Die Betonröhre unter der Kriegsstraße wächst mächtig. Besonders auf dem Abschnitt zwischen Lammstraße und dem Ettlinger Tor wird die Betonschachtel mit Trennwand der Spuren sowie Ein- und Ausfahrtrampen vorangetrieben. Auf dem Abschnitt parallel zum Nymphengarten (hinten rechts) ist der Tunnel bereits fertig
Die Betonröhre unter der Kriegsstraße wächst mächtig. Besonders auf dem Abschnitt zwischen Lammstraße und dem Ettlinger Tor wird die Betonschachtel mit Trennwand der Spuren sowie Ein- und Ausfahrtrampen vorangetrieben. Auf dem Abschnitt parallel zum Nymphengarten (hinten rechts) ist der Tunnel bereits fertig | Foto: jodo

Kriegsstraße Karlsruhe

Noch gut zwei Jahre bis zum Boulevard

Anzeige

Noch gut zwei Jahre, dann ist die neue Kriegsstraße in Karlsruhe  da. Derzeit sind dort auf voller Strecke alle Baustadien zu beobachten: Zu rund einem Drittel ist der Tunnel fertig, bei einem weiteren Drittel laufen die Betonarbeiten in den verschiedensten Stadien, und beim letzten Drittel sind die Vorbereitungen dazu weit vorangetrieben. Nur von dem Vorstoß in der CDU, sie in Helmut-Kohl-Allee umzutaufen, ist nicht mehr die Rede.

Die trennende City-Asphaltschneise aus der stadtplanerischen Betonzeit der autogerechten Stadt hat sich in einen urbanen Boulevard verwandelt. Am Schluss werden rund 300 Millionen Euro für den Autotunnel und die neue Oberfläche verbuddelt sein.

Von westlich des Karlstors bis östlich des Mendelssohnplatzes und in umgekehrter Richtung taucht der Durchgangsverkehr in die 1,6 Kilometer lange Doppelröhre ab. Oben rollen Straßenbahnen in der Mitte, gesäumt von vielen jungen Bäumen in Viererreihe. Daneben kommt der Anliegerverkehr mit reduziertem Tempo auf zwei Streifen voran, mit vielen Abbiegemöglichkeiten.

Rein in den Tunnel und raus aus der Röhre geht es gen Westen bei der Lammstraße und gen Osten bei der Ritterstraße, wo die Autofahrer wie am Ettlinger Tor den Boulevard queren können. Über den Tunnel geht es zudem an den Knoten Mendelssohnplatz und Karlstor.

Von der umgebauten Kriegsstraße, der zweiten Komponente der mindestens 1,3 Milliarden teuren Kombilösung neben der U-Strab, träumt die Stadtgesellschaft seit 15 Jahren. Der Autotunnelbau begann erst im April 2017 mit mehr als zwei Jahren Verspätung.

Arbeiten am Autotunnel Kriegsstraße kommen planmäßig voran

Viereinhalb Jahre bis Ende 2021 sind für die Arbeiten veranschlagt. Und nicht nur beim Karlsruher Tunnelbauherrn, der städtischen Tochter Kasig, herrscht die Freude: Bislang liegt der Tunnelbau voll im Zeitplan. Auch der Baubürgermeister sieht der Neugestaltung und den sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten für die Stadtentwicklung voll Optimismus entgegen.

Daniel Fluhrer will aber auch auf dem Boulevard selbst noch mehr erreichen. „Wir müssen die Kriegsstraße noch mal aufrollen“, sagt der seit elf Monaten amtierende Baudezernent. „Generell vier Spuren für den oberirdischen Autoverkehr, zwei in jede Richtung – das ist zu viel“, meint er.

Fluhrer fordert, dass auch bei der neuen Kriegsstraße der Verkehrsraum weiter zugunsten von Radfahrern und vor allem flanierenden Fußgängern umverteilt wird. Schließlich gibt es ab Weihnachten 2021 pro Richtung eine Autospur im Tunnel.

Fluhrer will weniger Autospuren

Was brauche man dann oberirdisch genauso viel Platz für die Autos wie früher, überlegt Fluhrer. Er verspricht sich davon, die Trennwirkung der breiten Straße zwischen der City und der Südweststadt mit Hochhaus Landratsamt, Kongresszentrum und Stadtgarten samt Zoo sowie mit der Südstadt und dem Staatstheater weiter zu schmälern.

Schon jetzt zeichnen sich Riesenprojekte am Boulevard Kriegsstraße ab: Auf der Südseite, gegenüber vom Nymphengarten, ist die Hälfte des grauen Betonklotzes aus den 60er Jahren bereits abgerissen. Da wartet der Freiburger Investor Unmüssig nur noch immer auf die Baugenehmigung, um einen Hotelbau mit Dachgartenbar hochzuziehen. Am liebsten würde er endlich 2020 loslegen und mit der Fertigstellung zusammen mit dem Boulevard Kriegsstraße Ende 2021 eine Punktlandung hinbekommen.

Und dann sind da noch das Neubauprojekt Landratsamt und weitere Hochhauspläne am Ettlinger Tor sowie ein Neubaukomplex an Stelle des Postgiro-Gebäudes gegenüber vom Einkaufszentrum. Dafür wird nach Angaben Fluhrers Anfang 2020 ein breit angelegter Entscheidungsprozess mit einem hochkarätig besetzten Architekten-Workshop beginnen.