Gründerin im Containerdorf: „In so einen würden wahnsinnig viele FlipPens reinpassen“, sagt Kim Eisenmann. Ihr Produkt geht demnächst in Serienproduktion – und eine ergänzende Geschäftsidee hat die 24-Jährige auch schon.
Gründerin im Containerdorf: „In so einen würden wahnsinnig viele FlipPens reinpassen“, sagt Kim Eisenmann. Ihr Produkt geht demnächst in Serienproduktion – und eine ergänzende Geschäftsidee hat die 24-Jährige auch schon. | Foto: Jörg Donecker

Erfinderin Kim Eisenmann

Pferdemädchen mit dem gewissen „Flip“

In der Gründersendung „Start up!“ wird sie von Unternehmer Carsten Maschmeyer schon mal „FlipKim“ oder „Simsalabim-Gründerin Kim“ genannt. In Karlsruhe reicht ganz einfach Kim – so stellt sie sich beim Treffen im Gründerzentrum Perfekt Futur ganz ungezwungen vor.

Die 24-Jährige kommt aus Geislingen an der Steige, in Karlsruhe hat sie Wirtschaftsingenieurwesen studiert, ihren heutigen Lebens- und Geschäftspartner kennengelernt – und mit ihm den FlipPen (eine Kombination aus Stift, Konzentrationsspielzeug und USB-Stick) erfunden.

Während die Sendung wegen sinkender Einschaltquoten schon nach der Ausstrahlung der dritten Folge – inklusive Twitter-Shitstorm – zu floppen droht, bringt „FlipKim“ ihr Unternehmen in Gang. Sie schaut auf ihre Armbanduhr und sagt: „In zwei Tagen kommen die ersten serienfertigen FlipPen aus unserer Produktionsstätte. Dann werden wir am Tag 10 000 Stück produzieren.“ Wie groß der Einfluss der Maschmeyer-Sendung auf diese Entwicklung ist, verrät sie noch nicht, um den kommenden Ausstrahlungen nicht vorzugreifen.

Das nächste Produkt zum FlipPen ist schon geplant

Jedenfalls fliege sie demnächst nach Hongkong auf eine Order-Messe, wo Einkäufer internationaler Konzerne nach neuen Produkten Ausschau halten. Ihren FlipPen will sie nach Dubai und in die USA verkaufen. Im Herbst will sie schon ihr nächstes Produkt angehen: Eine Augmented-Reality-App nach dem Vorbild von „Pokémon Go“ – mit dem FlipPen als Controller.

Schon seit der achten Klasse habe sie gewusst, dass sie einmal ihr eigenes Unternehmen haben wolle, erzählt Kim Eisenmann fröhlich, die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. Nach dem Abi bewarb sie sich am KIT für Wirtschaftsingenieurwesen. „Ich habe genau die eine Bewerbung geschickt und mir gesagt: Wenn es klappt, gut, wenn nicht, gehe ich erst mal auf Reisen.“

Es hat geklappt. Im Masterstudium spezialisierte sie sich auf Patentwesen und Entrepreneurship – denn sie wollte ja gründen. So konnte sie das Patent für ihren FlipPen gleich selbst schreiben – was ihr die Kosten für einen Anwalt gespart habe.

Nicht quatschen, sondern machen

In der Karlsruher Gründerszene ist sie nicht besonders stark vernetzt, sagt sie. „Ich bin mehr so der Typ: nicht quatschen, sondern machen“, erklärt sie in ihrem sympathischen Schwäbisch. Sie gehe eher gezielt auf Leute zu, als nur um des Netzwerkens Willen auf Veranstaltungen zu gehen. Und machen kann sie so einiges: Autoreifen wechseln zum Beispiel. Oder Fallschirmspringen: Ihren ersten Tandemsprung machte sie schon als Teenie mit ihrem Vater.

Auf Reisen ist sie zum Ende ihres Studiums dann aber noch gegangen: Erstes Ziel war Bali, wo sie eigentlich länger bleiben wollte. Nach wenigen Tagen, an denen sie sich zwischen den surfenden Kommilitonen langweilte, zog sie weiter. Beim nächsten Anruf zuhause bei den Eltern stand sie in Flipflops auf einem Vulkan der Insel Java. Eine Woche später rief sie aus Neuseeland an, wo sie auf einer Ranch mit halbwilden Pferden arbeitete.

„Aus Versehen“ ein Springpferd gekauft

Zurück zu Hause hat sie sich dann auch ein Springpferd gekauft – „aus Versehen“, sagt sie, denn eigentlich habe sie unbedingt ein kleineres, rothaariges Pony haben wollen. Nun besitzt sie eine große Schimmelstute. „Ich sehe mich nicht als Reiterin, sondern mehr als Pferdemädchen“, sagt Kim Eisenmann. Das Tier sei ihr als „unreitbar“ verkauft worden, ein so genanntes Korrekturpferd. Daran arbeitet sie nun mit der Stute, sich um sie zu kümmern sei ihr großes Hobby. „Das erdet mich.“

Ob sie in Karlsruhe bleiben wird, kann sie noch nicht sagen. Auch das Berufsbild der Unternehmerin ist nicht zwingend ihr Plan fürs ganze Leben. „Ich mache das, solange ich Spaß daran habe. Wenn es irgendwann nichts mehr für mich ist, mache ich etwas Anderes.“