Da muss man schon nach Höherem streben: Der Kirschbaum auf dem Durlacher Spielplatz gibt seine reifen Früchte auch in rund zweieinhalb Metern Höhe nur widerwillig frei. Klettern auf eigene Gefahr!
Da muss man schon nach Höherem streben: Der Kirschbaum auf dem Durlacher Spielplatz gibt seine reifen Früchte auch in rund zweieinhalb Metern Höhe nur widerwillig frei. Klettern auf eigene Gefahr! | Foto: Jörg Donecker

Kostenloses Kirschenessen

Öffentliche Obstbäume in Karlsruhe sind erntereif

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Sommerzeit – Erntezeit! Und das mitten in der Stadt. Ja, auch in Karlsruhe gibt es Obstbäume. Und auf öffentlichen Flächen dürfen sie sogar geerntet werden – ein paar Handvoll jedenfalls sind noch im Einklang mit dem Gesetz.

Das Online-Portal Mundraub.org liefert Hinweise, wo und was gepflückt werden darf. Stichproben gefällig?

Zwischensaison beim Holunder in Neureut-Süd

Am Wegesrand der Straße „An der Wässerung“ soll es Holunder geben. Die Blütezeit ist gerade vorbei, die Früchte brauchen wohl noch bis Ende August, um reif und schmackhaft zu werden. Gleich springt ein Baum ins Auge, mit grünen Beeren – aber für Holunder zu groß und pelzig, wohl eher eine Linde. Heran käme man ohnehin nur nach einem Kampf mit dem Brombeerdickicht. Wer noch ein Stück weiter läuft, findet echte Holunderbäume, leider aber noch weiter von der Straße entfernt, hinter einem stattlichen Brennnesselfeld.

Reift die Felsenkirsche schon in Knielingen?

Weiter geht es zur Reinhold-Crocoll-Halle in Knielingen. Dort am Rande des Parkplatzes soll ein Geheimtipp zu finden sein: Die Felsenbirne, deren Frucht in Aussehen und Geschmack an die Heidelbeere erinnern soll und die Ende Juni reift. Ins Auge stechen zunächst nur die Ahornbäume mit ihren geflügelten Samen. Hinter der Halle reifen rote Früchte, die aussehen wie eine Kreuzung aus Kirsche und Pflaume. Soll man’s wagen, da reinzubeißen?

Der Test ergibt: Geschmack angenehm süß-säuerlich, ähnlich einer reifen Zwetschge. Und: Reporterin noch Tage später am Leben. Zurück auf dem Crocoll-Hallen-Parkplatz: Die Felsenbirne scheint rechter Hand, hinter den Wertstoffcontainern, doch recht zahlreich vertreten zu sein: Die Blätter zumindest halten einer laienhaften Online-Prüfung am Handy stand. Doch der Magen geht hier leer aus: Es sind keine Früchte zu erkennen, nicht einmal unreife – vielleicht sind die strauchartigen Bäume noch zu jung?

Superfood in der Nordweststadt

In der Verlängerung der Wilhelm-Hausenstein-Allee wird der Fleiß der Suchenden belohnt: Kaum zu übersehen, auch nicht für die Tauben und Krähen der Stadt, steht ein Maulbeerbaum am Rande eines Parkplatzes. Es ist eine helle Sorte, die ihre süßen Früchte schon in großer Zahl auf den Boden geworfen hat. Das Fallen der Früchte ist Beleg für die Reife der weiß bis hellrosa glänzenden Beeren, doch wer weiß, wie lange die da schon liegen?

Gratis-Superfood: In der Nordweststadt gibt es weiße Maulbeeren.
Gratis-Superfood: In der Nordweststadt gibt es weiße Maulbeeren. | Foto: Karin Stenftenagel

Wer Frische will, kann entweder warten, bis alle paar Minuten mit einem leisen „Plopp“ die nächste Beere herabfällt. Ein groß gewachsener Begleiter oder eine Leiter wären ebenfalls hilfreich. Ansonsten hilft nur klettern. Der kurze Ausflug in den Kindheitssport lohnt sich: Die Beeren, in Hipster- und Foodiekreisen als Superfood begehrt, schmecken köstlich im Müsli am nächsten Morgen. Höchste Zeit, denn die sensible Frucht verdirbt schnell.

Kletterpartie in Durlach

Neuer Tag, neues Glück: Diesmal geht es ganz gezielt auf Kirschenjagd. Ein grasbewachsener Spielplatz auf Höhe Carl-Hofer-/Ernst-Barlach-Straße in Durlach wartet. Am Rand dieser Spielwiese, hinter dem Kletterzelt steht er: Der Kirschbaum, der „gut zu beklettern“ sein soll. Der Online-Eintrag mag schon ein paar Jahre alt sein, denn der Stamm teilt sich erst in etwa zwei Metern Höhe. Aber mit Räuberleiter des Begleiters lässt sich der Baum erklimmen.

Leider sind die Früchte tragenden Äste dennoch zu weit entfernt. An diesem Baum hängen Kirschen in unterschiedlichen Stadien: leuchtend rote, aber noch unreife ebenso wie prall glänzende schwarze Früchte. In einigen ist sichtlich „der Wurm drin“, aber dagegen kann man ja was tun (siehe Kasten). An den Zweigen hängen auch viele schrumpelige Kirschen, die niemand rechtzeitig geerntet hat. Zugegeben, dafür wäre eine Profi-Ernteleiter nötig.

Wenn in der Kirsche der Wurm drin ist
Köstliche Kirschen treffen nicht nur bei Menschen und Vögeln auf Begeisterung. Oft finden sich in den Früchten auch kleine „Mitbewohner“ – und zwar in jeder siebten, wie BNN-Leserin Gerda Schneider von einer Nachbarin erfuhr. Wie man sich derer entledigt, weiß sie auch:
Die Mutter riet ihr, den Stiel zu entfernen und die Kirschen über Nacht in eine Schüssel mit Wasser zu legen. So sollen 95 Prozent der Würmer aus der Frucht gescheucht werden, die sich dann am Boden der Schüssel wiederfinden.
Ein älterer Mann habe erzählt, dass man in früheren Zeiten ebenfalls den Stiel der Kirschen entfernte und dann mit den Früchten im Fahrrad-Gepäckträger bis zu einer Stunde lang auf den holprigen Pflastersteinen durchs Dorf (in diesem Fall Durlach) fuhr und so die unbeliebten Untermieter herausschüttelte.

Süße Früchte wachsen in Hohenwettersbach

Auf dem nächsten Spielplatz – diesmal am „Rehbuckel“ in Hohenwettersbach – stehen zwei Kirschbäume, voller reifer Früchte. Der erste Baum ist wegen seiner zahlreich vertretenen pflanzlichen Nachbarschaft schwer zu erreichen. Der zweite, etwas größer zwar, aber in der Nähe einer Kletterburg: Das kann man mal versuchen. Mit den Füßen in den Kletterseilen hängend und einen Arm lang ausgestreckt, lassen sich ein paar der eher kleinen Kirschen pflücken. Sie schmecken säuerlich-süß und – wie im Internet beschrieben – äußerst köstlich!

Die Äste voller Kirschen hat einer der Bäume auf dem Spielplatz in Hohenwettersbach hängen.
Die Äste voller Kirschen hat einer der Bäume auf dem Spielplatz in Hohenwettersbach hängen. | Foto: Jörg Donecker

Jung und vielversprechend in der Waldstadt

Ein Grünstreifen neben dem Kindergarten Schnatterburg in der Waldstadt bereitet den Boden für zwei junge Kirschbäume, deren Äste ebenfalls voller dunkelrotem Steinobst hängen. Leider ohne Leiter zu hoch – aber vielleicht kommt ja jemand aus dem Kindergarten mal mit einer Leiter zum Ernten vorbei.

Diese Früchte wachsen (fast) überall in Karlsruhe

An vielen Stellen auf der Internet-Karte sind in Karlsruhe Brombeeren verzeichnet. Um sie zu finden, ist eine Landkarte gar nicht nötig – man muss nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen. Reif sind die dunklen Beeren allerdings noch nicht. Vielleicht im nächsten Monat.

„Mundraub“ im Netz
Die Karte unter www.mundraub.org zeigt an, wo Obstbäume, Sträucher, Kräuter oder Nussbäume auf öffentlichen Flächen zu finden sind und geerntet werden dürfen. Aber nur auf eigene Gefahr – bitte vorher auch die „Mundraub“-Regeln durchlesen!