Im digitalen und im realen Raum bewegt sich das Lernspiel Economic Escape. Mit ihrem Entwurf überzeugten Joshua Hardock, Denis Gromut, Clarissa Maier und Jonas Debatin (von links) die Jury im Museum x.
Im digitalen und im realen Raum bewegt sich das Lernspiel Economic Escape. Mit ihrem Entwurf überzeugten Joshua Hardock, Denis Gromut, Clarissa Maier und Jonas Debatin (von links) die Jury im Museum x. | Foto: Jörg Donecker

Studenten als Spieleentwickler

Ökonomische Lernspiele im Museum: Ein Escape Room im Karlsruher Schloss

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Wie kann Wirtschaftslehre-Unterricht im Museum spannend und lehrreich gestaltet werden? Antworten auf diese Frage haben Lehramtsstudierende der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Form von ökonomischen Lernspielen erarbeitet. Da wird die Antiken-Ausstellung im Schloss schnell mal zum Escape Room.

Die Spiele sind Ergebnis des Projektseminars „Ökonomische Bildung in Museen“ unter Leitung der Professorin Claudia Wiepcke. Mit der Verbindung von digitalen und haptischen Elementen und dem am Escape Room angelehnten Spielprinzip überzeugte „Economic Escape“ die Jury bei der Präsentation im Museum x am meisten.

Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Schiffbrüchigen, die sich an einem Strand wiederfinden. Sie können sich an nichts erinnern und wissen nicht, wo sie sind. Einziger Hinweis ist ein Säckchen, in dem sich ein Rätsel befindet.

Die Ausstellung als Spielfeld

Gespielt wird sowohl digital auf einem E-Book-Reader oder dem eigenen Handy als auch vor Ort im Museumsraum: Weitere Rätsel-Säckchen fordern unter anderem dazu auf, bestimmte Objekte aus der Sammlung Antike Kulturen zu finden. Mit ihrer Hilfe lassen sich Rätsel lösen, um nach dem Escape-Room-Prinzip ans Ziel zu kommen. Wer an genug Zahlungsmittel – etwa Getreide oder Olivenöl – kommt, kann aus der antiken Welt die Heimreise ins moderne Karlsruhe antreten.

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„Wir wollten die gesamte Ausstellung als Spielfeld nehmen“, so Joshua Hardock. Die digitale Komponente integrierte die Gruppe aus einem einfachen Grund: „Auf Papier lesen sich die Schüler die Spielanleitung eher nicht durch. Auf dem Handy, bunt und animiert, aber schon.“ Außerdem war es der Gruppe wichtig, ein auf Kooperation basierendes Spiel zu entwickeln, da kooperatives Handeln in der heutigen Gesellschaft, aber auch für ein funktionierendes Handelssystem wichtig sei.

Schüler der Ernst-Reuter-Schule testen die Games

Nachdem am 22. Januar Schüler verschiedener Jahrgangsstufen der Ernst-Reuter-Schule die Spiele getestet hatten, bewertete am Mittwoch im Museum x eine fünfköpfige Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Badischen Landesmuseums (BLM) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe die Entwürfe. Die Kriterien: Spielinhalt, Bezug zum Museum, Spaß, Spannung, Spielmittel und Spieldesign sowie Präsentation.

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Die meisten Punkte erreichte am Ende Economic Escape. Doch auch die anderen Ideen fanden so großen Anklang bei der Jury, dass die Spiele zunächst in Händen des Landesmuseums bleiben und weiter getestet werden sollen. „Ihr seid alle Gewinner“, sagte Johannes Bernhardt vom Badischen Landesmuseum bei der Prämierung zu den Studierenden.

Spiele als Unterrichtseinheit im Museum

Ökonomische Prozesse und Zusammenhänge spielend erlernbar machen auch die Entwürfe der drei anderen Gruppen. Economia spielt in der Steinzeit: Die Spieler agieren als Dorfentwickler in Konkurrenz zu den Mitspielern. Das Szenario kombiniert Prinzipien aus verschiedenen bekannten Brett- und Kartenspielen. „Das ist sowas wie ,Die Siedler‘ auf Speed“, so Bernhardts Kommentar.

Das Brettspiel „Radvolution Baden“ beschäftigt sich mit der Entwicklung von Mobilität und Wirtschaft. Mit drei Fortbewegungsmitteln kommt man vom Start in Mannheim ans Ziel, den Bodensee. Nebenbei lernt man drei historische Persönlichkeiten kennen: Lokomotivbauer Emil Kessler, Auto-Pionier Carl Benz und Karl Drais, den Erfinder des Ur-Fahrrads.

Im antiken Rom gilt es, als Fischhändler bei schwankenden Wechselkursen reich zu werden. Das Kartenspiel trägt den passenden Titel „Goldrausch“ – in den kamen bei einer spontanen Spielrunde auch die angehenden Pädagogen.

Wer einen Eindruck von Economic Escape bekommen will, kann die digitale Komponente des Spiels im Internet unter http://lozira.de/EcoEsc aufrufen.