Im gigantischen Edelstahltank des KATRIN-Großversuchs werden Neutrinos "gewogen". Die Forscher des KIT und ihr internationales Kollegenteam melden nach kurzen Messreihen einen ersten Durchbruch bei der Erforschung der sogenannten "Geisterteilchen" des Weltalls. Foto: KIT

KATRIN-Experiment

Neutrinowaage am KIT: Erster Erfolg für Jäger der „Geisterteilchen“

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Einen ersten Etappenerfolg haben die Astroteilchenphysiker vom Riesenexperiment KATRIN (Karlsruher Tritium Neutrino Experiment) am Montag gemeldet: Nach einer nur vierwöchigen Messphase konnte die gigantische Neutrinowaage am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Masse dieser unvorstellbar winzigen Elementarteilchen bereits deutlich präzisieren.

„Wir konnten sie um einen Faktor zwei genauer eingrenzen als alle bisherigen Experimente“, berichtet Guido Drexlin, KIT-Professor und einer der Sprecher des internationalen Experiments. „Diese ersten Messresultate zeigen, dass KATRIN funktioniert und dass alles so zusammenläuft, wie wir es uns erhofft und erträumt hatten.“

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Zentrale Frage: Wie sind die Galaxien entstanden?

Kleiner als ein Elektronenvolt soll die Masse der sogenannten Geisterteilchen des Weltraums nach den neuesten Messreihen von KATRIN sein. Für Laien ist das wenig aussagekräftig, doch die Fragen, die sich irgendwann vielleicht mit Hilfe dieser Grundlagenforschung am KIT beantworten lassen, beschäftigen und faszinieren unzählige Menschen: Wie sind die Galaxien des Weltalls entstanden? Wie setzt sich die mysteriöse Dunkle Materie zusammen?

„Die Dunkle Materie macht etwa ein Viertel des Universums aus“, erläutert Drexlin. „Neutrinos haben einen geschätzten Anteil von zwei bis drei Prozent an der Dunklen Materie.“

„Geisterteilchen“ auf der Waage

Nach der ersten Erfolgsmeldung will das internationale KATRIN-Team nun weitere fünf Jahre die „Geisterteilchen“ auf die Neutrinowaage schicken, wie Drexlin und sein Co-Sprecher Christian Weinheimer von der Universität Münster erklärten. „Wir wollen die Neutrinomasse um den Faktor fünf genauer eingrenzen.“

150 Wissenschaftler aus 20 Institutionen in sieben Ländern arbeiten an dem rund 75 Millionen Euro teuren Großexperiment mit, das 18 Jahren lang vorbereitet wurde. Die Hälfte des KATRIN-Teams kommt von der Karlsruher Forschungsuniversität KIT.