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Das Portal blitzer.de berichtet, dass es in Baden-Württemberg 2000 504 Blitzer gab, mittlerweile seien es landesweit 1.266. | Foto: dpa

Laut Online-Portal

Baden-Württemberg hat die meisten Blitzer

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Ein Instrument zugunsten von mehr Verkehrssicherheit? Oder doch eher ein Instrument zur Sanierung notleidender Gemeindekassen? Diese Alternative beherrscht die Diskussion um Tempomessgeräte – alltagssprachlich: Blitzer –, seit es sie gibt. Ihre Zahl wächst mit der Zahl der Autos.

Das Portal blitzer.de etwa berichtet, dass es in Baden-Württemberg 2000 504 solcher Blitzer gab, mittlerweile seien es landesweit 1.266. Diese Entwicklung lässt sich in der Region nachvollziehen. Die Stadt Karlsruhe etwa verfügte nach ihren eigenen Angaben 2012 über 15 stationäre Messanlagen, aktuell sind es schon 31.

Baden-Württemberg bundesweit Spitzenreiter in Sachen Blitzer

Dem Portal zufolge ist Baden-Württemberg Spitzenreiter, was die Anzahl der Blitzer anbetrifft. Gut ein Viertel aller bundesdeutschen Geräte dieser Art befinden sich demnach zwischen Mannheim und Konstanz. Ob die Blitzer nun tatsächlich der Mehrung der kommunalen Einnahmen dienen (können), hängt natürlich von der Zahl der Auslösungen ab – in jedem Fall kostet ein Blitzer zunächst einmal die Beschaffung an sich, sodann Versicherung, Wartung oder Eichung.

In Rheinstetten veranschlagt man diesbezüglich rund 120.000 Euro, wobei der Kauf freilich nur einmal zu Buche schlägt. Auch muss man bedenken, dass für die Blitzer Personal benötigt wird. Im Rheinstettener Ordnungsamt sind 1,3 Stellen für die Bußgeldstelle veranschlagt. Dort werden neben den jährlich 4.300 Blitzer-Ordnungswidrigkeiten auch die 10.000 Verstöße „betreut“, die die mobilen Messgeräte im Auftrag der Großen Kreisstadt aufgezeichnet haben.

ADAC: Blitzer sollen der Verkehrssicherheit dienen

Grundsätzlich positiv bewertet der ADAC das Thema „Blitzer“ – „solange er der Verkehrssicherheit dient“, wie Verkehrsreferent Thomas Hätty sagt. Kritisch bewertet er hingegen das verstärkte Aufkommen bei mobilen Messungen. Da gebe es beim ADAC durchaus Bedenken, dass diese nicht immer mit der Polizei abgesprochen würden. Beliebige Messungen finden nicht die Zustimmung des Automobilclubs. Wenn Städte und Gemeinden mobil messen, müsste dies auch unter dem Gesichtspunkt „Sicherheit“ und in Abstimmung mit den Behörden geschehen.

Der ADAC, so Hätty weiter, hält mehr Transparenz in dem Zusammenhang für geboten. Erreichen ließe sich diese beispielsweise durch öffentliche Ankündigung von Messaktionen. Hinsichtlich der stationären Anlagen könne man über Hinweisschilder nachdenken, wie es sie in anderen Ländern gebe.

Waghäusel

Die Große Kreisstadt Waghäusel betreibt zwei stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen. Eine befindet sich auf der L560 in der Nähe des Fernsehturms, die andere auf der L556/Ecke Beethovenstraße. Beide Geräte können in beide Richtungen messen. Im laufenden Jahr wurden bislang rund 13 600 Fälle erfasst, das entspricht einer durchschnittlichen Beanstandungsquote von 0,8 Prozent aller erfassten Fahrzeuge (etwa 1,7 Millionen). Die Einnahmen bis Ende Oktober beziffert die Stadt auf rund 414.000 Euro. Demgegenüber steht ein Aufwand von rund 220.000 Euro im Jahr. Oberbürgermeister Walter Heiler betont, dass beide Anlagen wesentlich zur Verkehrssicherheit beitrügen.

Ettlingen

Ettlingen hat insgesamt vier Geschwindigkeitsmessanlagen im Betrieb: Zwei mobile Anlagen und zwei stationäre Anlagen. Die stationären Anlagen wurden als kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen an der „Seehof“-Kreuzung errichtet, die über Jahre hinweg ein Unfallschwerpunkt war. Insbesondere waren hier Rotlichtfahrten und zu hohe Geschwindigkeiten ursächlich für teilweise schwere Unfälle. Seit der Errichtung der Messanlage sei der Kreuzungsbereich unauffällig, lässt die Stadtverwaltung wissen. Die Überschreitungsquoten seien sehr gering, weshalb sich der Blitzer unter finanziellen Aspekten auch nicht lohne. Allerdings volkswirtschaftlich betrachtet sei die Anlage von Wert, da sich kaum noch Unfälle ereignen. Am „Seehof“ seien 2017 rund 30.000 Euro an Bußgeldern zusammengekommen, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit.

Karlsruhe

In der Stadt Karlsruhe werden derzeit 31 stationäre Rotlicht- und Geschwindigkeitsmessanlagen (27 Blitzersäulen und vier Messkabinen) betrieben. Hinzu kommen sieben Messfahrzeuge mit drei verschiedenen Messtechniken zur mobilen Geschwindigkeitsmessung. Der Anstieg der Zahl der stationären Anlagen diene der Erhöhung der Verkehrssicherheit, schreibt die Stadt. Die stationären Anlagen wurden vor allem in Bereichen oder an Örtlichkeiten installiert, an denen es insbesondere aufgrund überhöhter Geschwindigkeit wiederholt zu schweren Verkehrsunfällen kam. Nach einer groben Auswertung wurden 2017 Einnahmen von 3,5 Millionen Euro aus den Überschreitungen erzielt, die von den stationären Anlagen gemessen wurden.

Bretten

Einen „berühmten“, weil weithin bekannten Blitzer betreibt die Stadt Bretten an der großen Kreuzung „Alexanderplatz“ im Zuge der B35. Ordnungsamtschef Simon Bolg sagt deutlich, dass es sich um eine bewährte Anlage zur Verkehrssicherung handele. Seit es sie gebe, habe es weder tödliche Unfälle noch solche mit Schwerverletzten gegeben. Die Anlage erfasst in beide Fahrtrichtungen Tempo- und Rotlichtsünder.

Rheinstetten

Ähnlich wie der Kollege in Bretten berichtet Ronald Daum von der Stadtverwaltung Rheinstetten. Seit es den Blitzer an der B36 auf Höhe der Neuen Messe gebe, hätten sich die Unfallzahlen dort deutlich reduziert. Rund 4.300-mal habe das Gerät 2017 ausgelöst, 2013 waren es 5 700 Vorfälle. Zu Anfang, 2008, habe die Zahl der Verstöße noch bei über 8.000 im Jahr gelegen. Es gebe demnach einen Gewöhnungseffekt. Daum macht deutlich, dass der ganz überwiegende Teil der Verstöße im unteren Bereich des Ordnungswidrigkeitenkataloges angesiedelt sei. Zu deutsch: „Strafzettel“ über 15, 20 oder 25 Euro, womit wegen des Aufwands bei der Abwicklung keine Reichtümer zu verdienen seien.

Bruchsal

Tempoüberwachung findet in Bruchsal an vielen Stellen statt: Büchenau, Helmsheim, innerstädtisch beim Justus-Knecht-Gymnasium und auch im Raum Unter-/Obergrombach.

… und sonst noch?

Neben den grauen Messsäulen mit den schwarzen Ringen halten sich in der Region noch verschiedene „Starenkästen“ – fast schon Museumsstücke der Tempoüberwachung, die dennoch etwa im Raum Bruchsal oder in den Karlsbader Ortsteilen ihren Dienst tun.

Warn-App

Die gibt es, um auf Handy oder Navi installiert zu werden. Allerdings verbietet die Straßenverkehrsordnung derlei. Allerdings gibt es Diskussionen um eine Änderung.