Die Open-Codes-Ausstellung im ZKM ist kostenlos. | Foto: Hora

Neues Konzept im ZKM

Open-Codes-Ausstellung lockt mit freiem Eintritt und kostenlosem Kaffee

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Die Open-Codes-Ausstellung ist für alle Besucher kostenlos. Jeder kann zu den Öffnungszeiten hereinspazieren und sich einen Kaffee aus dem Automaten gönnen – ebenfalls kostenlos. Oder sich einen Apfel aus einer der vielen Schalen greifen und verspeisen – auch das, ohne dafür zu bezahlen.

In der Open-Codes-Ausstellung im ZKM stehen an verschiedenen Stellen Kaffeeautomaten.
In der Open-Codes-Ausstellung wird der kostenlose Kaffee von den Besuchern gut angenommen. | Foto: Hora

Die Idee dazu hatte Peter Weibel, Chef des ZKM, der die Ausstellung vor allem als Bildungsort sieht und jedem Menschen ermöglichen möchte, etwas in der Ausstellung zu lernen. Seine Vision für diese besondere Art der Ausstellung stieß anfangs aber nicht nur auf Gegenliebe. „Ich stand vor dem Rätsel, dass wir mit freiem Eintritt weniger einnehmen und gleichzeitig Geld für Wasser, Kaffee und Äpfel ausgeben müssen“, erläutert Christiane Riedel, Geschäftsführerin des ZKM. Darum habe auch sie anfangs Bedenken dem Konzept gegenüber gehabt, dass sie als „Experiment“ bezeichnet. Mittlerweile zeigt sie sich aber begeistert von der Idee, die finanziert wird mit Sponsorengeldern, Partnern, Spenden und Mitteln des ZKM.

„Man macht damit Wissen und Inhalte attraktiv“, erklärt Riedel. Viele Besucher kämen mehrmals in die Ausstellung und setzten sich so intensiv mit den Exponaten auseinander. Zusätzlich können die Besucher in der Ausstellung Workshops besuchen, an einem der vielen Tische arbeiten oder sich auf den Sofas ausruhen. „Open-Codes“ bildet damit einen interaktiven Lernraum.

Da beim Lernen Weibel zufolge auch Pausen mit Snacks und Getränken notwendig sind, werden diese Nahrungsmittel in der Ausstellung angeboten. „Der Komfort, den man zu Hause hat, der ist das Minimum“, erklärt Weibel.

Ladestationen für Menschen und Maschinen

Menschen, die nur wegen des Gratiskaffees in die Ausstellung kommen, sieht Riedel dabei nicht als Problem. „Wenn sie hier sind, sehen sie, was möglich ist und kommen wieder“, erzählt sie. Aber nicht nur die Menschen können sich kostenlos in der Ausstellung stärken. „Mensch und Maschine können sich hier erfrischen – für Laptops und Handys haben wir überall Steckdosen“, so die Geschäftsführerin.

Christiane Riedel im BNN-Gespräch
Christiane Riedel, Geschäftsführerin des ZKM, sieht „Open Codes“ als Bildungseinrichtung, die durch kostenlosen Eintritt für alle Menschen attraktiv sein soll. | Foto: Hora

Angst um die Ausstellungsstücke hat Riedel nicht. Bisher sei auch tatsächlich noch nichts Schlimmes passiert, bis auf Kaffeebecher, die auf Sofas umkippten. „Aber dann rücken wir einfach mit der Reinigungsmaschine an“, erzählt sie.

Für zukünftige Ausstellungen mit wertvollen historischen Werken müsse aber nochmal diskutiert werden, auf welche Weise Teile des neuen Konzepts übernommen werden könnten, ohne die Sicherheit der Werke zu gefährden. Generell sieht sie dieses Konzept, vor allem das des freien Eintritts, auch für andere Ausstellungen als geeignet. Somit würden Museen noch mehr als Bildungseinrichtungen wahrgenommen werden, ähnlich wie beispielsweise Hochschulen.

Kostenfreier Kaffee schadet dem Bistro im ZKM nicht

Auch Katja Bock-Müller sieht das neue Modell positiv und nicht als Konkurrenz zu ihrem „mint bistro“ im Eingangsbereich des ZKM. Dort bietet die Pächterin Kaffee, Kuchen und Mahlzeiten an. „Bei Workshops in der Open-Codes-Ausstellung übernehmen wir das Catering und durch die verlängerten Öffnungszeiten am Donnerstag kommen auch noch abends Besucher zu uns“, berichtet sie.

Zwar verkaufe sie am Wochenende etwas weniger Heißgetränke als sonst, trotzdem sei es bei ihr im Bistro immer noch sehr voll. „Es wäre etwas anderes, wenn in der Ausstellung ein Café mit einem ähnlichen Angebot öffnen würde“, erklärt sie. So ziehe die kostenlose Ausstellung in der Summe mehr Menschen an, was für ihr Bistro gut sei.

Katja Bock-Müller im BNN-Gespräch
Katja Bock-Müller, Pächterin des mint bistro im ZKM, sieht das neue Konzept positiv. | Foto: Hora

Dass das neue Konzept des ZKM bei den Besuchern gut ankommt, zeigt die Spendenbox am Eingang. „Es ist mehr, als wir erwartet haben“, erzählt Christiane Riedel. Zwar könne man nicht richtig berechnen, ob es mehr oder weniger sei als wenn die Besucher Eintritt zahlen müssten. Schließlich würden viele Leute durch den kostenlosen Eintritt mehrmals kommen. 50- und 20-Euro-Scheine in der Spendenbox zeigen aber, dass die Ausstellung von den Gästen wertgeschätzt wird.