Im Austausch stehen beim Neujahrsempfang der Karlsruher SPD (von links) deren Vorsitzender Parsa Marvi, Oberbürgermeister Frank Mentrup, Stadträtin Yvette Melchien und Sozialbürgermeister Martin Lenz.
Im Austausch stehen beim Neujahrsempfang der Karlsruher SPD (von links) deren Vorsitzender Parsa Marvi, Oberbürgermeister Frank Mentrup, Stadträtin Yvette Melchien und Sozialbürgermeister Martin Lenz. | Foto: jodo

Vision 2030

OB Mentrup fordert: „Karlsruhe sollte sich die Offenheit bewahren“

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Frank Mentrup nutzt den Neujahrsempfang der Karlsruher SPD in Knielingen für ein entspanntes Warmlaufen im Wahlkampfjahr. Der Oberbürgermeister erklärt seinen Genossen, wie er sich das Leben in der Stadt in zehn Jahren vorstellt. Meist bleibt er vage. Überraschende Ideen sind nicht dabei. Doch zwischen den Zeilen findet sich durchaus das ein oder andere konkrete Ziel.

Immer wieder kommt er auf das SPD-Kernthema soziale Gerechtigkeit zu sprechen – die Formulierung selbst meidet er aber. Und auch die Bevölkerung nimmt er beim Blick in die Zukunft in der Pflicht.

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Rückblick: Rathauschef zwischen Zuhören und Verbinden

Bevor Mentrup seine angekündigten „Visionen für die Stadtentwicklung bis 2030“ präsentiert, wirft er erst einmal einen Blick zurück. Seine laufende Amtszeit habe er unter dem damaligen Wahlkampf-Motto „Zuhören, Verbinden, Gestalten“ angetreten.

„Ich bin heute irgendwo zwischen Zuhören und Verbinden angekommen. Ein bisschen Gestalten ist auch dabei“, bilanziert der Rathauschef. In einer möglichen zweiten Amtszeit möchte er diese Anteile verschieben und mehr Augenmerk auf das Gestalten legen.

Bis 2030 mehrere Tausend neue städtische Wohnungen

In seiner Wunschvorstellung für die Zukunft spielt dann aber vor allem das Verbinden und Vernetzen eine große Rolle. Mentrup schildert ein großes Gesamtbild, nur selten geht er ins Detail. Er skizziert eine Stadt, in der die Menschen untereinander besser verknüpft sind, in der Karlsruhe nationale unter internationale Verbindungen stärkt und in der die Zusammenarbeit von Kultur, Handel und Institutionen intensiver ist.

Bis 2030 ist die seit gut zehn Jahren unübersehbare Umgestaltung der städtischen Infrastruktur weitgehend abgeschlossen, ist der OB überzeugt. Konkret wird Mentrup für einen kurzen Moment, als er auf den angespannten Wohnungsmarkt zu sprechen kommt. Ziel sei, dass die städtische Volkswohnung bis 2030 ihren Bestand um einige Tausend Wohnungen steigere.

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OB nimmt die Menschen in die Pflicht

Verschiedene Themen schneidet Mentrup in seiner Rede kurz an: Kultur und Bildung, ein grünes und soziales Karlsruhe, eine stärkere Entwicklung der einzelnen Quartiere, zum Beispiel im Blick auf die lokale Grundversorgung, und die Internationalisierung der Stadt. Er wolle den Zugang zu vielen Angeboten wie dem ÖPNV erleichtern und allen Menschen gleichermaßen ermöglichen, betont er mehrfach.

Doch Mentrup nimmt dafür auch die Bevölkerung in die Pflicht. „Karlsruhe ging es immer gut, wenn man zugelassen hat, dass Menschen neue Sachen ausprobieren. Wenn Toleranz und Akzeptanz im Mittelpunkt standen. Diese Offenheit sollten wir uns bewahren“, fordert er.

Und auch für den Gemeinderat hat er eine Botschaft im Gepäck. Vom neuen Doppelhaushalt erhofft er sich mehr Geld für seine Stadtverwaltung: „Wir stehen in vielen Bereichen am Rand unserer Möglichkeiten.“ Daher stünde dieser Punkt gemeinsam mit dem Thema „Mehr tun fürs Klima“ für ihn im Zentrum der anstehenden Haushaltsdebatten.

Noch kein Wahlkampf-Auftakt

Als Agenda für den Wahlkampf will Mentrup seine beim „Heimspiel“ präsentierten Vorstellungen nicht verstanden wissen. Es sei weder der Ort noch der Zeitpunkt dafür, sagt er. Zunächst müsse er klären, ob er mit oder gegen die Grünen ins Rennen gehe. Ein wenig mehr Klarheit wird in dieser Frage der Mittwoch bringen. Dann ist Mentrup bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen zu Gast.