Geduld und Fingerfertigkeit: Bis zu fünf Stunden arbeitet Patrik Benesch an einer Uhr. Für die Kunden haben die oft einen ideellen Wert.
Geduld und Fingerfertigkeit: Bis zu fünf Stunden arbeitet Patrik Benesch an einer Uhr. Für die Kunden haben die oft einen ideellen Wert. | Foto: Sandbiller

Tradition in der Gegenwart

Patrik Bensch repariert in vierter Generation Uhren in Karlsruhe

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Handwerk hat goldenen Boden – doch so mancher Berufsstand ist heute selten geworden. Zum Tag des Handwerks am 21. September hat BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey Vertreter traditionsreicher Handwerkszünfte in Karlsruhe getroffen. Einer von ihnen ist Uhrmachermeister Patrik Benesch.

Als Kind habe er sich nicht vorstellen können, dem Vater einmal ins Uhrmacherhandwerk zu folgen, erzählt Patrik Benesch. Aber: „Man wächst in die Tradition hinein.“ Und so führt er heute in vierter Generation Karlsruhes ältestes Uhrenfachgeschäft.

Gegründet wurde es von seinem Urgroßvater Franz Benesch, seit 1899 besteht der Laden – mit einer Unterbrechung: Nach dem frühen Tod des Vaters 1991 schloss Patrik Benesch den Laden und betrieb nur neben seiner Anstellung bei Swatch eine Uhrmachermeister-Werkstatt. 2012 ließ er den Familienbetrieb wieder aufleben, erst in Rastatt und später in Durlach.

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Bis zu fünf Stunden Arbeit für eine Uhr

In seiner kleinen Werkstatt sind die Geräusche der Uhren Beneschs ständige Begleiter. „Das Ticken ist wie Musik in meinen Ohren“, sagt er und lässt seinen Blick über die zahllosen Wanduhren in seinem Laden schweifen. Mittags um 12 Uhr beginne hier das Konzert, verrät er lachend.

Er selbst trägt natürlich auch eine Armbanduhr, besitzt sogar mehrere Modelle. Nur im Urlaub trage er keinen Zeitmesser. Mittlerweile könne er die Zeit aber auch gut ohne abschätzen. Zwischen 30 Minuten und fünf Stunden kann eine Uhrenreparatur dauern.

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Uhren gehen mit der Mode

Benesch weiß, dass viele Uhren einen ideellen Wert haben, der über den tatsächlichen hinausgeht. Uhren werden auch heute noch gerne zu besonderen Anlässen verschenkt, sagt er, beispielsweise zu Weihnachten oder bei bestandenen Prüfungen, oder sie werden an die nächste Generation weitervererbt. In gewisser Weise bedeuten sie Tradition und müssen daher auch gar nicht teuer sein, so der Uhrmacher.

Aber ist die klassische Armbanduhr in Zeiten von omnipräsenten Smartphones nicht aus der Mode kommen? „Uhren gehen auch mit der Mode und sind Accessoires geworden. Und es ist doch viel angenehmer, schnell einen Blick aufs Handgelenk zu werfen, statt erst das Handy aus der Hosentasche kramen zu müssen.“

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Uhren werden nicht eingeschickt

Auch alte Wand- oder Standuhren erfreuten sich als schickes Wohnaccessoire heute neuer Beliebtheit, das gelte ebenso bei jungen Leuten. Nach Einführung des Quarz-Werks in den 1970ern fürchtete so mancher, die Uhrmacher könnten überflüssig werden. Inzwischen aber sei die Nachfrage nach professioneller Wartung wieder hoch.

Bei den Kunden komme besonders gut an, dass Benesch die Uhren nicht einschicken muss. „Auf dem Postweg kann ja immer mal was passieren“, meint er. Gerade bei teureren Stücken sei das eine Vertrauenssache.

Geduld ist wichtig

Regelmäßig beschäftigt Benesch Praktikanten. Im Januar 2020 plant er den Umzug von der Ochsentorstraße in die Pfinztalstraße, danach möchte er auch ausbilden. „Um Uhrmacher zu werden, braucht man Fingerfertigkeit, ein gutes Auge und eine ruhige Hand“, erklärt er. Das wichtigste aber sei Geduld – die einzige Eigenschaft, die man wirklich mitbringen müsse. Alles andere könne man sich antrainieren.

Fragt man Patrik Benesch, ist die Uhrmacherei kein aussterbendes Handwerk. Für seinen Familienbetrieb könnte jedoch irgendwann Schluss sein: Benesch selbst ist kinderlos. Er hofft auf einen Käufer, der den Laden weiterführt.

Bisher erschienen im Rahmen der Serie: Maßschneiderin Kerstin Brandt fühlt sich in Karlsruhe endlich angekommen