Im Missbrauchsprozess gegen einen 44-Jährigen aus Schleswig-Holstein ist am Montag in Karlsruhe die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen worden. | Foto: Paul – stock.adobe.com

44-Jähriger vor Gericht

Öffentlichkeit bei Karlsruher Missbrauchsprozess teils ausgeschlossen

Im Missbrauchsprozess gegen einen 44-Jährigen aus Schleswig-Holstein ist am Montag in Karlsruhe die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen worden. Das Gericht kam damit einem Antrag der Verteidigung nach.

Sie hatte den Ausschluss beantragt, weil der Angeklagte in seiner Aussage persönliche Dinge wie sein Sexualleben erläutern wollte. Gegen den Schleswig-Holsteiner wird im Zusammenhang mit dem Missbrauchsprozess in Freiburg um den schwer missbrauchten Neunjährigen aus Staufen verhandelt (Az.: 1 Ks 260 Js 37672/17).

Mann wollte Neunjährigen missbrauchen

Der 44-Jährige soll im Darknet den 39 Jahre alten Lebensgefährten der Mutter des missbrauchten Jungen gefragt haben, ob er den Neunjährigen sexuell missbrauchen und danach töten dürfe. Dafür reiste er nach Karlsruhe, wo er im Oktober 2017 von Spezialkräften festgenommen wurde.

Deswegen muss sich der Angeklagte nun vor dem Landgericht der Fächerstadt wegen Sichbereiterklärens zum Mord, zum sexuellen Missbrauch von Kindern und zur Vergewaltigung sowie wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften verantworten.

Die Mutter des Neunjährigen und ihr Partner sollen den Jungen jahrelang missbraucht und über das Darknet anderen Männern angeboten haben. Sie stehen ebenfalls seit Montag in Freiburg als Hauptbeschuldigte vor Gericht.

Wann kann die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden?

Strafprozesse gegen Heranwachsende und Erwachsene sind grundsätzlich öffentlich. Es gibt jedoch immer die Möglichkeit, Zuhörer und Presse auszuschließen – etwa, wenn sehr persönliche Fragen erörtert werden, die schutzwürdige Interessen des Angeklagten, von Zeugen oder Opfern verletzen könnten. In der Praxis kommt das immer wieder vor, zum Beispiel bei Prozessen, in denen es um Sexualdelikte geht.

Einen Ausschluss können die am Prozess Beteiligten beantragen. Die Entscheidung trifft das Gericht. Wird die Öffentlichkeit während Prozessen um Straftaten wie Mord oder Vergewaltigung zeitweise ausgeschlossen, sind laut Gesetz auch die Plädoyers sowie das letzte Wort des Angeklagten vor dem Urteil zwingend nichtöffentlich. Die Urteilsverkündung ist aber immer öffentlich.

dpa/BNN