Auch in Karlsruhe heimisch: Das Tellerkraut, das Thomas Breuning hinter der Rennbuckelschule zeigt, kommt in der Fächerstadt in großen Beständen vor.
Auch in Karlsruhe heimisch: Das Tellerkraut, das Thomas Breuning hinter der Rennbuckelschule zeigt, kommt in der Fächerstadt in großen Beständen vor. | Foto: jodo

Unverwechselbare Blätter

Das Gemeine Tellerkraut hat sich in der Region stark verbreitet

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„Neuerdings breitet sich das auffällige Tellerkraut (Claytonia perfoliata) in Karlsruhe sehr stark aus“, schreibt BNN-Leser Thomas Breunig an die Redaktion. Das Gemeine Tellerkraut wächst ohne Pflege, vermehrt sich üppig und verspricht dem geneigten Wildkräutergärtner eine reiche Ernte. Otto-Normal-Gärtner liebt es vielleicht weniger, weil es Beete überwuchert, auf denen er gerne etwas anderes ernten möchte.

Von unserer Mitarbeiterin Monika John

Die Pflanze mit den unverwechselbaren, tellerförmigen Blättern findet man tatsächlich an allen Ecken und Enden. Thomas Breunig zeigt hinter der Rennbuckelschule eine große Kolonie. Teils noch im üppigen Grün, teils mit zarten Blüten und kleinen schwarzen Samenkernen, die sich selbst aussähen, teils schon nicht mehr so frisch aussehend. Die Samen überdauern den Sommer und keimen im Herbst.

Kraut zieht sich über Sommer zurück

In milden Wintern kann man das Kraut von Oktober bis Mai im Freiland ernten. Doch schon in wenigen Wochen wird man nichts mehr von dem Gemeinen Tellerkraut sehen; es zieht sich über den Sommer zurück.

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Thomas Breunig, von Beruf Diplom Geograf und Chef des Instituts für Botanik und Landschaftskunde, verweist darauf, dass das Kraut eine ordentliche Portion Vitamin C enthält und daher als Winter-Portulak, Winter-Postelein oder Kuba-Spinat auf den Wochenmärkten zu finden ist.

Man genießt die Pflanze roh, als Salat oder Zutat zu Quark oder Dips oder kurz blanchiert, als zarter Spinat und fein geschnitten als dekorative Zugabe der Suppe. Die dicken, herzförmigen Blätter zeichnen sich durch einen milden, leicht säuerlichen Geschmack aus. Die weißen Blüten kann man mitessen oder als Deko verwenden.

Ursprung in Nordamerika

Die Pflanze kommt aus Nordamerika und kam vermutlich über einen Umweg nach Kuba in die europäischen Gärten. Für die deutschlandweite Verbreitung haben wahrscheinlich Baumschulen beigetragen, vermutet Breunig. Auch in Karlsruhe trat das Kraut nach seinen Angaben anfangs nur unbeständig auf Baumscheiben auf, eingeschleppt mit den Erdballen jung gepflanzter Bäume.

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In Baden-Württemberg habe sich die Art inzwischen in den Sandgebieten zwischen Mannheim und Karlsruhe eingebürgert und in der Fächerstadt in den letzten Jahren, stark, fast explosionsartig ausgebreitet. Vor allem in den westlichen Stadtteilen, wo Sandböden vorherrschen.

Von Seiten der Kleingärtner gibt es keinerlei Beschwerden.

Alfred Lüthin, Bezirksvorsitzende der Karlsruher Gartenfreunde

Beobachtet wurde das Tellerkraut von Kartierern der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland unter anderem in Neureut, Knielingen, Daxlanden, Oberreut, Mühlburg, der West-, Süd- und Oststadt, auch in der Innenstadt und am Hauptbahnhof, vor allem aber in der Nordweststadt, wo es sehr große Bestände gibt. Wegen ihrer starken Ausbreitung steht die Claytonia auf der Beobachtungsliste der potenziell invasiven Pflanzenarten. Trotz der starken Ausbreitung sind in Karlsruhe keine negativen Auswirkungen auf die heimische Pflanzenart bekannt.

„Von Seiten der Kleingärtner gibt es keinerlei Beschwerden“, bestätigt Alfred Lüthin, der Bezirksvorsitzende der Karlsruher Gartenfreunde. Ernten kann man das Tellerkraut übrigens, wenn es bereits fünf Zentimeter groß ist. Ausgewachsen wird es bis zu 20 Zentimeter groß. Den Indianern soll es auch als Heilkraut gedient haben. So sollen die Shoshonen es in Breiumschlägen gegen rheumatische Schmerzen verwendet haben.

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