Hell und breit ist die Zufahrt zur Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof Karlsruhe. Die ungeschützte Abstellfläche rechts daneben quillt über.
Hell und breit ist die Zufahrt zur Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof Karlsruhe. Die ungeschützte Abstellfläche rechts daneben quillt über. | Foto: jodo

Fahrradparken

Nur beim Karlsruher Hauptbahnhof sind abgestellte Fahrräder gut geschützt

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Am Hauptbahnhof Karlsruhe verlassen sich immer mehr Pendler darauf, ihr Fahrrad in einem Fahrradparkhaus trocken und unbeschädigt wieder vorzufinden. Das helle, neueste Fahrradparkhaus P3 auf der Südseite ist aber nie so voll wie der ältere Vorläufer an der Nordostecke.

Die ungeschützten Abstellflächen rund um die größte Haltestelle für öffentliche Verkehrsmittel in Karlsruhe quellen daneben chronisch über. Und in der Innenstadt gibt es kaum Schutz und insgesamt nicht genug Platz dafür, Fahrräder gut abzustellen. Geschützte Parkmöglichkeiten für Fahrräder im öffentlichen Raum sind versprochen, aber noch Zukunftsmusik.

Was sich Radfahrer zum Thema Fahrradparken wünschen, ist nicht einheitlich. Viele können aber aus dem Stand heraus sagen, worauf es für sie ankommt. Und für einige ist auch klar, wie die Stadt Karlsruhe das Angebot fürs Fahrradparken ihrer Meinung nach ausbauen soll.

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Fahrradparken am Hauptbahnhof: Überdachte Anlage ist ständig überfüllt

„Wann ist hier was dazugekommen?“, fragt mit weit ausholender Geste Markus Barbian. Ihm ist das Angebot an Radabstellplätzen für Umsteiger gerade an dieser zentralen Drehscheibe viel zu klein. Gerade schließt der Karlsruher sein Fahrrad an einen Metallbügel der größten überdachten Abstellanlage vor dem Hauptbahnhof. Die ist chronisch überfüllt.

Barbian pendelt mehrmals pro Woche mit dem Zug nach Stuttgart. Je früher er kommt, desto eher findet er noch einen freien Abstellplatz. Ab 9 Uhr sieht es schlecht aus, berichtet der Vielfahrer. Er findet, es sei höchste Zeit, Parkflächen für Autos zu opfern. Barbian deutet auf die Nordseite des Bahnhofsvorplatzes und sagt: „Da ist noch jede Menge Platz.“

Ich habe extra nicht so ein hochwertiges Rad.

Vielpendler Markus Barbian zur Frage, warum er sich nicht für die Fahrradgarage am Hauptbahnhof interessiert

Nur ein paar Schritte neben Barbian dreht sich das Einlasskreuz zur Fahrradstation Hauptbahnhof Nord. Die lässt der Pendler links liegen. „Ich habe extra nicht so ein hochwertiges Rad“, erklärt er. Sein Eindruck ist, dass es ihn auch in der Station Zeit kosten würde, einen freien Platz zu suchen. „Für mich sind da gefühlt zehn Prozent der Fahrräder unbewegt“, argwöhnt er.


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Herrenlose Schrotträder blockieren Platz

Mutmaßliche Schrotträder, die unbenutzt und herrenlos vor sich hinrosten, sind im Umfeld des Hauptbahnhofs ein gewohnter Anblick. Sie blockieren auch einen schwer zu schätzenden Teil der überdachten Abstellanlage.

Zwei Berufspendler kommen mit ihren Fahrrädern aus der Fahrradstation Hauptbahnhof Nord. „Hier drin steht mein Fahrrad trocken und sicher“, sagt die Frau. „Und ich finde schneller einen Abstellplatz“, ergänzt ihr Kollege.

Elwis Capece verlässt die Fahrradstation Nord am Hauptbahnhof Karlsruhe.
Elwis Capece verlässt die Fahrradstation Nord am Hauptbahnhof Karlsruhe. | Foto: Etzold

Mehrmals pro Woche parkt auch Elwis Capece sein Fahrrad in der Station, die in den Zugangstunnel zu den Bahngleisen hineingebaut ist. „Vor vielen Jahren habe ich zweimal mein ungeschützt abgestelltes Fahrrad als Ruine vorgefunden“, erzählt der Karlsruher Gewerkschafter. Seither hat er sich angewöhnt, die Radstation zu benutzen.

Die 75 Euro für sein Jahres-Aboticket rentieren sich, sagt Capece: „Ganz selten sind Kleinigkeiten vorgekommen, aber nichts wirklich Ärgerliches.“

Es spart mir Zeit, dass ich gleich einen Platz finde.

Pendlerin aus der Oststadt mit Dauerticket für die Fahrradstation Nord

Täglich nach Ludwigshafen reist eine Frau aus der Oststadt. Sie stelle ihr Fahrrad immer in der Station Nord ab: „Das spart mir sogar Zeit, weil ich gleich einen Platz finde“, erzählt sie. Jede Minute zählt in ihrem Pendleralltag: „Die neue Fahrradgarage auf der Südseite bringt mir nix. Ich fahre immer auf Gleis eins oder drei ab, da bin ich hier sofort richtig.“

Die Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof Karlsruhe.
Die Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof Karlsruhe. | Foto: ke

Mit Helligkeit und viel mehr Platz, auch für Spezialfahrräder und Lastenanhänger, mit Werkzeugstation und Umkleidemöglichkeiten punktet die Fahrradstation Hauptbahnhof Süd. Schon die Zufahrt zu dem ehemaligen Autoparkhaus P3 ist einladender als der dunkle Tunnelmund im Nordosteck des Hauptbahnhofs.

Zwei bis drei Tage pro Woche geht es für Klaus aus dem City Park per Zug nach Stuttgart. Sein schickes und nicht billiges Fahrrad parkt der 40-Jährige dann jeweils in der Radstation, die jüngst für ihre vorbildliche Gestaltung den Deutschen Fahrradpreis des Bundesverkehrsministeriums erhielt.

In der Station lassen einige das Fahrrad unbesorgt auch über Nacht

„Für mich liegt die Station ideal. Es ist kaum ein Umweg. Auch ein Vorteil ist, dass ich hintenherum fahren und ohne S-Bahn-Gleise hinkommen kann“, erklärt der Mann. Kürzlich nahm ihn ein Kollege mit, das Rad blieb über Nacht stehen. „Da hatte ich keine Sorge. Ohne diese Abstellmöglichkeit hätte ich gar kein gutes Gefühl gehabt.“

Die Stadt macht vieles richtig.

40-jähriger Dauernutzer der Fahrradstation Hauptbahnhof Süd

Der Karlsruher Innenstadt, da ist sich der 40-Jährige sicher, täte ein solches oder ähnliches Angebot auch sehr gut. Wichtig ist ihm auch, dass Fahrradabstellplätze überdacht sind. Insgesamt beurteilt er die aktuelle Situation recht zufrieden. „Karlsruhe hat schon zu Recht den Ruf einer Fahrradstadt“, findet er. „Die Stadt macht vieles richtig.“

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Für Lilli sind die Kameras ein Pluspunkt

Der 29 Jahre alten Lilli aus der Südweststadt hat erst kürzlich jemand das Fahrrad gestohlen. Noch hofft die Berlinerin, es wiederzufinden. Auf der Suche mustert sie auch die Abstellanlagen auf der Südseite des Hauptbahnhofs.

Die ungeschützten Bügel quellen über, hinter dem Durchgang ins umgebaute Parkhaus ist auch diesmal wieder reichlich Platz. „Die Station würde ich bei Bedarf benutzen“, meint die junge Frau. Vor allem die Kameraüberwachung sieht sie als großen Pluspunkt.

Die Station würde ich bei Bedarf benutzen.

Lilli, 29 Jahre alt und aus Berlin, der kürzlich in der Südweststadt ihr Fahrrad gestohlen wurde

Wie glatt der Alltag für eine Fahrradpendlerin in der Station Süd läuft, demonstriert Birgit Stadler. Sie schiebt ihr Fahrzeug auf die gestrichelte Fläche am Boden vor den Metallstreben. Das löst einen lauten Piepton  aus. Ein Automat liest Stadlers Dauerkarte im Scheckkartenformat, die Passage ist sofort im Anschluss frei.

Zugang durchs extrabreite Drehkreuz

In Nullkommanix verschwindet die Berufstätige mit ihrem flotten Mountainbike durch ein extrabreites Drehkreuz in der Fahrradgarage. Auch den Rückweg demonstriert die freundliche Karlsruherin noch.

Anfangs hat Stadler das Angebot eine Zeit lang getestet. Das tun viele bei einem Tagesticketpreis von einem Euro. Kein Registrieren, keine Kennziffer: Das Verfahren ist extrem einfach, die Kosten sind dabei aber weit geringer als im Autoparkhaus.

Trotz Hunderter Garagenstellplätze für Fahrräder in nächster Nähe zu den Gleisen der Eisenbahn: An fast jeden Mast im Umfeld des Hauptbahnhofs sind Fahrräder angekettet. Würden die Besitzer mit diesen Hunderten von Drahteseln die Fahrradstationen ansteuern, wären deren Kapazitäten gesprengt. Der Bedarf wächst ständig, und zwar immer schneller als das Angebot.

Eine vergleichsweise geringe Zahl  abschließbarer, wasserfester, nicht einsehbarer Fahrradboxen mit und ohne Elektroanschluss am Albtalbahnhof sowie beim Bahnhof Durlach machen zahlenmäßig den Kohl nicht fett. Ihre Bedeutung besteht eher in der Ergänzung des Spektrums. Denn mehr Schutz vor Diebstahl und Vandalismus gibt es nicht.