VIDEO-AUFZEICHNUNGEN der Interaktion von Studenten und Schülern sind Teil des Projekts, das die Ausbildung angehender Lehrer verbessern soll. | Foto: dpa

Projekt zur Lehrerausbildung

Perspektive macht bei MoSAiK den Unterschied

Die Schule – sie ist seit Jahren ein Versuchslabor, das auch den gesellschaftlichen Wandel abbildet. Eltern können zwischen neuen Schultypen wählen, die Klassen sind durch unterschiedliche soziale, sprachliche und kulturelle Prägungen der Schüler heterogener geworden. Hinzu kommen neue Ansätze wie die Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern.
Vieles ist im Fluss und mittendrin stehen die Lehrer, die ihre Schüler über alle Untiefen hinweg ans rettende Ufer bringen sollen. Da wäre es gut, wenn sie optimal auf ihren Beruf vorbereitet würden. Aber was ist optimal, wenn sich ständig etwas ändert? Ein Antwort auf diese Frage sucht die Universität Koblenz-Landau in einem Projekt, an dem an beiden Uni-Standorten 60 Mitarbeiter in 17 Teilprojekten arbeiten.

Uni Landau sucht neue Wege in der Lehrerausbildung

Der Titel ist mehr als sperrig: „Modulare Schulpraxiseinbindung als Ausgangspunkt zur individuellen Kompetenzentwicklung“. Das liest sich in der Kurzform „MoSAiK“ leichter und Alexander Kauertz kann das Wortungetüm in anschauliche Sätze kleiden. „Das Projekt soll die Theorie und die Praxis in der Lehrerausbildung stärker miteinander verknüpfen,“ nennt der geschäftsführende Leiter des Zentrums für Lehrerbildung die verbindende Idee hinter den vier Schwerpunkten von MoSAiK: Lehr- und Lernprozesse sollen gestaltet und analysiert, mit Heterogenität und Inklusion professionell umgegangen werden. Die Lehrkräfte sollen untereinander besser kooperieren und die erste und zweite Phase der Lehrerausbildung an Uni und im Referendariat sollen effektiver miteinander verknüpft werden.

Theorie und Praxis sollen besser verknüpft werden

Kauertz konkretisiert das sehr komplexe Projekt an einem Beispiel. Im Zentrum stehen sogenannte „Anforderungssituationen“, die in der Regel in Lehr-/Lernlaboren, Lernwerkstätten oder auch außerschulischen Lernorten entstehen und auf Video aufgenommen werden. In diesem Fall geht es um eine Situation im Mathematik-Labor der Uni Landau. Dort werden Schüler von Studenten betreut. Eine Aufgabe in Geometrie muss gelöst werden, die Interaktion von Studenten und Schülern wird gefilmt. Eine solche Anforderungssituation wird dann aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. „Man kann zum Beispiel eine fachliche Betrachtung anstellen, welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Man kann aber auch fragen, wie man den Lernstand der Schüler beurteilen kann. Oder man sieht sich die Studierenden an und hinterfragt, wann eine Hilfestellung für die Schüler nötig ist und wann nicht“. Ein und dieselbe Situation könne so mit ganz unterschiedlichen fachlichen, fachdidaktischen oder allgemein-pädagogischen Theorien verknüpft und damit Grundlage mehrerer Lehrveranstaltungen werden.

MoSAiK: Ein Datenpool mit praxisnahen Anforderungssituationen

Punktuell habe es eine solche Vorgehensweise auch bisher schon gegeben, „doch jetzt erzeugen wir einen riesigen Datenpool mit solchen praxisnahen Anforderungssituationen“, erläutert Kauertz ein wichtiges Ziel von MoSAiK.
Hilfreich kann das auch sein, wenn es darum geht, Studenten in heterogenen oder inklusiven Klassen dazu zu befähigen, kreative Lösungen für Unterrichtssituationen zu finden. „Dazu müssen sie viel wissen“, sagt Kauertz – und meint dabei durchaus auch den jeweiligen fachwissenschaftlichen Hintergrund.
Ganz generell sei MoSAiK ohnehin kein reines Lehr-, sondern vor allem ein Wissenschaftsprojekt. Es ist Teil der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und wird bis Mitte 2019 mit 5,8 Millionen Euro gefördert.