Ihr bislang persönlichstes Album hat die Karlsruher Band um Pete Jay Funk (Zweiter von links) mit „Promises“ aufgenommen. Präsentiert wird es am Samstag, 25. April, live aus dem Tollhaus – allerdings ohne Zuschauer und nur per Livestream.
Ihr bislang persönlichstes Album hat die Karlsruher Band um Pete Jay Funk (Zweiter von links) mit „Promises“ aufgenommen. Präsentiert wird es am Samstag, 25. April, live aus dem Tollhaus – allerdings ohne Zuschauer und nur per Livestream. | Foto: Günter Beier

Auftritt im Tollhaus

No Sugar, No Cream stellt neues Album wegen Coronavirus per Livestream vor

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„I Wanna Look Like Robert Mitchum“ (Ich möchte aussehen wie Robert Mitchum), singt Pete Jay Funk im Song „Marlowe’s Investigation“ – dabei sieht der bärtige Barde eindeutig um Klassen cooler aus als der Mime mit der stoischen Miene. Gäbe man dem Singer/Songwriter der Karlsruher Band No Sugar, No Cream eine Nebenrolle in einem Film der Coen-Brüder, er müsste sich nicht mal umzieh’n.

„Promises“, das vierte Studioalbum der Band um die BNN-Redakteure Funk und Andreas „AJ“ Jüttner, enthält zwölf zum Teil karge und zum großen Teil tieftraurige Songs mit, wie immer, schönen, gewohnt eleganten Melodien. Über den sehr persönlichen Liedern liegt eine leichte Melancholie – wie eine Erinnerung, die einen an Orten der Kindheit überfällt, die man nach Jahrzehnten wieder besucht.

Ein Album wie ein Corona-Soundtrack

Mit wenigen wohlpointierten Sätzen entwirft Funk, der sämtliche Songs geschrieben hat, herzzerreißende Situationen. Zum Beispiel, wenn sie geht (In „She“) und er singt „She Said Good Bye, She Made Me Cry, So Many Nights“ (Sie sagte Auf Wiedersehen, sie brachte mich zum Weinen, in so vielen Nächten). Um Einsamkeit geht es, ums Verlassenwerden, um menschenleere Landschaften.

Fast könnte man meinen, „Promises“ sei eine Antwort auf die Corona-Krise. Dabei wurden die Songs größtenteils schon 2018 geschrieben und immer mal wieder auch live präsentiert. Produziert wurde das Ganze jetzt von Rolf „Leonard Cohen“ Ableiter, und wenn man sich unter seine Studio-Fittiche begibt, dann kann sowieso nur Gutes daraus resultieren.

„Intensiv-intimer Folkrock“

Und so entstand ein Album, das man – so man will – mal unter „Americana“ oder „No Depression“ einordnen kann, letztlich aber doch unter „intensiv-intimer Folkrock“ verbuchen muss.
Einer der Höhepunkt ist neben dem rockigen Opener „This House Is On Fire“ und „Stranger“ (genialer „Peter-Frampton-Gitarrensound“) sicherlich das sechseinhalb Minuten lange „Good Enough For Now“ – mit einem dreiminütigen Instrumental-Outro, das an den Soundtrack eines Westerns erinnert.

Livestream aus dem Tollhaus

Am kommenden Samstag erscheint das Album und eigentlich hätte es dazu ein Konzert im Tollhaus geben sollen. Dieses fällt aus bekannten Gründen aus. Oder eben auch nicht. Denn: No Sugar, No Cream werden trotz Corona als Trio im Tollhaus spielen, natürlich ohne Zuschauer.

Das Ganze wird am Samstag ab 20 Uhr als Livestream im Internet ausgestrahlt. Zu sehen ist dann nur die „kleine Besetzung“ mit Funk (Gitarre und Gesang), Heike Wendelin (Gesang, Geige, Mandoline) und Andreas Jüttner (Bass), unter strikter Einhaltung der Abstandsregeln und vermutlich 45 Minuten lang. „Natürlich hätten wir lieber ein ’richtiges’ Releasekonzert gespielt in der kompletten Besetzung mit Frank Schäffner (Schlagzeug) und Oli ’Earl Grey’ Grauer (E-Gitarre)“, sagt Jüttner.

Schließen wir mit dem Resümee, dass No Sugar, No Cream mit „Promises“ Einzug in den Wilco-, Jayhawks-, Bonnie ’Prince’ Billy-Olymp gehalten haben – als Gleiche unter Gleichen.

Den Link zum Auftritt (25. April, 20 Uhr) findet man rechtzeitig unter www.tollhaus.de.