Christkönig
Die Wahl der Pfarrgemeinderäte beschäftigt derzeit viele Karlsruher Katholiken. In der Seelsorgeeinheit Durlach-Bergdörfer engagieren sich dafür Georg Umstädter (links) und Alexander Belle. | Foto: jodo

Briefwahlantrag bis Mittwoch

Pfarrgemeinderatswahlen bei Karlsruher Katholiken stellen Weichen für neue Strukturen

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Mehr als 90.000 Karlsruher Katholiken üben sich derzeit in Geduld – nicht nur wegen Einschränkungen durch die coronabedingte Kontaktsperre. Sie müssen auch länger als geplant abwarten, wer in den nächsten fünf Jahren in ihren Kirchengemeinden zum Beispiel über den Verzicht auf Immobilien oder neue Projekte mitbestimmt.

Welche Frauen und Männer in diesen Fragen Weichen stellen, entscheidet sich in den aktuell laufenden Pfarrgemeinderatswahlen. Das Verfahren ist zum Schutz vor Infektionen komplett auf Briefwahl und Online-Votum umgestellt und läuft zudem der besonderen Umstände wegen bis Sonntag, 5. April 2020.

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Pfarrgemeinderatswahlen waren vor Corona schon im Endspurt

Die Entscheidung des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger fiel in den Endspurt. Eigentlich sollte am 22. März 2020 überall im Erzbistum Freiburg alles klar sein. Das Dekanat Karlsruhe mit je sechs Seelsorgeeinheiten im Stadtgebiet und im Umland ist das größte Dekanat im Erzbistum. Ihm gehören gut 130.000 Gläubige an.

Rund 40.000 davon leben laut Dekan Hubert Streckert in Gemeinden des Landkreises, von Leopoldshafen im Nordwesten bis Malsch im Süden und Marxzell im Osten.

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Es wird sich eine einzige Pfarrei Karlsruhe bilden

Die jetzt zu bestimmenden Gremiumsmitglieder werden einen enormen Umbauprozess gestalten und begleiten. Denn in absehbarer Zeit wird sich eine einzige katholische Pfarrei Karlsruhe bilden.

Die Seelsorgeeinheit Durlach-Bergdörfer ist nach Allerheiligen mit Karlsruhes katholischer Stadtkirche St. Stephan, dem Dekanatszentrum, fast allen nördlichen und westlichen Stadtteilen sowie der Südstadt die zweitgrößte Seelsorgeeinheit der Karlsruher Katholiken.

Im Osten der Stadt fasst die Seelsorgeeinheit Durlach, historisch die „Mutter Karlsruhes“ und heute der einwohnerstärkste Stadtteil, zusammen mit Aue, Grötzingen, Stupferich und Grünwettersbach. Damit ist sie ein Musterbeispiel dafür, welche unterschiedlichen Traditionen, Besitztümer, wirtschaftlichen und sozialen Milieus die Karlsruher Pfarrgemeinderäte schon jetzt unter einen Hut bringen müssen.

Dass ihre sinkende Zahl die Gläubigen zu weiterer Fusion zwingt, macht die Aufgaben nicht einfacher.

Kita
Die Architektur der katholischen Kindertagesstätte St. Johannes in Durlach-Aue ist ungewöhnlich. Das soziale Engagement der Kirchengemeinde vor Ort dagegen ist typisch. | Foto: jodo

In Durlach-Aue zum Beispiel liegt der Schwerpunkt auf sozialem Engagement. Eben erst hat die Kirchengemeinde in eine wichtige Kindertagesstätte investiert, mit breit gefächertem Betreuungsangebot und anspruchsvoller Architektur direkt am Jugendtreff. Der wiederum ist eine wichtige Anlaufstelle für junge Leute in der Nachbarschaft zu Mehrfamilienhäusern mit teils sozial schwächer gestellten Mietern.

In der Gemeinde St. Peter und Paul mit Durlachs katholischer Stadtkirche und dem Christkönighaus sieht die Welt ganz anders aus, und wieder anders gestaltet sich das katholische Gemeindeleben im dörflicher strukturierten Stupferich, in Grötzingen oder Grünwettersbach.

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Die Briefwahl läuft schon gut, eine Kandidatenliste ist aber leer

20 Plätze in fünf Stimmbezirken sind in der Seelsorgeeinheit im Osten zu vergeben. 18 Frauen und Männer kandidieren dort, Ergänzungen der Namensliste von Hand sind möglich und bewirken auch regelmäßig zusätzliche Mandatsvergaben. Für Stimmbezirk drei, Johannes Baptista Aue, ist die Kandidatenliste allerdings leer.

Knapp 15.000 Katholiken geht das Wahlergebnis an, das als Wahlvorstand Georg Umstädter mit ermittelt. Rund 70 Prozent seien stimmberechtigt, alle ab 16 Jahren – das sind mehr als 10.000 Gläubige. „Die Briefwahl ist schon vor der Verlängerung der Frist gut gelaufen“, berichtet Umstädter.

Wir müssen richtig zusammenwachsen.

Alexander Belle, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Durlach-Bergdörfer

„Die nächsten zehn bis 15 Jahre werden kein Selbstläufer“, unterstreicht Alexander Belle, gegenwärtig Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Durlach-Bergdörfer, wie Umstädter aus der Heiligkreuz-Gemeinde Grötzingen. „Wir müssen richtig zusammenwachsen“, sagt Belle.

Die Pastoral 2030 ist die Maßgabe. „Welche Gebäude, welche Räume hat man dann noch?“ Das ist eine bange Frage. Die nun zu Wählenden müssen sie beantworten. „Das ist sicher begleitet von Zähneknirschen“, ahnt Belle. „Eine Vollausstattung mit Gemeindehaus, Kirche und Gruppenräumen in allen alten Gemeinden wird es nicht mehr geben.“

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Jahresetat liegt bei 1,1 Millionen Euro

Seit Jahrzehnten steuert die Durlacherin Monika König-Würtz im Pfarrgemeinderat ehrenamtlich unterhalb der Dekanatsebene das Gemeindeleben mit. Die Seelsorgeeinheit Durlach-Bergdörfer bewegt inzwischen immerhin einen Jahresetat von 1,1 Millionen Euro.

Durch das Familienzentrum Christkönig zum Beispiel kommen nennenswerte Summen zusammen, erklärt die engagierte Katholikin. Sie beschreibt ihre Sicht so: „Je größer die Strukturen werden, desto mehr kommt es darauf an, was in jedem einzelnen Bereich läuft.“

Service
Briefwahlunterlagen können Karlsruhes Katholiken bis einschließlich Mittwoch, 1. April 2020, zu den üblichen Zeiten in ihrem Pfarrbüro per Telefon beantragen. Spätestens Sonntag, 5. April 2020, 12 Uhr, müssen die Briefwahlscheine im Briefkasten des jeweiligen Pfarrbüros liegen. Online ist die Stimmabgabe bis Freitag, 3. April 2020, 18 Uhr, möglich. Unterstützung organisieren die Pfarrbüros auf telefonische Anfrage.