Erste Anlaufstelle: Die Räume der PionierGarage dienen Karlsruher Studierenden als Treffpunkt, Büro, Coworking Space und für Workshops. Die Vorstandsmitglieder wie Kevin Kraus (links) und Tobias Budig (rechts) kümmern sich um die Organisation.
Erste Anlaufstelle: Die Räume der PionierGarage dienen Karlsruher Studierenden als Treffpunkt, Büro, Coworking Space und für Workshops. Die Vorstandsmitglieder wie Kevin Kraus (links) und Tobias Budig (rechts) kümmern sich um die Organisation. | Foto: Jörg Donecker

Hochschulgruppe am KIT

PionierGarage: Wo Startups laufen lernen

Anzeige

Eine Garage ist der perfekte Ort zum Tüfteln – und ist der Ursprung vieler Gründungsmythen heutiger Großkonzerne. Anders als noch zu Studienzeiten von Steve Jobs oder später Mark Zuckerberg gibt es für junge Menschen mit findigen Startup-Ideen heute zahlreiche Unterstützungsangebote. Deutschlands größte Hochschulgruppe für Entrepreneurship kommt aus Karlsruhe: Die PionierGarage hat Anfang Juli ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert.

Der Verein bietet Studenten mit unternehmerischer Idee und Startups, die noch ganz am Anfang stehen, Unterstützung bei ihren allerersten Schritten: Einen Schreibtisch mit Stuhl und Bildschirm, Getränke und einen Kühlschrank in den vom Verein gemieteten Räumen in der Oststadt.

„Sie müssen nur noch ihren Laptop mitbringen“, meint Vorstandsmitglied Kevin Kraus, der im Verein das Ressort Marketing leitet. „Wir ermöglichen Studenten einen Arbeitsplatz für ihre Idee. Die Bibliotheken auf dem Campus sind vor allem in den Prüfungsphasen immer hoffnungslos überfüllt.“

Büroräume und Coworking Space

Zwei Räume können als Büro für einen kleinen Obolus „gemietet“ werden, zusätzlich dient ein größerer Raum als Coworking Space, in dem Studenten tageweise einen Schreibtisch gegen eine Spende von einem Euro nutzen können.

In einem weiteren Raum entsteht gerade die „Garage“: Dort sollen technische Geräte von der Bohrmaschine bis zum 3D-Drucker für die Umsetzung der kreativen Ideen bereitstehen. Und mittendrin, im „Wohnzimmer“, findet statt, was den Verein vor allem auszeichnet: Ein Ort des Austausches zwischen Studenten, Startups und etablierten Unternehmen, wo man sich trifft und gegenseitig unterstützt.

Der Verein will die persönliche wie fachliche Entwicklung der Studierenden unterstützen und ihnen den Aufbau persönlicher Kontakte erleichtern – kurzum, bestmögliche Voraussetzungen für den Start ins Unternehmertum schaffen. „Wir wollen die Studenten unterstützen und inspirieren zu gründen“, sagt Vorstandsmitglied Tobias Budig. „Wenn dann alles in geordneteren Bahnen verläuft, reichen wir sie weiter an Gründerschmieden wie das Cyberlab oder die Technologiefabrik.“

Erste Schritte Richtung Startup-Förderung

Dort gelte es nämlich, gewisse Hürden zu nehmen, um in die Förderprogramme aufgenommen zu werden. „Wir sind offen für alle Studenten in Karlsruhe, und auch für diejenigen, die mal in Karlsruhe vorbeikommen“, ergänzt Kevin Kraus. Denn jeder neue Kontakt ist wertvoll für das Netzwerk, den Verein und die Studierenden, die er unterstützt. Kürzlich habe etwa eine junge Frau aus New York eine Weile in der PionierGarage ihr Quartier bezogen.

In Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Cyberforum und Sponsoren aus der Unternehmenswelt veranstaltet der Verein regelmäßige Treffen und Workshops sowie einmal pro Semester die so genannte Startup-Tour. Mit ihr fing vor zehn Jahren alles an.

Wettbewerb „Grow“ für Startups

„Drei, vier Leute trafen sich damals wöchentlich, um über Startup-Themen zu sprechen“, erzählt Tobias Budig. „Irgendwann hat diese Gruppe von Studenten Startups im Silicon Valley angeschrieben und ist dann hingeflogen, um sich eine Woche lang die Startup-Kultur dort anzusehen.“ Inzwischen waren die Tüftler aus der PionierGarage schon auf Startup-Tour in Berlin, München, Hamburg, Boston, New York, China oder Ostafrika. Die Reisen werden teilweise durch das Land Baden-Württemberg gefördert.

Einmal im Jahr veranstaltet der Verein zudem den Gründungswettbewerb „Grow“, bei dem es darum geht, innerhalb von elf Wochen die besten Fortschritte zu machen. Die Gewinner erhalten neben Preisgeldern von rund 10 000 Euro verschiedenartige Unterstützung durch die Sponsoren, etwa eine Investition in die Firma oder einen kostenlosen Arbeitsplatz für mehrere Monate.

Die Erfolge ihrer Vereinsarbeit sehen die Mitglieder auch in den Erfolgen der Unternehmer, die einst selbst der PionierGarage angehörten. „Wir sind die Startup-Hochschulgruppe mit den meisten Ausgründungen in Deutschland“, sagt Tobias Budig. Bisher seien das zwischen 30 und 35.

Ehemalige Startups machen heute Millionenumsätze

Beispiele gefällig? Carl Finance ist eine Plattform für Firmenverkäufe, die sich um die Nachfolge in kleinen und mittelständischen Betrieben kümmert. First Momentum ist der erste studentische Risikokapitalfonds („Venture Capital Fund“) und der größte studentische Risikokapitalfonds in Europa.

Die Jobbörse Campusjäger zahlt ebenso dazu wie die Karlsruher Firma Enscape, die 3D-Visualisierungen für Architekten anbietet. „Und einer der Gründer von Kolibri Games hat mal auf einer meiner WG-Partys mitgefeiert – das habe ich erst hinterher erfahren“, erzählt Kevin Kraus. Mit Firmensitz in Berlin verbucht das Unternehmen inzwischen Umsätze im zweistelligen Millionenbereich.

Die PionierGarage ist die größte studentische Gründungsinitiative Deutschlands und fördert aktiv die Gründung neuer innovativer Unternehmen. Durch die Vereinsarbeit und die damit verbundene Ideenentwicklung, das Erlernen bestimmter Fähigkeiten und das Knüpfen von Kontakten können auch die mitwirkenden Studierenden in Karlsruhes Gründerszene eintauchen. Der Verein sieht sich selbst als eine Art Startup, da er sich finanzieren und vermarkten sowie Kontakte aufbauen muss. Die Aufgaben sind in verschiedene Ressorts aufgeteilt, die jeweils von einem Vorstandsmitglied geleitet werden: IT, Finanzen, Marketing, Events, External Relations (Netzwerken, Kooperationen). Unter dem Stichtwort Launchpad bietet der Verein konkrete Anschubhilfe für Unternehmensgründer und Studierende.
Mittlerweile zählt der Verein 350 Mitglieder, davon knapp 50 Aktive. Die Fluktuation ist, bedingt durch die kurze Dauer eines Studiums, hoch.
Zur Finanzierung von Räumlichkeiten und Aktivitäten ist der Verein auf Sponsoren angewiesen, zur Erweiterung des Netzwerks freut man sich ebenfalls über Partner.