menschen demonstrierten am Freitag in Karlsruhe.
„Fridays for Future“ ist in Karlsruhe eine aktive Bewegung und bekommt immer mehr Unterstützung. | Foto: Kinkel

Sportvereine seien im Klimabündnis ebenso willkommen wie Kulturorganisationen oder religiöse Vereinigungen. Der Hauptgrund für das gemeinsame Vorgehen ist für Laubenthal die teilweise ignorante Haltung der Politik gegenüber dem Klimawandel. „Wenn uns die Politik für dumm verkaufen will, bleibt nichts anderes übrig, als selbst Fachwissen zu erwerben und die Politik auf die Straße zu verlegen“, verweist Laubenthal auf die Warnungen von renommierten Wissenschaftlern vor den drastischen Folgen der Klimakrise.

Ein gemeinsames Grundsatzprogramm hat das Klimabündnis aber noch nicht erarbeitet. „Jede Organisation spricht für sich und deshalb kann es durchaus auch einmal zu Widersprüchen kommen“, sagt der Bündnissprecher.

Eigentlich fordern wir heute dieselben Dinge wie vor 30 Jahren.

Uwe Haack (Verkehrsclub Deutschland)

Nachwuchsgruppierungen wie „Fridays for Future“ oder das Klimakollektiv sind im Bündnis deshalb ebenso vertreten wie die Karlsruher Ortsgruppen von bundesweit agierenden Organisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) oder dem Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Forderungen: Mehr Schienenverkehr und Tempolimit auf Autobahnen

„Um den Kampf gegen die Klimakrise zu gewinnen, braucht es einen Schulterschluss sämtlicher gesellschaftlicher Kräfte“, sagt der DGB-Vorsitzende Dieter Bürk. Für BUND-Aktivist Harry Block muss vor allem die Energiewirtschaft zum Umdenken genötigt werden. „Eigentlich fordern wir heute dieselben Dinge wie vor 30 Jahren“, sagt VCD-Sprecher Uwe Haack. Das bedeutet: Um die Innenstädte zu entlasten, muss die Mobilitätswende durch den Ausbau des Schienenverkehrs und die Ausweisung von Fußgängerzonen vorangetrieben werden.

Der einfachste Schritt zur Entlastung des Klimas sei aber immer noch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Haack: „In ganz Europa gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nur in Deutschland wird die Politik von der Automobil-Lobby ausgebremst.“

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