Als Partner auf Augenhöhe sehen sich die Vertreter der drei Bühnen im Theaterhaus. Von links: Carsten Thein (Jakobus), Thomas Hänsel (Marotte), Erik Rastetter (Sandkorn). | Foto: Artis

Neuland für Karlsruher Bühnen

Theaterhaus wächst zusammen

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Seit über 30 Jahren haben sie ein gemeinsames Haus, im September 2016 haben das Sandkorn-Theater,  das Jakobus-Theater und das Figurentheater „Marotte“ es dann auch so benannt: Theaterhaus. Als Dachmarke durchgesetzt hat sich das zunächst aber nicht. Meist wurde das Theaterhaus einfach mit dem Sandkorn gleichgesetzt. Carsten Thein, stellvertretender Leiter des Jakobus-Theaters erinnert sich, wie mühsam es sich oft für ihn gestaltete zu erklären, in welchem Gebäude er und die anderen „Jakobiner“ spielen. Wie oft kam dann vom Gegenüber, wenn der Groschen gefallen war, der Ausruf: „Ach so, im Sandkorn!“

Zusammenarbeit wie noch nie zuvor

Das könnte bald anders werden. Nach der Insolvenz des alten Sandkorn-Theaters stehen jetzt die Zeichen auf Neuanfang. Und zwar nicht nur, was das Studio im Obergeschoss (größere Bühne) oder den Bezug der Stühle im Sandkorn (silbergrau statt rot) anbelangt, sondern auch in Sachen Kommunikation und Kooperation. Sowohl Thein als auch „Marotte“-Chef Thomas Hänsel bekunden mit Nachdruck, dass sie in all den Jahren zuvor noch nie eine derart ausgeprägte Bereitschaft zu vertrauensvoller Zusammenarbeit erlebt hätten wie jetzt, da sich das Sandkorn gleichsam neu erfunden hat. Beide, Hänsel wie Thein, beteuern: Mit Günter Knappe, dem kaufmännischen Leiter, und Erik Rastetter, der die künstlerische Verantwortung trägt, funktioniere der Austausch offen und reibungslos.

Silbergrau ersetzt rot: Blick in den Sandkorn-Theatersaal mit neuen Sitzbezügen. | Foto: Jüttner

Das braucht es auch. Denn der Karlsruher Gemeinderat hat zwar die (ursprünglich für das Ur-Sandkorn vorgesehenen) Fördermittel für die Nachfolgerbühne uneingeschränkt freigegeben und dabei auf einen zunächst vorgesehenen Sperrvermerk verzichtet. Aber man wird genau hinsehen, zumal bekannt ist, dass die Übergabe in neue Hände nicht – wie in früheren Fällen, etwa beim Kammertheater – per Ausschreibung geschah, sondern mit Hilfe einer Konstruktion, die einiges an Kontinuität erlaubt. Immerhin sind Knappe und Rastetter, aber auch Ullrich Eidenmüller und Martin Wacker, die beiden anderen Gründer der neuen gemeinnützigen Unternehmergesellschaft (UG), dem ursprünglichen, von Siegfried Kreiner geprägten Sandkorn bereits seit Jahrzehnten verbunden.

Sandkorn plant: „Wir schaffen das!“

Rastetter hofft denn auch, dass die einstige Stammkundschaft zurückfindet in das Karlsruher Theaterhaus, wenn dort wieder Sandkorn-Produktionen angeboten werden. „Wie schaffen das“ lautet der Titel der ersten Premiere – einmal, um die eigene Tatkraft und Zuversicht zu signalisieren, zum andern, um mit einem „Hingucker“ Aufmerksamkeit zu generieren: Auf dem Plakat sieht man in der klassischen Kanzlerinnenpose die Kabarettistin Marina Tamássy, die inzwischen fast schon zu einem Double von Angela Merkel geworden ist. Und wenn Angela Merkel bis zum Premierentermin am 10. Januar nicht mehr Kanzlerin ist? „Dann schreiben wir um,“ sagt Rastetter, „ein guter Kabarettist muss das können“.

Theater als „soziale Schnittstelle“

Mehr Sorge bereitet ihm der Umstand, dass der Theater-Neustart in die erste Jahreshälfte fällt. Da zieht es die Menschen irgendwann sehr viel eher ins Freie als in die Schauspielhäuser. Dabei hat der neue Theaterleiter ambitionierte Pläne: Als „Theatermanufaktur“ möchte er das neue Sandkorn gern positionieren und hierfür eigene Stücke entwickeln. Zudem betont er die Funktion von „Theater als soziale Schnittstelle“. Daher bleiben nicht nur bisherige Projekte wie der Jugendclub (der im Februar Premiere hat) und die integrative Gruppe „D!e Sp!nner“ erhalten, sondern es sind weitere Aktionen in dieser Richtung geplant. So wird voraussichtlich das Seniorentheater „Basta 60+“ ans Sandkorn „andocken“, erklärt Rastetter – nicht zuletzt, weil „Basta“-Leiter Jochen Wietershofer am Sandkorn auch theaterpädagogisch eingebunden werde, was einen weiteren Synergie-Effekt ergebe.

Gemeinsame Werbung als Ziel

Die Stichworte Synergie-Effekte und PR passen gut zusammen, wenn es um die neue Situation im Theaterhaus geht, etwa bei Plänen für gemeinsame Werbe-Auftritte und einen gemeinsamen Ticketverkauf. Sorge, sich hier gegenseitig zu viel Konkurrenz zu machen, haben alle Drei ausdrücklich nicht. „Prinzipiell ist es ja gut für jeden von uns, wenn im Haus viel Publikum unterwegs ist“, erklärt Hänsel, und Thein fügt hinzu: „Wir bleiben ja weiterhin drei unterschiedliche Bühnen mit klarem Profil.“

Wunsch nach Verbesserung: Die „Krankenhaus-Atmosphäre“ im Foyer will das Theaterhaus-Team auch hinter sich lassen. | Foto: Jüttner

Das Haus als „Einheit“ erlebbar zu machen, ist ebenfalls eine Überlegung des Leitungstrios. Neben einem „Tag der offenen Tür“ ist unter anderem eine gemeinsame Produktion angedacht, bei der das Publikum stationenartig durchs Haus geführt werden könnte. Wobei das Haus selbst allerdings noch einige Nachbesserungen erfordert. Zwar sind mittlerweile alle Säle mit Klimaanlagen ausgestattet, aber die Toilettensituation ist angesichts der Besucherkapazität des Hauses noch ebenso ausbaufähig wie der „Charme“ des Foyers, dessen weißgetünchte Wände eher „Krankenhaus-Atmosphäre“ (Thein) verbreiten als zum Aufenthalt einladen. Last but not least ist man auch hier guter Hoffnung, durch gemeinsames Ziehen am gleichen Strang baldige Fortschritte zu erreichen.

Termine

Erstmals wieder komplett bespielt wird das Theaterhaus am Silvesterabend mit je zwei Vorstellungen in jedem der vier Säle (je 18 und 21 Uhr, im Sandkorn-Studio 18.30 und 21.15 Uhr).
Die „Marotte“ spielt danach bereits ab 3. Januar wieder regelmäßig und bietet am 5. und 6. Januar auch Abendprogramm („Die Ritter der Kokosnuss“ und „Er ist wieder da!“). Ab 10. Januar läuft im Sandkorn das Kabarettprogramm „Wir schaffen das!“ und im Jakobus die Komödie „Der Diener zweier Herren“.

Hier geht’s zur Sandkorn-Homepage.

Hier geht’s zur Jakobustheater-Homepage.

Hier geht’s zur Marotte-Homepage.