Rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen ist wichtig, da sind sich Schulen und Nachhilfeinstitute einig. | Foto: dpa/Christian Charisius/Archiv

Nachfrage nach Nachhilfe hoch

Nur noch mit Nachhilfe ins Abi?

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Noch knapp ein Monat dauert es bis zu den ersten Abiturprüfungen in Baden-Württemberg. Auch für die Karlsruher Schüler geht die Vorbereitung nun in die heiße Phase und so mancher Abiturient will oder kann sich nicht allein auf die Vorbereitung in der Schule verlassen. Nachhilfekurse privater Anbieter haben jetzt Hochkonjunktur.

Ist die Abiturvorbereitung nicht Sache der Schulen?

Ist sie auch, findet Uwe Müller. Der geschäftsführende Schulleiter der Karlsruher Gymnasien ist überzeugt, dass Schüler die Abiturprüfungen auch ohne Nachhilfe gut meistern können – wenn sie früh genug und konsequent mit dem Lernen beginnen. Das sei faktisch mit dem Beginn der Oberstufe notwendig, so Müller, der am Max-Planck-Gymnasium selbst einen Leistungskurs in Geschichte unterrichtet. Eine Pflicht zur Nachhilfe sieht er nicht; seinen eigenen Schülern gebe er nicht einmal eine Empfehlung dazu. Aber Müller kennt auch die Realität der Schüler: Noch wenige Wochen vor dem Abitur werden Klausuren geschrieben oder andere Prüfungen abgelegt. Ein bisschen Verständnis kann sich da auch der Schulleiter abringen und weist das Bild der faulen Schüler deshalb entschieden zurück. Die Schule von heute verlange ein hohes Maß an Selbstständigkeit und die müsse man auch erst mal lernen. „Je organisierter ich bin, desto einfacher ist es am Ende. Viele Schüler fangen jedoch zu spät mit dem Lernen an. Aber hatten wir damals so viel mehr Selbstdisziplin?“

Mathe ist Nachhilfe-Spitzenreiter

Um den Schülern einen frühzeitigen Start in die Abiturvorbereitung zu ermöglichen, bietet die VHS bereits im Sommer des Vorjahres erste Vorbereitungskurse an. Die seien zwar nicht schlecht besucht, die Abi-„Crashkurse“ in den Osterferien seien aber definitiv voller, verrät Christina Schimmer-Fellendorf von der VHS Karlsruhe. Die Nachfrage sei so hoch, dass sie mitunter nicht mehr bedient werden könne, besonders beim Spitzenreiter Mathe. Einen Grund sieht die dreifache Mutter in den gestiegenen Anforderungen an die Schüler – besonders seit der Umstellung auf G8: „Der gleiche Stoff muss in kürzerer Zeit gelernt werden, da müssen Übungsphasen eben verkürzt werden oder fallen ganz weg.“ Die Abiturienten seien dennoch hochmotiviert.

Viele Schüler fangen einfach zu spät an

Das erlebt Christoph Roppel, Institutsleiter des AHA!-Nachhilfeinstituts, bisweilen anders. Er betreut drei Nachhilfeinstitute in und um Karlsruhe mit knapp 200 Schülern und etwa 20 Abiturienten. In 95 Prozent der Fälle seien die Eltern die treibende Kraft hinter der Entscheidung zur Nachhilfe. „Meiner Erfahrung nach werden die Eltern lange vor den Schülern nervös. Nur wenige kommen aus eigenem Antrieb“, so Roppel. Spätestens drei Monate vorher sei die Anspannung aber in jedem Fall spürbar. In seinem Institut gibt es keine Abitur-Vorbereitungskurse, das Lernen fürs Abi findet im Rahmen der Einzelnachhilfe statt. Er glaubt nicht, dass die öffentlichen Schulen hinter ihrer Pflicht zurückbleiben. Viel hinge auch von der persönlichen Reife eines Schülers ab, und wer erst ein halbes Jahr vorher anfängt zu lernen, bei dem gehe es ohne Nachhilfe eben nicht. Sein Tipp ist ganz einfach: Frühzeitig anfangen! „Das Abitur ist eine Phase. Die Noten aus zwei Jahren zählen in den Abitursschnitt hinein. Schüler sollten sich deshalb von Anfang an anstrengen.“