"In diesen Etagen der Muff von 1.000 Tagen": Studierende haben Protestplakate gegen den Umgang mit PCB am KIT-Campus aufgehängt.
"In diesen Etagen der Muff von 1.000 Tagen": Studierende haben Protestplakate gegen den Umgang mit PCB am KIT-Campus aufgehängt. | Foto: pr

Karlsruhe

PCB am KIT: Studierende hängen Protestplakate auf

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Die Vorlesung wurde eine halbe Stunde vor dem Ende abgebrochen. Der Presslufthammer, der einen Stock unter dem Vorlesungssaal eine Wand durchbrechen sollte, war zu laut, die Studierenden konnten den Professor nicht mehr verstehen. So beschreibt ein 24-jähriger Student der Wirtschaftswissenschaften (Name der Redaktion bekannt) die Bedingungen in den Räumlichkeiten am Karlsruher Kronenplatz. In diese musste die KIT-Fakultät umziehen, weil ihre eigentlichen Gebäude am Schloss mit dem Gefahrenstoff PCB belastet und seit August 2016 geschlossen sind (bnn.de berichtete).

In der Nacht auf Donnerstag brachten die Studierenden ihren Unmut mit einer Plakataktion zum Ausdruck. Acht Beteiligte der Interessensgruppe befestigten Spruchbänder („1.000 Tage diskutiert – 1.000 Tage nix passiert“).

Es muss schnell gehandelt werden

In einem Schreiben wendet sich die Gruppe an die BNN: „Es muss schnell gehandelt werden, Geld zur Verfügung gestellt werden und unbürokratische, realitätsnahe Lösungen für die KIT-weite PCB-Problematik gefunden werden. Das ist nicht weiter tragbar. Tut endlich was!“ Die Gruppe möchte anonym bleiben, wie ein Teilnehmer gegenüber dieser Zeitung betont: „Weil wir sehr auf die Kooperation mit allen Uni-Gremien angewiesen sind. Die Verwaltung sitzt am längeren Hebel.“

An der KIT-Fakultät für Wirtschaftswissenschaften gibt es nach Uni-Angaben etwa 3.600 Studierende. Neben Vorlesungen fernab des Campus stören sich diese auch über die wegen der PCB-Problematik in die Weststadt verlagerte Bibliothek oder gänzlich weggefallene Lernräume.

„Das entspricht nicht dem Bild einer Campus-Uni“, moniert der Teilnehmer. Nach und nach sei die Idee gereift, etwa 1 .000 Tage nach der Schließung der Gebäude ein Zeichen zu setzen. „Es ist eine sehr symbolische Marke, um zu sagen: Jetzt reicht es. Wie lange sollen wir noch warten?“ Vor allem die Landesregierung sei am Zug.

 

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PCB-Streit: Petition am KIT

Wie bnn.de berichtete, sind neben den vier Gebäuden, die im August 2016 geräumt wurden, acht weitere betroffen. Die polychlorierten Biphenyle (PCB) stehen in Verdacht, krebserregend zu sein. KIT-Mitarbeiter haben nach der Berichterstattung der BNN eine Petition gestartet und fordern einen besseren Gesundheitsschutz. „Wenn man längere Zeit in einem der Gebäude verbracht hat, macht man sich natürlich Gedanken“, sagt der Teilnehmer aus der Protestgruppe.

Unter Studierenden gebe es aber weniger die Sorge um die eigene Gesundheit denn Ärger um den Verlust der Gebäude. „Die Identität mit der Fakultät ist jetzt zerschlagen und man muss von A nach B hetzen.“ Gespannt wartet die Gruppe nun auf Reaktionen auf die Plakate. „Das war erst mal der Auftakt.“ Gebe es keine oder kaum Resonanz, „sind wir bereit uns weitere Sachen zu überlegen“.