Begehrte Goldjungen: Diese Oscar-Statuen werden den roten Teppich säumen, der zur Preisverleihung führt. | Foto: dpa

Oscar-Countdown für Maren Ade

Ab 13.30 Uhr Ortszeit wird’s ernst

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Wenn jetzt am Sonntag hierzulande der „Tatort“-Abspann läuft, wird sich Maren Ade in Los Angeles wohl allmählich aufbruchsbereit machen. Dort ist es dann gerade kurz vor ein Uhr mittags. Und auch wenn die Oscar-Gala erst am frühen Abend beginnt, wird das „Toni Erdmann“-Team bereits um 13.30 Uhr abgeholt. Dann geht es erst in die Maske und die Garderobe – und dann irgendwann zum roten Teppich. „Dort herrscht ab 15 Uhr Limousinenstau, schon allein wegen der Sicherheitsvorkehrungen“, weiß Janine Jackowski. Die Produzentin von Maren Ades Erfolgsfilm ist bereits seit vergangenem Sonntag in Los Angeles, um alle Vorbereitungen für den großen Abend zu treffen.

Das Team von "Toni Erdmann" im Januar bei den Golden Globes: Produzent Jonas Dornbach, Peter Simonischek, Sandra Hüller, Maren Ade und Produzentin Janine Jackowski.
Das Team von „Toni Erdmann“ im Januar bei den Golden Globes: Produzent Jonas Dornbach, Peter Simonischek, Sandra Hüller, Maren Ade und Produzentin Janine Jackowski. | Foto: dpa

Gala krönt einen Marathon

Wobei die Oscar-Gala keineswegs der einzige große Termin ist, sondern eher einen Marathon krönt: Am heutigen Samstag gibt es um 9 Uhr Ortszeit einen offiziellen Termin mit den für den Auslands-Oscar nominierten Filmemachern. Um „High Noon“ geht es weiter zum Empfang von „German Films“ in der Villa Aurora, wo einst Lion Feuchtwanger im Exil lebte – 2012 schrieb Ade dort während eines dreimonatigen Stipendiums am Drehbuch zu „Toni Erdmann“ schrieb.

Am Nachmittag stehen dann die „Spirit Awards“ auf dem Programm. „Die gelten als ’,Independent Oscars’“, erklärt Janine Jackowski im Telefoninterview mit den BNN. Und abends ist ein Dinner angesetzt bei Sony Classics, dem US-Verleih von „Toni Erdmann“, der mit Isabelle Huppert auch eine Künstlerin im Rennen um den Oscar für die beste Hauptdarstellerin hat. Immerhin kann der betreffende Film, „Elle“ von Paul Verhoeven, der bei den Golden Globes im Januar noch die Nase vorn hatte, „Toni Erdmann“ den Auslands-Oscar nicht streitig machen – er hat es nicht auf die Shortlist geschafft.

Starke Konkurrenz aus dem Iran

Dort stehen neben „Toni Erdmann“ noch die Filme „Tanna“ (Australien) „Unter dem Sand“ (Dänemark), „Ein Mann namens Ove“ (Schweden) – und „The Salesman“ aus dem Iran. Das Drama von Regisseur Asghar Farhadi, der bereits 2012 für „Nader und Simin – Eine Trennung“ den Auslands-Oscar erhalten hat, gilt als stärkster Konkurrent. Dass Farhadi und sein Team aufgrund von Trumps Einreisestopp-Dekret ihre Teilnahme abgesagt haben, gilt angesichts der politisch aufgeheizten Stimmung in Hollywood als Aspekt, der den Ausschlag zugunsten von „The Salesman“ geben könnte.

Vorbereitungen laufen seit September

Allerdings umfasst die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, die den berühmtesten Filmpreis der Welt vergibt, über 6 600 stimmberechtigte Mitglieder. Und der Wettlauf um die Stimmen hat schon lange vor der US-Wahl begonnen. Im Prinzip befinde man sich seit Anfang September im Oscar-Modus, sagt Jackowski: „Auch der Besuch großer Festivals wie in Toronto oder New York gehört zu Vorbereitung für die ,Award Season’. Dort trifft man die einflussreichen Leute.“

„Maren Ade hätte sich zehnteilen können“

Hinzu kamen zahlreiche Termine für reguläre Kinostarts – immerhin ist der Film in 100 Länder verkauft worden. Da die Firma „Komplizen Film“ familiär arbeitet, habe man bei weitem nicht alles machen können, was der Markt hergegeben hätte. „Maren Ade hätte sich schon angesichts der Anfragen von Festivals zehnteilen können“, sagt Jackowski – was auch erklärt, warum die Regisseurin und Drehbuchautorin, die alle ihre Filme in Karlsruhe persönlich vorstellte und den BNN zum Kinostart von „Toni Erdmann“ ein ausführliches Interview gab (siehe Video-Ausschnitt), derzeit für Anfragen nicht erreichbar ist.